Wenn Sprays nicht reichen
Pollenallergie in NRW mit gefährlichen Symptomen: Expertin warnt vor „Organumbau“
In NRW startet die Pollensaison 2026 früh und trifft Millionen Allergiker. Eine Aachener Oberärztin erklärt, warum Aushalten riskant wird. Denn aus Heuschnupfen kann mehr werden.
Der Frühling 2026 hat in Nordrhein-Westfalen mit Blick auf das Wetter früh begonnen – und mit ihm die Leidenszeit für Millionen Allergiker. Hasel und Erle haben bereits seit Wochen ihre Pollen ausgeschüttet, nun folgen Birke und der Rest der bunten Schnupfen-Pracht. Wer auf Pollen allergisch reagiert, spürt das deutlich. Doch wann werden die Symptome wirklich gefährlich? Eine Expertin der Uniklinik RWTH Aachen klärt auf.
Wer unter einer Pollenallergie leidet, kennt das unangenehme Gefühl: Die Nase läuft, die Augen jucken, der Schlaf leidet. Dr. med. Stefani Röseler, Oberärztin der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Phoniatrie und Pädaudiologie an der Uniklinik Aachen, beschreibt gegenüber wa.de, was bei starkem Pollenflug passieren kann: „Starker Pollenflug bedeutet für Allergiker zumeist auch heftige Symptome mit Niesreiz, Juckreiz der Schleimhäute – oft auch in den Gehörgängen und im Rachen –, wässriger Nasensekretion, behinderter Nasenatmung und gegebenenfalls auch schlechtem Nachtschlaf, Tagesmüdigkeit, Husten bis hin zum Asthmaanfall.“
Pollenallergie in NRW: Expertin warnt vor „Organumbau“
Viele Betroffene versuchen, die Beschwerden zu ignorieren oder hoffen, dass sie von alleine vergehen. Das ist aus medizinischer Sicht ein Fehler – und kann langfristig ernsthafte Folgen haben. Dr. Röseler warnt: „Gefährlich und bedenklich ist es, die Symptome auszuhalten beziehungsweise unzureichend zu behandeln. Das begünstigt eine chronische Entzündung und damit einen Organumbau.“ Konkret bedeutet das: An der Nase können die Nasenmuscheln auch nach der Pollensaison dauerhaft angeschwollen bleiben. An der Lunge kann sich aus einer saisonalen Reaktion ein dauerhaftes Asthma entwickeln – auch außerhalb der Pollensaison.
Gegen akute Beschwerden gibt es wirksame Mittel. Dr. Röseler empfiehlt zunächst lokale Kortisonsprays, teils in Kombination mit Antihistaminika. Reicht das nicht aus, helfen Antihistaminika als Tabletten, am besten zur Nacht eingenommen. Wer seine Symptome damit nicht in den Griff bekommt, sollte über eine Immuntherapie nachdenken – auch Hyposensibilisierung genannt. „Die Immuntherapie gewöhnt das Immunsystem wieder an das Allergen“, erklärt die Expertin. Die Therapie kann kurzfristig noch vor der Pollensaison gestartet werden, entfaltet aber bei einer Laufzeit von drei Jahren die beste Langzeitwirkung.
Was hingegen nicht hilft: alles, was die Symptome nicht wirksam kontrolliert. Hausmittel oder Tipps ohne nachgewiesene Wirkung können dazu beitragen, dass die Behandlung zu spät einsetzt – mit den oben beschriebenen Folgen. Und ab wann sollte man zum Arzt? Die Antwort der Expertin ist auch hier klar: „Sobald die Symptome mit Medikamenten nicht ausreichend behandelt werden können.“ Wer also merkt, dass frei verkäufliche Mittel aus der Apotheke nicht mehr ausreichen, sollte nicht länger warten und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Hasel, Erle, Birke: Früher Pollenflug verlängert das Leiden
Der frühe Saisonbeginn in diesem Jahr bringt für viele Betroffene eine zusätzliche Belastung. Wer auf mehrere Pollenarten gleichzeitig allergisch reagiert, könnte laut Dr. Röseler in diesem Jahr besonders lang leiden: „Für Patienten mit vielen Pollenallergien kann dies bedeuten, dass sie fast ganzjährige Beschwerden haben werden.“ Wer also bisher noch keine Behandlung begonnen hat, sollte jetzt handeln – und nicht bis zum Ende der Saison warten.
Rubriklistenbild: © dpa/Uniklinik RWTH Aachen/Montage: wa.de
