„Es zählt jede Sekunde“

Erdbeben-Angst in Istanbul: Erdogan mit eindringlicher Warnung

Am Mittwoch traf ein schweres Erdbeben Istanbul. Türkei-Präsident Erdogan reagiert – der Fokus liegt auf möglichen Nachbeben.

Update vom 24. April 2025: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat nach den Erdbeben in der Millionenmetropole Istanbul davor gewarnt, die Katastrophe für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Solche Tage seien nicht dafür da, „Politik zu machen“, sondern um sich an „Einheit und Brüderlichkeit“ zu erinnern. Erdogan betonte, er wolle an solch sensiblen Tagen keine Diskussion führen, da er dies als „Respektlosigkeit gegenüber dem Volk“ empfinde. „Unser größter Trost ist, dass wir keine Toten zu beklagen haben.“

Die Opposition kritisiert die Regierung Erdogans für Versäumnisse bei der Stadtentwicklung und unzureichende Maßnahmen zur Erdbebensicherheit. Laut dem Städteministerium wurden seit Beginn der Erdbeben am Mittwoch rund 1400 Schadensmeldungen an Gebäuden registriert. Rund 1,5 Millionen Bauten werden demnach im Falle eines starken Erdbebens als „riskant“ eingestuft. „Für Istanbul zählt jede Sekunde und die Zeit wird knapp“, sagte Minister Murat Kurum.

Erstmeldung vom 23. April 2025: Istanbul– Um 11.49 Uhr Mitteleuropäischer Zeit nahe Marmara Ereğlisi, südwestlich von Istanbul, bebte die Erde: Laut dem türkischen Katastrophendienst AFAD und dem GFZ Potsdam wurden bei dem schweren Erdbeben in der Türkei am Mittwoch eine Magnitude von 6,2 gemessen. Es war in der Millionenmetropole Istanbul deutlich zu spüren. Viele Menschen rannten aus Angst ins Freie. Nun meldet sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan zu den aktuellen Entwicklungen zu Wort.

Verletzte nach Erdbeben in Istanbul: Türkei-Präsident Erdogan äußert sich

Präsident Erdogan wurde während eines Programms im Präsidentenkomplex, bei dem er anlässlich des Tages der Nationalen Souveränität und des Kindertages seinen Bildungsminister Yusuf Tekin und dessen Kinder empfing, über die aufeinanderfolgenden Erdbeben in Istanbul informiert. Im Anschluss an die Veranstaltung äußerte sich der Präsident der Türkei gegenüber der Presse und sagte mitfühlend: „Ich wünsche unseren Bürgern eine baldige Genesung. Wir verfolgen die Entwicklungen aufmerksam“, zitiert ihn trthaber.com.

Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten

Armut, Haft, absolute Macht: Der Sohn eines Küstenschiffers wird in einer politischen Karriere vom eifrigen Koranschüler zum absoluten Machthaber in der Türkei. Recep Tayyip Erdogans Weg kann getrost unüblich genannt werden. Aufgewachsen in einem religiösen, doch armen Vorort von Istanbul macht er als talentierter Fußballer auf sich aufmerksam. Der religiöse Vater verbietet den Traum vom Fußball und schickt ihn auf eine Religionsschule, auf welcher er ein neues Talent entdeckt. Die freie Rede ist damals eines der wichtigsten Fächer und der junge Recep macht schon damals mit seinem Redetalent auf sich aufmerksam und konnte aufgrund des ISKI-Skandals als Außenseiter Bürgermeister Istanbuls werden.
Es folgte ein großer Wahlerfolg seiner Partei bei den Parlamentsgutswahlen 2002. Zwar durfte Erdogan aufgrund eines Gedichtes, für welches er zu einem Politikverbot und einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, nicht das Amt des Ministerpräsidenten nicht einnehmen. Dafür installierte er seinen Parteikollegen Abdullah Gül in dem Amt, welcher kurzerhand die Gesetze änderte, um das Vergehen, welches Erdogan ein Politikverbot einbrachte, umschrieb.
Nachdem Gül die Verfassungsänderung durchgebracht hatte, und eine Annullierung der Wahl in der Provinz Siirt stattfand, konnte er nachträglich als Abgeordneter ins Parlament einziehen. Somit war er erneut offiziell Politiker und in der Lage, Ämter innezuhaben. Er wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident und Gül übernahm den Posten des Außenministers. Hier auf diesem Foto wird Erdogan als Parlamentsabgeordneter vereidigt.
Erdogan wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident, Abdullah Gül übernahm den Posten des Außenministers. Zunächst öffnete sich die Türkei dem Westen und schuf etwa die Todesstrafe ab. Außenpolitisch verfolgte Erdogan zudem anfangs eine Annäherung an die EU, sodass ein möglicher Beitritt im Raum stand. Auch verbesserte sich das Verhältnis der Türkei zu ihren östlichen Nachbarn deutlich.
Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten

Nach der Serie von Erdbeben nahe der türkischen Millionenmetropole Istanbul wurden bislang keine größeren Schäden gemeldet. „Bei unseren ersten Untersuchungen wurden keine Schäden oder negativen Zustände an den Straßen, Flughäfen, Zügen und U-Bahnen festgestellt“, erklärte der türkische Verkehrsminister Abdulkadir Uraloglu auf der Plattform X.

Aktuell werden 151 Verletzte medizinisch behandelt. Laut einer Mitteilung des Istanbuler Gouverneursamts auf der Plattform X seien die Betroffenen „aus Panik aus der Höhe gesprungen“. Glücklicherweise befinde sich keiner von ihnen in Lebensgefahr. Innenminister Ali Yerlikaya erklärte ebenfalls auf X, dass es bislang keine Berichte über Tote gebe.

Nachbeben in der Türkei: Istanbul mit tausenden illegal errichtete Gebäuden

Auch Innenminister Ali Yerlikaya bestätigte laut der Nachrichtenagentur Anadolu, dass es bisher keine Notrufe über eingestürzte Gebäude gegeben habe. In der Türkei stehen insbesondere die Schwarzbauten im Fokus: Beim letzten großen Erdbeben in der Türkei im März 2023 waren zahlreiche illegal errichtete Gebäude betroffen. Nicht nur die Gebäudesubstanz ist ein großes Risiko in der Metropole, in der ein Nachbeben mit der Stärke über 7 laut vielen Experten seit langem überfällig ist.

Mängel bei der Bauaufsicht und Korruption sind weit verbreitet. Zudem wurden in der Vergangenheit immer wieder – und nicht nur in Istanbul – tausende illegal errichtete Gebäude nachträglich über Baumamnestien legalisiert. 

Erdbeben trifft Istanbul – Erdogan: „Wir verfolgen die Entwicklung aufmerksam.“ (Archiv)

Laut Berichten wurden 2023 knapp 300.000 dieser nachträglich genehmigten Gebäude in den vom Erdbeben betroffenen Regionen gezählt. Viele dieser Bauten wiesen erhebliche Baumängel auf und waren deshalb besonders einsturzgefährdet, was die hohe Zahl an zerstörten Gebäuden und Opfern mitverursachte. In der Türkei müssen Jahre nach dem großen Erdbeben noch immer 650.000 Menschen in Containern hausen.

Türkei-News: Gouverneursamt von Istanbul warnt vor beschädigten Gebäuden nach Erdbeben

Das Gouverneursamt von Istanbul teilte am Mittwoch aktuell mit, dass man sich weiterhin in Alarmbereitschaft befinde. Auf der Plattform X wurde zudem eindringlich davor gewarnt, sich beschädigten Gebäuden zu nähern. „Wir bitten unsere Bürgerinnen und Bürger, ruhig zu bleiben und sich nicht Gebäuden zu nähern, die möglicherweise beschädigt wurden“, hieß es in der Mitteilung. Erst Anfang der Woche hatte weiter nördlich die Erde gebebt – in Italien herrscht nun Angst vor dem Ausbruch eines Supervulkans.

Beim Erdbeben am 6. Februar 2023 starben insgesamt mindestens 62.000 Menschen in der Türkei und Syrien, davon mindestens 53.000 in der Türkei. Die Zahl der Verletzten lag bei über 125.000. Nach dem verheerenden Beben von 2023 hatte die internationale Gemeinschaft bei einer Geberkonferenz in Brüssel mehr als sieben Milliarden Euro für den Wiederaufbau zugesagt. Fachleute mahnten damals Geberländer beim Wiederaufbau nach dem Erdbeben in der Türkei zur Vorsicht.

Rubriklistenbild: © dpa/ Yasin Akgul und IMAGO / ABACAPRESS

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