Angeschlagene Warenhauskette

Galeria Karstadt Kaufhof: Drei Filialen in NRW schließen

Weitere Standorte von Galeria Karstadt Kaufhof werden geschlossen – drei Filialen davon in NRW. Bundesweit sind es 16.

Hamm - Galeria Karstadt Kaufhof schrumpft. Drei Insolvenzen innerhalb von vier Jahren haben deutliche Spuren im einst imposanten Filialnetz hinterlassen. Jetzt steht der Handelsgigant vor weiteren Standort-Schließungen. Auch Häuser in Nordrhein-Westfalen sind von den Plänen der neuen Investoren betroffen.

Galeria Karstadt Kaufhof: Drei Filialen der Kette schließen in NRW

Anfang April gab es zunächst gute Nachrichten: Die neuen Eigentümer von Galeria Karstadt Kaufhof kündigten an, die insolvente Warenhauskette wieder in die Erfolgsspur zu bringen. „Wir glauben an die Zukunft von Galeria und haben nur einen Fokus: das Warenhaus“, sagte Investor Bernd Beetz. Gleichzeitig wurde klar, dass nicht alle der aktuell noch 92 Standorte in Deutschland weitergeführt werden. Die Rede war von mehr als 70. Für Experten war das keine Überraschung.

Jetzt ist klar: Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof wird Ende August 16 seiner 92 Warenhäuser schließen, wie die Deutsche Presse-Agentur am Freitagnachmittag aus Unternehmenskreisen erfahren habe. Am Samstagvormittag gab Galeria Karstadt Kaufhof eine Liste der Schließungsstandorte heraus. In NRW sind Filialen dieser Städte von einer Schließung betroffen:

  • Köln (Hohe Straße)
  • Essen (Limbecker Platz)
  • Wesel (Innenstadt)

Außerhalb von NRW werden drei Filialen in Berlin schließen. Auch in Bayern stehen viele Filialschließungen an: In Augsburg, Regensburg Neupfarrplatz, Würzburg. Diese weiteren Städte in Deutschland sind betroffen:

  • Chemnitz
  • Leonberg
  • Mainz
  • Mannheim
  • Oldenburg
  • Potsdam
  • Trier 

Von den rund 12.800 Menschen, die Galeria aktuell beschäftigt, sollen 11.400 demnach ihren Job behalten. 1400 würden gehen müssen, hieß es. Knapp ein Drittel davon seien Mitarbeiter in der Konzernzentrale in Essen.

„Wir werden alles tun, um unser Geschäft in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Dazu sehen wir nicht zuletzt durch unsere Umsatzentwicklung im laufenden Geschäftsjahr gute Voraussetzungen“, sagte Galeria-Chef Olivier Van den Bossche. Neben den Schließungen bekommt Galeria Karstadt Kaufhof außerdem einen neuen Unternehmenssitz. Der Sitz des Unternehmens soll von Essen in die Filiale Düsseldorf Shadowstraße umziehen. 

Galeria Karstadt Kaufhof: Doppel-Standort Münster wohl gerettet

Auf der Liste möglicher Schließungen hatte auch der Doppel-Standort Münster gestanden. Dieser scheint jedoch gerettet zu sein. In der Branche gab es zuletzt Verwunderung, als die letzte große Galeria-Streichliste im März 2023 zwar viele NRW-Standorte, darunter Bielefeld und Paderborn, enthielt, die beiden Filialen in Münster aber unangetastet ließ. Rund 200 Beschäftigte arbeiten dort.

„Zwei Häuser sozusagen vis-à-vis mit fast demselben Warenbestand – das ergibt ökonomisch auf Dauer wenig Sinn“, sagte im Januar 2024 Tobias Buller-Langhorst, Geschäftsführer des Handelsverbandes NRW Münster-Münsterland, im Gespräch mit wa.de und formulierte bereits Ideen für eine sinnvolle Nachnutzung eines der Gebäude für den Fall einer Schließung.

Ende Mai soll die Gläubigerversammlung über den Insolvenzplan von Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus abstimmen. Nimmt die Gläubigerversammlung ihn an, muss er vom Insolvenzgericht erneut bestätigt werden. Bis Ende Juli will Denkhaus das Unternehmen an die neuen Eigner übergeben.

Galeria Karstadt Kaufhof schließt Filialen: Verdi äußert Kritik

Verdi hat die erneuten Schließungspläne bei Galeria Karstadt Kaufhof scharf kritisiert. „Jeder Standort, der geschlossen wird, führt zu einer weiteren Verödung unserer Innenstädte. Das, was die Beschäftigten auszuhalten haben, geht weit über das Maß des Erträglichen hinaus“, sagte das für den Handel zuständige Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer am Samstag in Berlin.

 „Tausende Beschäftigte haben die letzten Jahre auf erhebliche Gehaltsbestandteile verzichtet, um den Konzern zu retten. Sie haben es verdient, endlich Sicherheit für ihren Arbeitsplatz zu erhalten“, ergänzte die Gewerkschafterin. Wer fortlaufend nur auf Kostensenkung durch Personalabbau und Filialschließungen setze, senke damit die Attraktivität der Warenhäuser für Kunden und damit auch die Attraktivität der Innenstädte, so Zimmer. Die Gewerkschafterin ergänzt, dass ein tragfähiges Zukunftskonzept her müsse.

Rubriklistenbild: © dpa

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