Tiger wird „nicht erschossen“

„Tierhaltung entspricht Standards“: Tierpark wehrt sich gegen Vorwürfe nach Tiger-Angriff

Der Tiger-Angriff in Delbrück beschäftigt auch die Tierschutzorganisation Peta. Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen den Tierpark Nadermann. Der wehrt sich.

Delbrück – Der Tiger-Angriff im Tierpark Nadermann in Delbrück im Kreis Paderborn hat deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt. Eine Pflegerin wurde dabei am Montag schwer, aber nicht lebensgefährlich, verletzt. Tierpark-Chef Christoph Nadermann äußert sich am Dienstag, 13. Mai, zum Vorfall – und verteidigt sich gegen Vorwürfe der Tierschutzorganisation Peta.

Tierschützer erheben schwere Vorwürfe nach Tiger-Angriff – „Schlicht und ergreifend falsch“

„Zum Schutz des Zoopersonals und der Tiere fordert die Organisation, die Haltung von Großkatzen und anderen Wildtieren in zoologischen Einrichtungen zu beenden“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung der Tierschützer. Tierpark-Chef Nadermann reagiert brüskiert auf diese Forderung. Einen Zusammenhang will er nicht erkennen.

Im Tierpark Nadermann bei Paderborn gibt‘s unter anderem ein Tigergehege. Dort ist es zu einem Angriff gekommen (Symbolbild).

„Es ist schlicht und ergreifend falsch, was Peta da verbreitet. Peta springt natürlich auf so einen Zug auf, weil sie die Aufmerksamkeit wollen. Die Recherche von Peta ist aber grundsätzlich schlecht“, sagt Nadermann im Gespräch mit wa.de. Die Tierschützer sehen das selbstredend anders.

„Der aktuelle Fall im Tierpark Nadermann ist kein Einzelfall, sondern die logische Konsequenz eines Systems, das noch immer Wildtiere unter schlimmsten Bedingungen zu Unterhaltungszwecken einsperrt“, wird Dr. Yvonne Würz, Petas Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche, in der Mitteilung zitiert. Ihre klare Forderung: „Dieses Tierleid kann nur beendet und auch weitere Angriffe, Unfälle und Ausbrüche verhindert werden, wenn Großkatzen nicht mehr eingesperrt und zur Schau gestellt werden.“ Das ist aber noch längst nicht alles. Die Tierschützerin prangert auch die Haltung der Wildtiere im Tierpark Nadermann direkt an.  

Peta beruft sich auf „Whistleblower-Meldungen“

Peta hätten demnach „über die Jahre immer wieder Whistleblower-Meldungen zu dem privat geführten Tierpark in Delbrück“ erreicht – vor allem bezüglich der Großkatzenhaltungen. Im November 2023 habe die Organisation nach eigenen Angaben „die artwidrigen Haltungsbedingungen vor Ort“ selbst dokumentiert. „Dabei zeigten unter anderem die beiden Tiger starke Verhaltensstörungen in ihrem winzigen Gefängnis, wirkten sichtlich gestresst durch den Lärm und Trubel im Tierpark und sprangen sogar gegen die Gitter“, erklärt Dr. Würz. Nachgewiesen werden konnten diese Vorwürfe bislang nicht.

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Im vergangenen Jahr hatte Peta bei der Staatsanwaltschaft Paderborn entsprechend Strafanzeige gegen die verantwortliche Tierparkleitung erstattet. Die Ermittlungen wurden jedoch eingestellt. Die in Deutschland geltenden Standards scheinen nach Ansicht der Behörden offenbar eingehalten worden zu sein. „Die Tierhaltung in Zoos entspricht Standards, die wir in Deutschland haben und die immer wieder überprüft werden“, sagt Tierpark-Chef Nadermann, der den Vorfall nun auf „menschliches Versagen“ zurückführt.

„Menschliches Versagen“ sei schuld am Tiger-Angriff in Delbrück

„Eine kleine Ablenkung“ habe in diesem Fall ausgereicht. „Normalerweise gilt das Vier-Augen-Prinzip, aber unsere Tierpflegerin ist allein ins Gehege – aufgrund der Tatsache, dass sie zuvor einen sehr traurigen Anruf erhalten hatte, der sie extrem aufgewühlt hat“, erklärt Nadermann. Der Mitarbeiterin, die sich noch in stationärer Behandlung befindet, gehe es den Umständen entsprechend gut. „Aber der Schock sitzt natürlich tief, auch hier im gesamten Team. Wir müssen diese Situation daher intern aufarbeiten und haben auch sehr lange in einem Meeting darüber gesprochen“, sagt Nadermann, der zudem eng mit den zuständigen Behörden zusammen arbeiten möchte.

Für den Tiger selbst wird der Vorfall nach wa.de-Informationen keine Konsequenzen haben. Tierpark-Chef Nadermann stellt klar: „Er wird nicht erschossen, nicht getötet. Trauriges menschliches Versagen ist schuld an der Situation, das Tier hat lediglich spielerisch und instinktiv gehandelt.“

Rubriklistenbild: © ImageBROKER/David & Micha Sheldo/Imago

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