US-Präsident hofft auf „Geschäft“

„Nur noch sechs übrig“: Pistorius und Trump-Minister beraten über Patriot-Raketen

Pistorius wird konkret: Deutschland besitzt nur noch sechs Patriot-Systeme. In Washington erkundet er Optionen zur weiteren Ukraine-Unterstützung.

Washington, D.C – In der US-amerikanischen Hauptstadt Washington steht ein politischer Großkampftag an. US-Präsident Donald Trump hatte bereits in der vergangenen Woche für heute eine wegweisende Erklärung zu Russland angekündigt. Nato-Generalsekretär Mark Rutte hat wohl auch deswegen für den heutigen Montag (14. Juli) einen Besuch in US-amerikanischen Machtzentrum angekündigt.

Mittendrin: Boris Pistorius (SPD). Der Verteidigungsminister trifft sich mit seinem US-amerikanischen Amtskollegen Pete Hegseth, um über eine Stärkung der Luftverteidigung für die Ukraine zu beraten.

Pistorius in Washington: Verteidigungsminister wirbt um Luftabwehr für den Ukraine-Krieg

Kiew braucht im Ukraine-Krieg gegen Russland vor allem mehr Luftabwehrsysteme, um sich gegen die andauernden Raketen-Angriffe der Armee von Wladimir Putin und den Drohnen-Terror aus Moskau zur Wehr setzten zu können. Dabei war zuletzt immer wieder das US-System „Patriot“ im Fokus der öffentlichen Debatte gewesen. Deutschland, das erklärte Pistorius am Wochenende im Interview mit der britischen Financial Times (FT(, könne der Ukraine jedoch keine weiteren Patriot-Systeme liefern. Der einfache Grund: Man hat selbst kaum noch funktionierende.

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„Nur noch sechs übrig“: Patriot-Mangel in Deutschland – Pistorius für Verhandlungen in Washington

„Wir haben in Deutschland nur noch sechs übrig“, sagte Pistorius der FT. Ursprünglich hatte Deutschland über zwölf Patriot-Batterien verfügt, doch deren Bestand habe sich durch den Ausbruch des Ukraine-Kriegs quasi halbiert. Drei Patriot-Systeme hat die Bundesregierung bereits an die Ukraine geliefert. Zwei weitere Systeme haben man für einen besseren Schutz des Luftraums an der Nato-Ostflanke an Polen verliehen und ein weiteres System sei wegen „Wartung oder Training“ nicht verfügbar.

„Das ist wirklich zu wenig, vor allem in Anbetracht der Nato-Fähigkeitsziele, die wir erfüllen müssen. Wir können definitiv nicht mehr geben“, machte Pistorius klar.

Der Verteidigungsminister vor dem Objekt der Begierde: Boris Pistorius (SPD) hofft in den USA auf einen neuen Deal, um Patriot-Systeme an die Ukraine liefern zu können. (Archivbild)

Pistorius arbeitet an Patriot-Deal für die Ukraine – Trump freut sich auf „Geschäft“

Auch wegen des eklatanten Mangels in den eigenen Reihen sucht Pistorius in Washington nach einer Lösung. Im Raum steht ein „Patriot-Deal“, den der Verteidigungsminister bereits im vergangenen Monat vorgeschlagen hatte. Deutschland kauft Patriot-Systeme direkt von den USA und schickt sie dann in die Ukraine. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bereits am Donnerstag bei der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz in Rom erstmals öffentlich die Bereitschaft Deutschlands erklärt, den USA Patriot-Flugabwehrsysteme abzukaufen, um sie dann in die Ukraine zu schicken. Dabei soll es um zwei Patriot-Systeme gehen, ein drittes könnte durch Norwegen finanziert werden.

Für Trump, der in den letzten Wochen einen regelrechten Zickzack-Kurs mit Blick auf die militärische Unterstützung der Ukraine hingelegt hat, scheint der Vorstoß aus Deutschland ein denkbarer Kompromiss zu sein. Trump kündigte noch am Sonntag an, Patriot-Waffensysteme an die europäischen Verbündeten verkaufen zu wollen, damit sie an die Ukraine geliefert werden können. „Für uns wird das ein Geschäft sein“, sagte er. „Die EU zahlt dafür. Wir zahlen nichts, aber wir werden liefern.“

Hoffnung im Ukraine-Krieg: Das US-amerikanische Luftabwehrsystem Patriot

MerkmalInfo
TypMobiles Luftverteidigungssystem
HerstellerRaytheon & Lockheed Martin (USA)
ReichweitePAC-2: ca. 70 km; PAC-3 MSE: bis zu 160 km (je nach Version)
max. EinsatzhöhePAC-2: ca. 24 km; PAC-3 MSE: bis ca. 34 km
Raketenzahl/StartgerätBis zu 8 (PAC-2) oder 16 (PAC-3) Raketen pro Startgerät
Kosten pro RaketePAC-2 ca. 3–4 Mio. Dollar; PAC-3 meist teurer
EinsatzländerUSA, Deutschland, Ukraine, Nato-Partner und weitere Staaten
FähigkeitenAbwehr von Flugzeugen, Raketen, Marschflugkörpern
Deutsche LieferungMindestens 3 Systeme an Ukraine geliefert, weitere geplant

Pistorius zum Antrittsbesuch bei Hegseth: Patriot-Deal, F-35 und US-Soldaten in Deutschland

Neben den Verhandlungen über die Lieferungen von Patriot-Systemen dürften Pistorius und Hegseth auch über die Präsenz der knapp 38.000 US-Soldaten in Deutschland, die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik und die Zukunft der US-amerikanischen Kampfjets vom Typ F-35 gehen.

Der Zeitplan für Pistorius in Washington ist dabei eng getaktet. Der Verteidigungsminister wird am späten Vormittag (Ortszeit) in Washington erwartet, das Treffen mit Hegseth ist für 20 Uhr deutscher Zeit geplant. Pistorius wird keine 24 Stunden in den USA bleiben. Schon am Dienstagmorgen geht es nach Berlin zurück. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dürfte darauf hoffen, dass er dann einen Patriot-Deal mit nach Europa bringt. (fdu mit dpa)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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