Stumme Zeitzeugen

Lost Places in Münster? Ein Bunker dient inzwischen als Wohnraum

Der Schützenhofbunker in Münster von außen, davor parken Autos.
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Im Schützenhofbunker in Münster befinden sich heute Wohnungen.

Alte Bunker und Lost Places faszinieren viele Menschen. Auch in Münster gibt es stumme Zeitzeugen aus Beton. Ein Bunker hat sich ins Stadtbild eingefügt.

Münster – Sie sind in Vergessenheit geraten. Stumme Zeugen einer scheinbar vergangenen, grausamen Zeit des Tötens. Der barbarische Angriffskrieg Russlands in der Ukraine hat sie wieder etwas mehr in den Fokus der Bevölkerung gerückt: Bunker. Einst in NRW erbaut, um Menschen vor Alliierten-Bomben, die Deutschland von Hitler und seinen Schergen befreien sollten, zu schützen, stehen sie heute noch oft vergessen im Stadtbild. Manche gehören zu sogenannten Lost Places. In Münster hat zumindest einer ein neues Leben eingehaucht bekommen.

Schützenhofbunker an der Wörthstraße wird als Wohnraum in Münster genutzt

Der Schützenhofbunker an der Wörthstraße im Südviertel wurde 1941/42 errichtet und ist ein Beleg für spätere Kriegszeiten. Am 18. November 1944 beschädigte eine Sprengbombe die Decke des Bunkers. Der Detonationsdruck tötete 68 Menschen. Eine Gedenktafel an der Außenwand erinnert heute an die Opfer.

Mittlerweile befindet sich der 61 Meter lange, 14,5 Meter breite und 9,80 Meter hohe Beton-Koloss in Privatbesitz. „Die Bunker sind nicht für die Öffentlichkeit zugängig. Es ist jeweils eine Entscheidung des Eigentümers“, erklärt die Stadt Münster dazu auf wa.de-Nachfrage. Kein Wunder, beherbergt der Bunker doch nun Wohnungen.

„In dem alten Gebäude entstanden in den vergangenen Jahren auf rund 1.600 Quadratmetern 38 Mietwohnungen“, teilt die Stadt Münster, in der die Konflikte zwischen Rad- und Autofahrern zunehmen, mit. Der Schützenhof-Bunker sei gleichzeitig ein Zeitdokument und Beleg dafür, wie viele bauliche Eingriffe ein Denkmal verträgt. „Doch trotz der Umgestaltung ist die Massivität des Betons nach wie vor deutlich erkennbar und im Innenbereich werden die Wohnungen über die alten Betontreppenhäuser erreicht“, erklärt die Stadt. Anders verhält es sich in Münster mit einem weiteren Zeitzeugen der Deutschen Kriegsgeschichte.

Lost Places? In Münster hat es zehn Bunker gegeben

Laut Angaben der Stadt habe es zehn Bunker in Münster gegeben, „von denen drei heute Baudenkmäler der Stadt sind.“ Bunker gibt es demnach noch an der Von-Kluck-Straße und am Hermannstadtweg – sowie an der Lazarettstraße. Für Letzteren würden jährlich rund 2.000 Euro laufende Kosten für Strom, Versicherungen und Straßenreinigung anfallen, erklärt die Stadt. Instandhaltungskosten für Sanierungen kämen je nach Bedarf punktuell hinzu.

Der Lazerettbunker in Münster erinnert mehr an eine mittelalterliche Festung.

Die Besonderheit: Der 1940/41 entstandene Hochbunker an der Lazarettstraße sieht auf den ersten Blick gar nicht nach Bunker aus. Wer es nicht weiß, könnte hier einen Lost Place vermuten. Ist es eine alte Burg, ein altes Schloss? Nein. Aber genau diesen Anschein soll der Hochbunker erwecken.

Der Lazerettbunker versteckt seine eigentliche Funktion hinter Fassaden, die mehr an eine mittelalterliche Festung erinnern als an einen einfachen Schutzraum. Zwei Rundtürme verstärken diesen Eindruck in ihrem Zusammenspiel mit der Zufahrtsbrücke und den als Wassergraben gestalteten Umraum. Zudem befindet sich der Bunker in der Grünzone der Promenade, der ehemaligen Stadtbefestigung, was den Charakter einer Festung zusätzlich unterstreicht. Im Innern zeigt sich eine weitere Besonderheit des Bunkers, der als Schutzraum für 530 Münsteraner diente: Die originale Ausstattung ist nahezu noch komplett erhalten.

Bunker in Münster bot Zivilisten in Kriegszeiten Schutz

In den dunkelsten Zeiten in NS-Deutschland war er für die Zivilisten in Münster von großer Bedeutung. Bei mehr als 1.100 Fliegeralarmen zwischen 1940 und 1945 seien die Bunker mit ihren 1,40 Meter starken Decken und zwei Meter dicken Außenwände ein sicherer Ort gewesen.

„Die Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg sind Denkmäler mit vielen Facetten“, sagt Mechthild Mennebröcker von der städtischen Denkmalbehörde Münster. „In Zeiten des Krieges boten sie Tausenden Münsteranerinnen und Münsteraner Schutz und waren gerade in einer Stadt wie Münster, die Gauhauptstadt von Westfalen-Nord und Sitz des Luftgaukommandos war, von enormer Bedeutung.” Am 10. September sollen die Bunker in Münster im Rahmen des Tags des offenen Denkmals daher auch wieder verstärkt in den Blickpunkt der Gesellschaft geraten.

Tag des offenen Denkmals: Bunker in Münster werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht

„Als Symbole für die bedrückenden Kriegszeiten und als Dokumente der Zeitgeschichte“, teilt die Stadt Münster mit, sollen diese Orte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Konkret handelt es sich dabei um den Hochbunker an der Lazarettstraße und den Schützenhofbunker.

Die Bunker, sie sind vielleicht in Vergessenheit geraten. Das Grauen in der Welt aber hat Bestand.

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