Campingplatz
„Das ist brandgefährlich“: Streit zwischen Stadt und Dauercampern in NRW
Der Campingplatz in Delbrück sorgte bereits häufig für Schlagzeilen. Die Dauercamper müssen umziehen. Nun äußert sich ein Bewohner zum Streit.
Delbrück - Die Debatte um den Campingplatz in Delbrück-Boke (NRW) sorgte in der Vergangenheit für Diskussionen: Die Dauercamper auf dem Platz der Boker Seenplatte im Kreis Paderborn müssen umziehen – wenn sie ihren Erstwohnsitz auf dem Campingplatz angemeldet haben. Die Camper leben teils seit Jahren auf dem Platz und haben über die Zeit ihre Wohnparzellen illegal aufgepimpt.
Streit zwischen NRW-Stadt und Dauercampern: Bewohner müssen umziehen
Auf die Situation am Campingplatz war die Stadt Delbrück im August 2023 aufmerksam geworden, als es zu einem Brand einer Parzelle kam. Ein Campingplatzbewohner habe sich daraufhin offiziell über die baulichen Missstände und den geringen Brandschutz beschwert. Jetzt sollen alle Camper, die ihren Erstwohnsitz auf dem Platz gemeldet haben, eine neue Anschrift innerhalb von drei Monaten vorlegen.
Christoph Weller (Name geändert) ist ehemaliger Camper auf dem Platz. Für einige Jahre mietete er gemeinsam mit einem Freund mehrere Parzellen. „Der Betreiber hat uns damals angeboten, den Erstwohnsitz auf dem Campingplatz anzumelden“, erklärt er im Gespräch mit wa.de. Dazu habe er eine Mietbescheinigung erhalten, mit der er seinen Erstwohnsitz anmelden konnte.
„Wenn es also nicht erlaubt war, einen Wohnsitz auf dem Campingplatz anzumelden, weshalb wurden dann vom Betreiber Mietbescheinigungen kostenpflichtig ausgestellt und vom Einwohnermeldeamt Delbrück zur Anmeldung eines Wohnsitzes akzeptiert?“, fragt sich Weller. „Das kann nicht erst jetzt aufgefallen sein“. Erst kürzlich gab die Stadt bekannt, nach dem Brand im August 2023 einen Abgleich mit dem Melderegister veranlasst zu haben.
Zugang zu Parzellen sei nur noch schwer möglich gewesen
Hinzukomme laut Weller die „ausschweifende Bebauung“ der Dauercamper: Rettungsgassen seien systematisch zugebaut, verengt und verschlossen worden, so Weller. „Eine Zufahrt für Rettungsdienste war nicht mehr möglich.“ Überall auf dem Campingplatz seien Gasflaschen gewesen, die offen herumstanden. „Das ist brandgefährlich“, ärgert sich Weller. Auch hätte es keine Löschwasserstellen für die Feuerwehr gegeben. Daraufhin hätte er sich 2022 mit einer offiziellen Beschwerde an den Kreis Paderborn gewandt – jedoch ohne Erfolg.
Nach Angaben der für den Platz zuständigen Stadt Delbrück, habe es 2022 keine Beschwerde in Hinblick auf Brandschutzmängel an den Kreis Paderborn gegeben. Auch sei die Anmeldung des Erstwohnsitzes durch das Anwohnermeldeamt rechtens gewesen: Denn Wohnwagen seien als Wohnungen anzusehen, wenn sie nicht oder nur gelegentlich fortbewegt werden. „Insoweit war die Meldebehörde verpflichtet, ‚Dauercamper‘ mit ihrem Erstwohnsitz auf dem Campingplatz anzumelden“, erklärt eine Sprecherin der Stadt.
Baurechtliche Regelungen sind für Anmeldung des Wohnsitzes nicht relevant
Auch ohne Vorlage einer Mietbescheinigung sei die Behörde von Amts wegen verpflichtet, die Personen anzumelden, wenn sie Kenntnis über den Wohnort erlangen. „Die Zulässigkeit des Wohnens nach baurechtlichen Regelungen ist für die melderechtliche Beurteilung, ob eine Person mit Wohnung im Melderegister erfasst wird, nicht von Belang.“
Oberstes Ziel sei es jetzt, den Brandschutz auf dem Campingplatz schnellstens zu gewährleisten. Es bleibt also dabei: Die Dauercamper müssen umziehen.
Immer häufiger wollen Menschen campen gehen: Aber wo soll es mit dem Zelt, dem Wohnmobil oder dem Wohnwagen hingehen? Wir erklären, wo es die Deutschen am liebsten hinzieht. Den Wohnwagen oder das Wohnmobil darf auch nicht überall abgestellt werden. Wer seinen Camper ordnungsgemäß abstellen möchte, hat vieles zu beachten. Auch im Urlaub.
Rubriklistenbild: © dpa