Wirte in der Pflicht

„Spielen mit dem Leben ihrer Gäste“: Kontrollen beim Karneval nach Schweiz-Tragödie

Nach der Brand-Tragödie in der Schweiz, die über 40 Todesopfer forderte, sind NRWs Karnevalshochburgen in puncto Brandschutz gefragt. Diese Maßnahmen werden getroffen.

Köln/Düsseldorf - Nach der verheerenden Brandkatastrophe in der Schweizer Bar „Le Constellation“ am Silvesterabend, die 40 Todesopfer forderte, rückt auch in Deutschland die Sicherheit in Gaststätten und Clubs in den Fokus. Besonders brisant: Die närrische Zeit steht vor der Tür, und in NRW, speziell in Köln und Düsseldorf, werden Hunderttausende Jecken in Kneipen und Clubs feiern.

Anstehen vor einem der vielen Lokale während des Kölner Karnevals. Es soll verstärkt auf die Auslastung der Gaststätten geachtet werden.

Die Schweizer Tragödie ereignete sich, als brennbare Schaumstoffmatten an der Decke durch Feuerwerkskörper entzündet wurden und sich das Feuer rasend schnell ausbreitete. Ein verengter Treppenaufgang wurde zur tödlichen Falle für die feiernden Gäste.
Die Frage drängt sich auf: Wie sicher sind die Karnevalshochburgen in NRW? Könnten Düsseldorf und Köln eine ähnliche Katastrophe verhindern?

Düsseldorfs strenge Regelwerke: „Gerade Deckenbekleidungen spielen eine zentrale Rolle“

In Düsseldorf gelten klare gesetzliche Regelungen, die ganzjährig Anwendung finden – auch während der tollen Tage. Die Landesbauordnung Nordrhein-Westfalen (BauO NRW 2018) bildet die Grundlage, ergänzt durch die Sonderbauverordnung NRW (SBauVO) für größere Betriebe.

Entscheidend ist die 200-Personen-Grenze: Clubs, die mehr Gäste aufnehmen können, gelten als Versammlungsstätten und unterliegen deutlich verschärften Brandschutzauflagen. „Entscheidend ist dabei nicht die tatsächliche Besucherzahl an einem Abend, sondern die genehmigte maximale Personenzahl“, erklärt Stadtsprecher Michael Buch auf Nachfrage von wa.de.
Bei kleineren Betrieben sind leicht entflammbare Baustoffe im Innenausbau grundsätzlich unzulässig. Rettungswege müssen ausreichend breit und jederzeit frei nutzbar sein – ein Problem, das bei überfüllten Karnevalspartys schnell entstehen kann.

Silvesternacht: Brand in Schweizer Bar fordert 40 Todesopfer – Bilder vom Unglücksort

Während einer Silvesterparty in einem Schweizer Nobel-Skiort brach in einer Bar ein Feuer aus. Dutzende Menschen starben. Viele Fragen sind noch offen – vor allem zu den Hintergründen.
Der Schweizer Skiort Crans-Montana im Kanton Wallis
Explosion bei Silvesterparty in Skiort in der Schweiz.
Explosion bei Silvesterparty in Skiort in der Schweiz.
Silvesternacht: Brand in Schweizer Bar fordert 40 Todesopfer – Bilder vom Unglücksort

Oberhalb der 200-Personen-Grenze werden die Anforderungen drastisch verschärft. Mehrere unabhängige Ausgänge sind dann verpflichtend, Türen müssen in Fluchtrichtung aufschlagen und mit Panikverschlüssen ausgestattet sein. Sicherheitsbeleuchtung und Brandmeldeanlagen können erforderlich werden.

„Gerade Deckenbekleidungen spielen eine zentrale Rolle, da sich Feuer und Rauch dort besonders schnell ausbreiten können“, warnt die Düsseldorfer Stadtverwaltung. Brennbare Schaumstoffe oder improvisierte Dämmungen sind nach deutschem Baurecht unzulässig – genau jene Materialien, die in der Schweizer Bar zur Todesfalle wurden.

Kölns Kampfansage: „Sie spielen mit dem Leben Ihrer Gäste“

In Köln schlägt Stadtdirektorin Andrea Blome gegenüber wa.de deutliche Töne an: „Das schreckliche Ereignis in einem Schweizer Club mahnt uns, die Sicherheit stets als oberste Priorität zu behandeln – gerade auch in der anstehenden Karnevalszeit.“
Ihre klare Botschaft an schwarze Schafe unter den Gastronomen: „Sollten Sie zu viele Menschen in Ihre Kneipen und Clubs lassen, spielen Sie mit dem Leben Ihrer Gäste und Ihren Mitarbeiter*innen. Dies ist nicht nur fahrlässig, es ist verantwortungslos.“
Die Stadt kündigte an, zeitnah Gespräche mit Interessenverbänden der Gastronomie zu führen und Veranstaltungen auch während der „heißen Phase“ des Karnevals stichprobenartig zu kontrollieren.

Die Realität in der Landeshauptstadt NRWs sieht jedoch anders aus: Die Feuerwehr Düsseldorf führt jährlich etwa 1.200 Brandverhütungsschauen durch – bei einer Vielzahl von Gastronomiebetrieben im gesamten Stadtgebiet. Der reguläre Kontrollrhythmus sieht maximal alle sechs Jahre eine Überprüfung vor. In Köln wird die Hauptverantwortung bei den Betreibern gesehen: „Sie sind verpflichtet, für die Einhaltung der bauordnungsrechtlichen Vorschriften und den Auflagen der Baugenehmigung Sorge zu tragen – jederzeit und aus eigenem Antrieb.“

Karneval als Brennpunkt: Wenn Jecken zur Gefahr werden

Gerade zur Karnevalszeit potenzieren sich die Risiken: Überfüllte Lokale, alkoholisierte Gäste, blockierte Fluchtwege durch Kostüme und Feiernde. In Köln und Düsseldorf werden an den Karnevalstagen Hunderttausende in Kneipen und Clubs ströme, was auch für ein weiteres Verbot sorgt. Die Außendienstkräfte beider Städte werden situativ und stichprobenartig kontrollieren – ein besonderes Augenmerk liegt auf Ein- und Auslasssituationen sowie Flucht- und Rettungswegen. „Konkrete Maßnahmen hängen vom Einzelfall ab. Als Maßnahme könnte beispielsweise eine teilweise oder vollständige Entfluchtung eingeleitet werden“, so die Kölner Stadtverwaltung.

Die Feuerwehr Düsseldorf appelliert zuletzt an alle Karnevalisten: „Orientieren Sie sich beim Betreten kurz und nehmen Sie Notausgänge wahr, blockieren Sie Fluchtwege nicht und verlassen Sie im Brand- oder Rauchfall das Gebäude sofort.“

Rubriklistenbild: © imago/Christoph Hardt

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