Waffen für die Ukraine

Deutsche Waffen im Ukraine-Konflikt nur begrenzt kriegstauglich

Die Mehrheit der deutschen Waffensysteme offenbart im Ukraine-Konflikt erhebliche Defizite in ihrer Leistungsfähigkeit.

Update 11. April, 14.55 Uhr: Die Ukraine und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) dementieren die Berichte über schlechte oder nur eingeschränkt nutzbare Waffensysteme an der Ukraine-Front unterdessen. Pistorius zeigte sich überrascht. Am Rande des Treffens der Verteidigungsminister der Ukraine-Kontaktgruppe sagte er am Freitag in Brüssel: „Die Berichte habe ich mit Erstaunen zur Kenntnis genommen“. Beschwerden über das gelieferte Material seien ihm nicht bekannt.

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksij Makejew lobte die an sein Land gelieferten deutschen Waffen und erklärte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Freitag: „Die deutschen Waffen gehören zu den besten, die wir haben.“ Weiter seien die deutschen Waffensysteme den russischen „weit überlegen“.

Erstmeldung: Kiew – Die Ukraine ist im Ukraine-Krieg auf die Hilfe ihrer Partner angewiesen. So fordert Kiew häufig Waffensysteme und weitere militärische Unterstützung von dem Westen, um sich gegen Russland verteidigen zu können. Jetzt legt ein internes Bundeswehr-Protokoll nahe, dass zahlreiche von Deutschland gelieferte Waffensysteme an der Front nur eingeschränkt einsatzfähig sind.

Ukraine-Krieg: Ein Gepard-Flugabwehrpanzer und seine Besatzung stehen in einer Stellung östlich von Odessa. (Archivbild)

Die Süddeutsche Zeitung, der NDR und der WDR berichten übereinstimmend über das Dokument, das aus einem Vortrag des stellvertretenden Militärattachés der deutschen Botschaft in Kiew stammt. Vor rund 200 Bundeswehr-Nachwuchsoffizieren schilderte der Attaché im Januar in Delitzsch die Erfahrungen der ukrainischen Armee mit dem deutschen Kriegsgerät – und zeichnete ein ernüchterndes Bild.

Waffen für die Ukraine: Internes Protokoll zeigt Mängel an der Front auf

Demnach bereiten insbesondere komplexe Großwaffensysteme erhebliche Probleme. Die Panzerhaubitze 2000 wird zwar grundsätzlich als leistungsstarkes System eingestuft, weist laut dem Vortrag jedoch eine technische Anfälligkeit auf, dass die Kriegstauglichkeit stark infrage gestellt wird. Beim Kampfpanzer Leopard 2A6 zum Beispiel ist der Instandhaltungsaufwand hoch, Reparaturen können zudem häufig nicht direkt an der Front erfolgen.

Ein weiteres Problem betrifft die gelieferten Patriot-Raketenbatterien. Zwar wird deren militärischer Wert grundsätzlich anerkannt, doch aufgrund veralteter Trägerfahrzeuge und fehlender Ersatzteile durch den Hersteller gelten sie als nur eingeschränkt nutzbar. Der Leopard 1A5 wird an der Front „als zuverlässig“ beschrieben. Dennoch komme er laut ukrainischer Einschätzung „aufgrund zu schwacher Panzerung oft nur als Behelfsartillerie“ zum Einsatz.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Besonders positiv hebt der Bericht hingegen den Flugabwehrpanzer Gepard hervor. Die Bundeswehr hatte dieses System vor dem Krieg außer Dienst gestellt, für die Ukraine jedoch wieder reaktiviert. In dem Protokoll heißt es, die Geparden seien aus Sicht der ukrainischen Streitkräfte das „beliebteste, effizienteste und zuverlässigste Waffensystem“.

Ukraine-Krieg: Kritik an deutscher Waffenhilfe – kaum ein Großsystem voll einsatzfähig

In der Zusammenfassung wird das Papier deutlich: „Uneingeschränkt kriegstauglich ist kaum ein deutsches Großgerät“. Trotz der Kritik hält die ukrainische Regierung an ihren Forderungen nach deutscher Militärhilfe fest. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums äußerte sich auf Anfrage nicht zu dem als Verschlusssache eingestuften Papier. Er betonte jedoch, man befinde sich mit der Ukraine in einem kontinuierlichen Austausch über die gelieferten Waffen, deren Wartung sowie über die Versorgung mit Ersatzteilen und Munition. (jal)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Kay Nietfeld / Avalon

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