Rätselhaftes Klimaphänomen
Wetter-Experten befürchten El-Niño-Sommer – was das für NRW bedeutet
El Niño könnte Rekordhitze bringen. Neue Messmethoden verändern die Prognosen. Für NRW bleibt die Wetterlage ungewiss. Das Klimaphänomen sorgt für Rätsel.
El Niño – das spanische Wort für „das Christkind“ – ist eines der mächtigsten Klimaphänomene der Erde. Es entsteht im tropischen Pazifik, wenn die sogenannten Passatwinde abschwächen, die normalerweise warmes Oberflächenwasser nach Westen in Richtung Australien und Asien drücken. Lässt dieser Winddruck nach, fließt das aufgewärmte Wasser zurück in Richtung Südamerika – die Meeresoberfläche erwärmt sich ungewöhnlich stark. Was im Pazifik beginnt, wirkt wie ein Dominoeffekt: Niederschlagsmuster, Luftströmungen und Temperaturen verschieben sich weltweit. Im Schnitt tritt El Niño alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert meist neun bis zwölf Monate. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) rechnet noch in diesem Jahr mit der Rückkehr von El Niño.
Die US-amerikanische Wetterbehörde NOAA beziffert die Wahrscheinlichkeit auf 50 bis 60 Prozent, dass sich zwischen Juli und September 2026 ein neues El-Niño-Ereignis entwickelt. Das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW) geht davon aus, dass die Auswirkungen zunächst im Sommer spürbar werden – mit voller Wirkung erst im Herbst und Winter. Der Leiter des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus, Carlo Buontempo, warnt bereits: Kehrt El Niño zurück, könnte 2026 ein neues globales Rekordjahr bei den Temperaturen werden.
El Niño könnte 2026 Rekorde treiben
Das bestätigt auch Diplom-Meteorologin Verena Leyendecker von Wetteronline. „In diesen Jahren hat man oft Rekordjahre. Ob das aber auch in NRW zu einem Hitzesommer führen wird, ist noch völlig unklar“, sagt sie im Gespräch mit wa.de. Zum Vergleich: Der letzte El Niño 2023/2024 war einer der fünf stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen – und trug maßgeblich dazu bei, dass 2024 das heißeste Jahr der Menschheitsgeschichte wurde.
So mächtig El Niño ist, so schwer ist er präzise vorherzusagen. Das liegt vor allem daran, dass das Phänomen mit dem Klimawandel in Wechselwirkung tritt – auf eine Weise, die Wissenschaftler noch nicht vollständig verstehen. Die langjährigen Referenzwerte, mit denen Meteorologen El Niño messen, werden durch die immer schneller steigende Erderwärmung zunehmend unzuverlässig. Die NOAA hat deshalb im Februar 2026 eine neue Messmethode eingeführt: den sogenannten Relativen Ozeanischen-Niño-Index (RONI), der Temperaturanomalien im Pazifik nicht mehr mit einem festen 30-Jahres-Durchschnitt vergleicht, sondern mit den Temperaturen der gesamten Tropen. „Das ist schon viel besser“, sagt Expertin Leyendecker. Für das Wetter in NRW ist das aber nur marginal wichtig.
Bedrückende Bilder: Wetterextreme der vergangenen Jahre in NRW




Für Nordrhein-Westfalen gilt: El Niño trifft uns nicht direkt, sondern allenfalls als Fernwirkung. Das Phänomen verändert zunächst die großräumigen Zirkulationsmuster in der Atmosphäre – und das kann sich auch auf Europa auswirken. Statistisch steigen in El-Niño-Jahren die Chancen auf Hitze und stabile Hochdrucklagen in Mitteleuropa leicht an. Das bedeutet jedoch keine Garantie für einen Hitzesommer in NRW. „Man kennt die genauen Auswirkungen aber bis jetzt nicht. Das wäre alles nur rein spekulativ“, gibt Meteorologin Verena Leyendecker zu bedenken. Denn regionale Faktoren wie die Nordatlantische Oszillation können den El-Niño-Einfluss entweder verstärken – oder ihn komplett überlagern. Ob der Sommer 2026 also heiß oder verregnet wird, lässt sich aus dem Pazifik allein nicht ablesen.
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