Nach Einigung mit den Grünen

Teuerster Kanzler aller Zeiten? Das erwartet Merz

Friedrich Merz‘ Plan für ein milliardenschweres Sondervermögen könnte Deutschlands wirtschaftliche Geographie verändern – doch zu welchem Preis?

Berlin – Mit der offenbar erfolgten Einigung auf ein schuldenfinanziertes Finanzpaket hat CDU-Chef Friedrich Merz den Grundstein für eine beispiellose finanzielle Wende in Deutschland gelegt. Die Verhandlungen mit Union, SPD und den Grünen resultierten in einem Sondervermögen von 500 Milliarden Euro, das über die nächsten Jahre die Infrastruktur und den Klimaschutz des Landes stärken soll.

Friedrich Merz: Teuerster Kanzler aller Zeiten?

Wird Merz damit also zum „teuersten Kanzler aller Zeiten“, wie ihn ein großes deutsches Politmagazin die Tage titulierte? Klar ist: Das politische Vorhaben der zukünftigen Koalitionäre in Berlin sieht vor, dass die Verschuldung um etwa eine Billion Euro ansteigt, was laut Beobachtern das Vertrauen der Deutschen herausfordert. Es wird damit gerechnet, dass diese Schulden den Bürgern auch nach dem Ausscheiden von Merz aus dem politischen Betrieb noch lange nachhängen werden.

Obwohl dieser Plan ambitioniert ist, kulminierten die Verhandlungen am frühen Freitagnachmittag in einem Kompromiss mit den Grünen, die zunächst skeptisch waren. Merz betonte letztendlich die „guten und vertrauensvollen“ Verhandlungen, die das Zustandekommen dieses Finanzpakets ermöglichten, das laut ihm eine klare Botschaft der Verteidigungsbereitschaft Deutschlands aussendet. Und auch für den durch die Grünen protegierten Klimaschutz sollen rund 100 Milliarden Euro mobilisiert beziehungsweise von den genannten 500 Milliarden abgezweigt werden.

Mit dem neuen Schuldenpaket will Merz Deutschlands Infrastruktur und Klimaschutz ankurbeln.

Merz und das Sondervermögen: Experten sind geteilter Meinung

Merz steht trotz dieser Einigung, die aus Sicht der Union einen „kraftvollen Anschub“ für das Land darstellt, enorm in der Kritik. Die Kehrtwende von früheren Haltungen wird von vielen als politisches Kalkül gesehen. Während eines Auftritts im Bundestag wich er jedoch konkreten Fragen zu seiner veränderten Einstellung zur Schuldenbremse aus.

Ökonomische Analysten sind geteilter Meinung über den langfristigen Nutzen und das Risiko dieses Finanzpakets. Wie Die Zeit berichtet, könnte der Anstieg der Schuldenquote, die sich derzeit bei etwa 63 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bewegt, Sorgen über Deutschland als potenzielles Problemkind der Eurozone schüren. Experten warnen ferner, schreibt etwa der Stern, dass das Vorhaben bei einer Überflutung des Marktes mit neuem Geld zu steigenden Preisen und somit zu Inflation führen könnte, wodurch der gesamte Aufschwung gefährdet wäre.

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Ukraine-Krieg, Corona und andere Sorgen haben für enorme Mehrausgaben gesorgt

Doch gibt es auch optimistischere Einschätzungen, die davon ausgehen, dass die Milliardeninvestitionen das Wachstum so ankurbeln könnten, dass die Schuldenquote relativ gering bleibt. Manche Wirtschaftswissenschaftler sehen in den geplanten Infrastrukturmaßnahmen eine Chance, die Konjunktur zu stärken und die Produktivität langfristig zu erhöhen. Der kurzfristige Wirtschaftsaufschwung könnte zudem durch die erhöhten Verteidigungsausgaben gestützt werden, wenngleich diese nicht die gleiche ökonomische Hebelwirkung wie Investitionen in den Bau neuer Infrastruktur haben. Entscheidend wird sein, wie diese Geldströme tatsächlich genutzt werden und ob sie die erhofften wirtschaftlichen Effekte erzielen können.

Dennoch: Es steht ein wirtschaftlicher Neustart die gesamten kommenden Jahre auf dem Spiel, und die Investitionen, die die neue Regierung plant, müssen im Grunde sowohl politisch als auch wirtschaftlich zwingend erfolgreich sein. Die deutsche Volkswirtschaft hat in den vergangenen Jahren unter zahlreichen Krisen gelitten. Die durch Corona, den Ukraine-Krieg und andere Herausforderungen entstandenen Schäden belaufen sich auf 735 Milliarden Euro, rechnet der Stern vor.

Merz‘ Plan mit dem Sondervermögen: Wie lange währt das Vertrauen der Deutschen?

Im Glanz der Einigung von Union, SPD und Grünen wird indes die drängende Frage lauter: Ist es gerechtfertigt, künftigen Generationen diese Schuldenlast aufzubürden, ohne klare Sicherheiten der Rendite? „Whatever it takes“? Wie lange das Vertrauen der Deutschen in Friedrich Merz und seinen mit Schulden gespickten Kurs anhalten wird, bleibt abzuwarten. Vor allem muss sich auch die Frage stellen, an welchen Stellen trotz Sondervermögens gespart und effizienter agiert werden kann. Der politische Druck könnte nicht nur durch wirtschaftliche Unsicherheiten, sondern auch durch soziale Erwartungshaltungen kontinuierlich steigen.

Es ist ein Balanceakt zwischen notwendigem Fortschritt und der Verantwortung, die demokratische Unterstützung nicht zu überbeanspruchen. Die Frage bleibt, ob das politische Kalkül des CDU-Chefs Merz aufgeht und wie nachhaltig dieses Schuldenpaket das Land wirklich verändern kann.

Rubriklistenbild: © IMAGO / photothek

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