Abkehr von feministischer Außenpolitik
Baerbocks Erbe: Johann Wadephul soll Außenpolitik für Merz umkrempeln
Nach Annalena Baerbocks Ära droht die Zäsur: Wadephul plant Ende feministischer Außenpolitik. Entwicklungsgelder nur noch gegen Abschiebe-Deals?
Berlin – Sechs Wochen nach der Bundestagswahl 2025 stehen CDU, CSU und SPD vor einer historischen Weichenstellung: Der Koalitionsvertrag ist unterzeichnet, doch das Personalkarussell dreht sich weiter. Im Fokus steht dabei der CDU-Politiker Johann Wadephul, der als designierter Nachfolger von Annalena Baerbock (Grüne) im Auswärtigen Amt gehandelt wird. Wie mehrere Medien berichten, könnte der 62-jährige Schleswig-Holsteiner die Außenpolitik der künftigen schwarz-roten Regierung prägen – und damit einen Kurswechsel einläuten.
In Merz‘ Kabinett: Johann Wadephul soll Außenpolitik umkrempeln
Wadephul, seit 2009 Bundestagsabgeordneter und stellvertretender Unionsfraktionsvorsitzender, positioniert sich bereits als Gegenentwurf zur Amtszeit Baerbocks. Gegenüber der dpa-AFX betonte er: „Es war in den vergangenen Jahren so, dass das Auswärtige Amt sich auch immer ein bisschen als Korrektivorgan verstanden hat. Das muss jetzt nicht mehr so sein, sondern man kann im Vorhinein in Abstimmungsprozesse hineingehen.“ Ein klarer Verweis auf Konflikte zwischen Baerbock und dem scheidenden Kanzler Olaf Scholz (SPD), die häufig als Reibungspunkte der Ampelkoalition galten.
Der Koalitionsvertrag von Union und SPD bestätigt diesen Kurs: Statt einer feministischen Außenpolitik soll künftig ein multilaterales Engagement, das sowohl auf Sicherheit als auch auf humanitären Werten basiert, verfolgt werden. Entwicklungszusammenarbeit werde an Migrationsfragen, etwa Abschiebeabkommen, geknüpft. Im Vertrag steht: „Die Kooperationsbereitschaft der Partnerländer bei den Bemühungen, die irreguläre Migration nach Europa zu begrenzen und eigene Staatsbürgerinnen und Staatsbürger zurückzunehmen, ist ein zentraler Faktor für den Umfang der bilateralen Regierungszusammenarbeit.“
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Neuer Außenminister? Wadephuls Expertise unbestritten – trotz Fake-Anrufs prorussischer Komiker
Wadephuls Expertise in Sicherheitsfragen ist unbestritten: Der promovierte Jurist und ehemalige Zeitsoldat gilt als Nato-Experte und setzt sich für eine stärkere europäische Verteidigung ein. Doch sein Ruf erhielt Anfang 2025 einen Dämpfer: Damals fiel Wadephul einem Fake-Anruf prorussischer Komiker zum Opfer, die sich als ukrainischer Präsident Selenskyj ausgaben. In dem 20-minütigen Gespräch soll es um Wahlkampfhilfe und Militärhilfe gegangen sein – eine Peinlichkeit, die der CDU-Politiker bis heute begleitet.
Kritiker befürchten unterdessen einen Machtverlust des Auswärtigen Amts. Wie der Spiegel analysiert, plant die Union die Einrichtung eines Nationalen Sicherheitsrats im Kanzleramt, der Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik koordinieren soll. Wadephul selbst sieht darin laut dpa-AFX jedoch „eine große Errungenschaft“, um hybride Bedrohungen besser zu bekämpfen. Außenpolitikexperte Prof. Thomas Jäger (Uni Köln) zeigt sich insgesamt skeptisch: Im BILD-Interview warnt er vor „gut gemeinter Selbstüberschätzung der deutschen Handlungsfähigkeit“. Auch die von Baerbock forcierte Klimaaußenpolitik könnte unter Merz an Einfluss verlieren.
Möglicher Nachfolger: Pragmatiker Wadephul würde wohl von Baerbocks Außenpolitik abrücken
Trotz der Gerüchte betonen alle Beteiligten, dass die Personalien noch nicht finalisiert sind. Sicher scheint lediglich, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Amt bleiben soll, wie etwa tagesschau.de berichtet. Sollte Wadephul tatsächlich nominiert werden, stünde ihm eine Herkulesaufgabe bevor: die Balance zwischen transatlantischer Solidarität unter Trump, europäischer Sicherheit und einem kooperativen Verhältnis zum Kanzleramt.
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