Dengue-Fieber
Deutlich mehr Infektionen mit berüchtigter Tropenkrankheit – wie ist die Lage in NRW?
Zuletzt gab es vermehrt Meldungen zu Dengue-Fieber-Fällen in Deutschland. Breitet sich die Tropenkrankheit auch in NRW aus?
Köln – Kaum eine Tropenkrankheit ist so gefürchtet wie das Dengue-Fieber. Zu den Symptomen gehören unter anderem starke Glieder- und Gelenkschmerzen, weshalb die Erkrankung im Volksmund auch als „Knochenbrecher-Fieber“ bezeichnet wird. Sehr häufig verläuft eine Infektion harmlos, doch im Extremfall kann sie auch tödlich enden. Experten schätzen, dass weltweit mehr als 25.000 Menschen pro Jahr an den Folgen einer solchen Infektion sterben. Kürzlich wies das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales auf einen erheblichen Anstieg der Infektionen im Land hin – doch wie ist die Lage in Nordrhein-Westfalen?
Fallzahlen des Dengue-Fiebers in NRW steigen deutlich – bisher 54 Fälle in 2024
Auch in Nordrhein-Westfalen sind die Meldungen vom Dengue-Fieber in diesem Jahr stark gestiegen, wie Melanie Pothmann, Sprecherin des Landeszentrums Gesundheit NRW, auf Nachfrage von wa.de erklärt. Demnach seien bis zum 10. April 2024 insgesamt 54 Fälle der Tropenkrankheit im Land registriert worden. „Im Vergleich zum Vorjahr, in dem im gleichen Zeitraum acht Fälle gemeldet wurden, sind die Fallzahlen demnach um fast das Siebenfache gestiegen.“ Auch im Zehn-Jahres-Vergleich haben die Zahlen einen neuen Höchststand erreicht. Einzig 2016 wurden ähnlich viele Fälle (40) gemeldet:
| Meldejahr | Anzahl der Dengue-Fieber-Meldungen in NRW im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 10. April |
| 2024 | 54 |
| 2023 | 8 |
| 2022 | 2 |
| 2021 | 0 |
| 2020 | 9 |
| 2019 | 19 |
| 2018 | 14 |
| 2017 | 9 |
| 2016 | 40 |
| 2015 | 22 |
| 2014 | 29 |
| Quelle: Landeszentrum Gesundheit NRW |
Dengue-Fieber ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar
Alle Fälle des Dengue-Fiebers aus diesem Jahr sind auf Infektionen im Ausland zurückzuführen. Von Mensch zu Mensch ist das Virus nicht übertragbar. Vielmehr wird es von Stechmücken, beispielsweise der Gelbfiebermücke oder der Tigermücke, weitergegeben. Die Infektionszahlen hierzulande unterliegen deshalb starken Schwankungen. Kommt es in Ländern, in denen die Erkrankung weit verbreitet ist, zu einem örtlich und zeitlich begrenzten Ausbruch, werden die Virusinfektionen von Reisenden nach Deutschland importiert – und das macht sich im Verlauf auch in NRW bemerkbar.
Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit dem Dengue-Fieber
Dengue tritt in zwei Formen auf. Die übliche Form ist das klassische Dengue-Fieber. Die Inkubationszeit, also der Zeitraum vom Stich der Mücke bis zu den ersten Krankheitszeichen, beträgt drei bis zehn Tage. Zu den Symptomen gehört hohes Fieber, Hautausschlag sowie starke Kopf-, Knochen- und Gliederschmerzen. Die akute Phase klingt nach fünf bis sieben Tagen langsam ab. Die vollständige Genesung kann sich auch über Wochen hinziehen, begleitet von Schwäche und Müdigkeit.
Zudem schädigen Dengue-Viren das blutbildende System. Dabei kommt es zu einer Verminderung der Blutzellen, was in seltenen Fällen zu flohstichähnlichen oder flächigen Einblutungen der Haut oder zu Schleimhautblutungen führen kann. Insbesondere bei Vorerkrankungen, aber auch bei gesunden Menschen, kann das bedrohlich werden. In den meisten Fällen heilt das Dengue-Fieber aber folgenlos ab und hinterlässt lebenslange Immunität gegen den verursachenden Dengue-Virus-Subtypen – nicht jedoch gegen die anderen drei. Insgesamt sind also bis zu vier Infektionen möglich.
Anders sieht es bei der zweiten Verlaufsform einer Infektion mit dem Dengue-Virus aus. Das sogenannte Dengue Hämorrhagische Fieber (DHF) kann im Extremfall zu einem lebensbedrohlichen Schock führen, dem Dengue Schock Syndrom (DSS). Zunächst läuft die Krankheit hier klassisch, doch nach dem Ende des Fiebers nach circa fünf Tagen bleibt die erhoffte Besserung aus. Stattdessen verschlechtert sich der Gesundheitszustand dramatisch.
Grund dafür ist eine fehlgesteuerte Immunreaktion, bei der die Antikörper keinen Schutz bieten, sondern zu einer fatalen Kaskade führen. Flüssigkeit tritt aus den Blutgefäßen aus, später versickern auch Blutkörperchen in Geweben und Körperhöhlen. Der Blutdruck fällt. Leber, Lunge, Nieren – später auch Herz und Gehirn – werden schlechter durchblutet. Unbehandelt verlaufen DHF und DSS oft tödlich, mit intensivmedizinsicher Behandlung können jedoch bis zu 99 Prozent der Erkrankten überleben.
Quelle: Auswärtiges Amt
„Im Januar dieses Jahres berichtete beispielsweise Brasilien über einen massiven Ausbruch des Dengue-Virus“, erklärt Pothmann. In den ersten vier Wochen des Jahres 2024 haben sich die Fallzahlen gegenüber dem Vorjahreszeitraum verdreifacht, berichtet das Ärzteblatt. Sieben der 54 Fälle aus NRW gaben Brasilien als wahrscheinlichsten Infektionsort an. Am häufigsten wurde Thailand genannt, mit zwölf Meldungen. „Auch dort berichtet das thailändische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention über drastisch gestiegene Fallzahlen im Januar 2024.“ Dort haben sich die Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt.
Wahrscheinlichkeit einer Verbreitung in NRW „sehr gering“
Deshalb könne auch nicht von einer Ausbreitung des Dengue-Fiebers in NRW gesprochen werden, so die Sprecherin. „Lediglich durch Vektoren wie die asiatische Tigermücke wäre eine indirekte Übertragung möglich, sollte diese zuvor eine infizierte Person in den Anfängen ihrer Krankheit gestochen haben.“ Das sei hierzulande jedoch eher unwahrscheinlich. Zwar macht es sich die Tickermücke bereits in Teilen von NRW gemütlich, doch von einer „etablierten Population“ könne man nicht sprechen. Außerdem seien auch die klimatischen Bedingungen zur Vermehrung des Dengue-Fiebers nicht gegeben.
Folglich sei die Wahrscheinlichkeit einer Verbreitung des Dengue-Fiebers in NRW „sehr gering“, so Pothmann. „Kritisch zu betrachten ist, dass die medizinische Versorgung der an einer schweren Form des Dengue-Fiebers erkrankten Reiserückkehrer vermehrt das Gesundheitssystem belasten könnten.“ Eine solche schwere Form trete jedoch in der Regel nur bei einem bis fünf Prozent der Fälle auf. Dennoch sei es vor diesem Hintergrund zunehmend bedeutsamer, dass sich Menschen vor dem Reiseantritt in ein Dengue-Gebiet vorbereiten und reisemedizinisch beraten lassen.
Reise in ein Dengue-Gebiet – wie man sich vorbereiten sollte
Um nicht mit dem Dengue-Fieber infiziert zu werden, sollten Reisende ihren gesamten Körper konsequent vor Mückenstichen schützen, heißt es vom Robert-Koch-Institut (RKI). Das schließt die Verwendung von Mückenspray für die Haut und zur Imprägnierung von möglichst langärmeliger Kleidung mit ein. Auch der Aufenthalt in klimatisierten Räumen am Reiseort senkt das Risiko für den Einzelnen deutlich ab. Menschen, die in der Vergangenheit bereits eine bestätigte Infektion durchgemacht haben, sollten sich laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zudem impfen lassen. (mg)
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