Infektionskrankheit

Ringelröteln in NRW: Kinderarzt mahnt zu offenem Umgang mit der Krankheit

Eine Mutter misst bei ihrem Kind Fieber (Symbolbild).
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Zu den ersten Symptomen bei Ringelröteln gehört Fieber - erst später Hautausschlag (Symbolbild).

Aktuell gehen Ringelröteln in NRW um. Die Kinderkrankheit kann auch Erwachsene treffen. Was Sie zur Meldepflicht, Ansteckung und Immunität wissen müssen.

Hamm - Nach der RSV-Welle kommen die Ringelröteln. In Nordrhein-Westfalen werden derzeit vermehrt Fälle der Kinderkrankheit registriert. Eine Infektion verläuft meist harmlos – allerdings sollte sich vor allem eine Personengruppe schützen. Ein Kinderarzt aus dem Sauerland wirbt deshalb für einen offenen Umgang mit der Krankheit.

Ringelröteln: Symptome einer Infektion bei Kindern und Erwachsenen

Ringelröteln werden durch das Parovirus B19 ausgelöst und können einen Ausschlag verursachen. „Mit Röteln haben Ringelröteln außer dem Namen nichts gemeinsam“, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Bei einer Infektion bilde sich circa ein bis zwei Wochen nach einer Ansteckung eine schmetterlingsförmige, großfleckige Rötung auf beiden Wangen. Kurz darauf würden sich fleckförmige, rote Hautveränderungen auf Schultern, Oberarmen, Oberschenkeln und Gesäß zeigen. Die Flecken könnten sich später „girlanden- oder ringelförmig“ ausbilden.

Dazu, erklärt die BZgA, könnten Symptome wie bei einem grippalen Infekt auftreten: Fieber, Schwellung der Lymphknoten, Kopfschmerzen und Unwohlsein. Die Betonung liegt hier auf „könnten“, denn: „Häufig verlaufen Ringelröteln ohne oder nur mit leichten Krankheitszeichen“, heißt es weiter. Eine Infektion kann also auch völlig unbemerkt bleiben. Nach überstandener Erkrankung besteht ein lebenslanger Schutz.

So sieht der typische Ausschlag bei Ringelröteln aus.

Vermehrt Ringelröteln in NRW: Meldepflicht, Ansteckung und Risikogruppen

In mehreren Regionen in NRW werden derzeit vermehrt Ringelröteln festgestellt. „Im gesamten Märkischen Kreis, im ganzen Sauerland geht es gerade rund mit den Ringelröteln“, sagt Kinder- und Jugendarzt Michael Achenbach, der auch Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Westfalen-Lippe ist, im Gespräch mit come-on.de. Und auch in Westfalen werden aktuell viele Infektionen gemeldet. Allein im Kreis Steinfurt gibt es nach Auskunft des Gesundheitsamtes Fälle in 40 Einrichtungen.

Bei Ringelröteln besteht keine Meldepflicht – anders als zum Beispiel bei Scharlach. Ansteckend ist die Krankheit aber dennoch – auch für Erwachsene. „Die Ansteckungsgefahr für andere ist in den Tagen vor Auftreten des Hautausschlages am höchsten“, informiert das BZgA. Man ist also zu einer Zeit ansteckend, in der man noch nicht weiß, dass man die Viren in sich trägt. Und das stellt eine Gefahr für bestimmte Personengruppen dar.

Ringelröteln: Großes Risiko für Schwangere in der Frühschwangerschaft

Ringelröteln sind nämlich nicht harmlos für Schwangere in der Frühschwangerschaft, die diese Krankheit noch nicht hatten. Bis zur 20. Schwangerschaftswoche kann eine Infektion für das ungeborene Kind gefährlich werden. „Bei einer Infektion in der Schwangerschaft kann es möglicherweise zu einer Übertragung der Viren von der Mutter auf das ungeborene Kind kommen – unabhängig davon, ob die Erkrankung mit oder ohne Krankheitszeichen erfolge“, warnt Sebastian Frysztacki vom Kreisgesundheitsamt Borken. Folge könnte eine Blutarmut beim Ungeborenen bis hin zu einer Fehl- oder Totgeburt sein.

Gefährdet sind laut Michael Achenbach auch Menschen mit bestimmten Blutkrankheiten wie Sichelzellenanämie oder Thalassämie, die zur Blutarmut neigen. „Das Fiese am Erreger Parorvirus B19 ist, dass er im Knochenmark vorübergehend für einen Produktionsstopp von Blut sorgen kann“, erklärt der Mediziner. Was einem gesunden Menschen nicht mehr ausmache als eine Blutspende, könne bei Menschen, die durch ihre Blutkrankheiten einen erhöhten Bedarf an Blut haben, gefährlich werden.

Kinderarzt wirbt für offenen Umgang bei Ringelröteln – „Gebot des guten Miteinanders“

Auch wenn die Krankheit nicht meldepflichtig ist, Schulen und Kitas also nicht informiert werden müssen, wirbt Michael Achenbach für einen offenen Umgang mit der Krankheit, um Risikogruppen zu schützen. „Das ist ein Gebot des guten Miteinanders.“ Im Gegensatz zu anderen Krankheiten sei es wichtig, dass sich nicht die bereits Erkrankten absondern, sondern die Gefährdeten, erklärt der Kinder- und Jugendarzt. Schwangere, die keinen Schutz vor der Krankheit haben, sollten bei Auftreten von Ringelröteln, vor allem in Kindergärten, diese nicht betreten – etwa um ältere Geschwister abzuholen – und im Fall von Erzieherinnen dort auch nicht eingesetzt werden.

Wie werden Ringelröteln übertragen?

Laut BZgA werden Ringelröteln auf drei Arten übertragen: von Mensch zu Mensch (Niesen, Husten, Sprechen), über verunreinigte Gegenstände (Türklinken, Spielzeug) und über Blutkonserven (seltene Ausnahme).

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