Wintersport in Gefahr
„Bedauerliche Klima-Realität“: Meteorologe mit bitterer Prognose für NRW
Die Winter in NRW werden sich verändern, sagt Meteorologe Sven Plöger. Er spricht von einer „bedauerlichen Klima-Realität“, die vor allem das Sauerland treffen wird.
Arnsberg - Das Thema Klima ist kein leichtes, das weiß auch Sven Plöger. „Komplexe Physik trifft auf unseren Wunsch eines ,guten Lebens‘, das wir mit Wohlstand verbinden“, sagt der Diplom-Meteorologe im Interview mit dem Sauerlandkurier. Am Rande eines Gastvortrags in Arnsberg sprach der 56-Jährige über die Auswirkungen des Klimawandels in Nordrhein-Westfalen. Allen voran das Sauerland wird laut Plöger künftig noch weiter von der „bedauerlichen Klima-Realität“ eingeholt.
Der Winter 2023/2024 liegt laut Deutschem Wetterdienst (DWD) auf dem dritten Platz der mildesten Winter. Im Februar wurde zudem ein Rekord gebrochen: Es war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Viele Wintersportgebiete im Sauerland zwang das milde Wetter in die Knie. So wurde in Willingen der Liftbetrieb bereits Ende Februar eingestellt. Die Saison in Winterberg lief deutlich länger, endete aber mit einer sehr ernüchternden Bilanz. Trotz aller Bemühungen blieben die Ergebnisse unter dem Durchschnitt der letzten 20 Jahre, wie die Wintersport-Arena Sauerland mitteilte.
„Bedauerliche Klima-Realität“: Meteorologe gibt bittere Prognose für NRW ab
Auswirkungen des Klimawandels sind laut Sven Plöger unter anderem Extremwetterereignisse, sprich längere Dürrezeiten und auf der anderen Seite mehr Starkregen. „Das Eis an den Polen wird immer weiter schmelzen – mit der Folge, dass sich Tiefs und Hochs langsamer verlagern. Es wird neue und stärkere Hitzerekorde geben und Wasserknappheit wird – auch wenn Nassphasen wie unlängst möglich bleiben – immer mehr zum Thema bei uns“, erklärt der Diplom-Meteorologe im Interview mit dem Sauerlandkurier.
Vor allem eine Region in NRW treffen die Auswirkungen des Klimawandels: die Skigebiete im Sauerland. „Das Klima verändert sich, und der Schnee kommt immer seltener, auch wenn kurze schneereiche Phasen natürlich nicht ausgeschlossen sind. Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, aber die Realität – nämlich weniger Schnee – lässt ein Skifahren immer seltener wirtschaftlich zu“, so die bittere Prognose von Sven Plöger.
Auch Schneekanonen könnten nur in einem bestimmten Temperaturbereich betrieben werden – „und verbrauchen abgesehen davon sehr viel Energie und Wasser“. Der immer weniger werdende Schnee lasse Skifahren immer seltener wirtschaftlich zu. „Ohne Winter lässt sich eben kaum Wintersport betreiben, das ist bedauerliche Klima-Realität“, so Plöger.
Wintersport im Sauerland: Alternativen müssen gesucht werden
Laut des Meteorologen ist im Sauerland jetzt vorausschauendes Handeln notwendig. Alternativen wie Wandern, Biken und Klettern müssten gesucht werden. Allerdings sei auch ein anderer Aspekt wichtig: „Wenn es zu heiß wird, drängt es Menschen in ihrer Freizeit in kühlere Regionen, und da ist das Sauerland mit seinen Seen natürlich ein willkommenes Ziel. Aber wie viele Menschen hält eine Region aus?“
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Zu viele Menschen würden den Erholungseffekt zerstören. „Und so stellt sich irgendwann die Frage nach einer Begrenzung. Beliebig viele Menschen an einem Ort macht die Natur nicht mit“, so Plöger. Allerdings betont der Meteorologe auch: „Wir verlieren auf dieser Welt Lebensraum durch Meeresspiegelanstieg, Dürren, verschwindende Gletscher und die daraus resultierende schwierige Wasserversorgung oder auch Hitzeperioden. Da ist der Tourismus am Ende noch das geringste Problem.“
Als Denkanstoß gibt Sven Plöger den Menschen noch folgendes mit auf den Weg: „Wir brauchen Haltung, idealerweise aus Sachverstand resultierend. Ja, die Politik hängt hinterher, und es fehlen die Rahmenbedingungen, die sagen, dass derjenige, der die Umwelt verschmutzt, nicht reicher werden darf als der, der sie sauber hält. Aber schlicht zu warten, dass dieser Rahmen beschlossen wird, ist keine Lösung.“ Es gelte: Jede und jeder könne etwas leisten. „Wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir viel mehr erreichen als wir, die wir mit so vielem hadern, glauben. Auch das im Kopf zu haben, hat mit Haltung zu tun.“
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