Tierheim Essen
„Mehr tot als lebendig“: 23 Katzen aus furchtbaren Zuständen befreit
Das Tierheim Essen hat vor wenigen Wochen insgesamt 23 schwerkranke Perserkatzen aufgenommen. Nun sollen die Samtpfoten ein neues Zuhause bekommen.
Essen – Ein mit Kot verschmiertes Fell, schwer krank und bis an die Grenzen der Tierquälerei gezüchtet: Der Zustand, in dem 23 Perserkatzen vor wenigen Wochen in das Tierheim Essen gekommen sind, war selbst für die erfahrenen Tierpfleger aus dem Ruhrgebiet ein Schock. Der ehemaligen Halterin wurde ein Tierhalte- und Betreuungsverbot auferlegt. Für die Mitarbeiter des Essener Tierheims war es eine ganze Menge Arbeit. Doch nun ist die Hoffnung groß, dass die Tiere jetzt endlich ein liebevolles Zuhause bekommen.
Mitarbeiter im Tierheim Essen geschockt über Zustand von Perserkatzen: „Kothaufen in Filz“
„Mehr tot als lebendig“ seien die Katzen bei der Ankunft gewesen, schreibt das Tierheim Essen auf Facebook. Kurz bevor die Tierpflegerinnen und -pfleger Feierabend machen wollten, kam eine Frau Ende August in die Empfangshalle. Der Blick in die von ihr mitgebrachten Taschen machte die Helfer sprachlos. Insgesamt 10 Katzen befanden sich darin – „oder besser Kothaufen in Filz“, so das Tierheim. „Da bei einem Kater das Auge bereits ausgelaufen war, musste dieser notfallmäßig noch schnell in die Klinik“. Auch die weiteren Katzen litten unter Krankheiten, unter anderem Katzenschnupfen und Durchfall.
Im Nachgang fand das Veterinäramt noch 13 weitere Perserkatzen bei der Frau, die Tiere waren ebenso in einem „erbärmlichen Zustand“. Das ist nun knapp zwei Monate her. Zwei Monate, in denen sich das Tierheim Essen um 23 Perserkatzen kümmern und sie wieder aufpäppeln musste – sofern das überhaupt möglich ist. Denn hier wurde derart rücksichtslos gezüchtet, dass das Tierheim bereits von Tierquälerei spricht: „Unsere Perser haben gar kein Gesicht. So platt gezüchtet, dass sogar das Fressen schwerfällt“, zeigen sich die Tierpfleger schockiert. „Echt schlimm“.
Tierheim kümmert sich über Monate um kranke Katzen – nun sollen sie ein neues Zuhause bekommen
Die Pflegerinnen und Pfleger mussten jeder der Perserkatzen dreimal täglich Augentropfen verabreichen. Ein mal pro Tag mussten die Tiere gebadet werden, weil sie von Dünndarm-Parasiten, sogenannten Giardien, befallen waren. Auch mit Tabletten mussten die diversen Erkrankungen der Tiere behandelt werden. Schon jetzt arbeiten die Pflegerinnen und Pfleger in vielen Tierheimen am Belastungslimit. Sich dann noch um knapp zwei Dutzend weitere Katzen zu kümmern, ist eine wahre Mammutaufgabe. Doch für die Tierschützer war klar: „Nach so einer Tortur haben sie alle die volle Aufmerksamkeit ihrer Menschen verdient“.
Aufgrund des schlechten Gesundheitszustands könnte es nach Einschätzung des Tierheims trotz ihrer Bemühungen schwer werden, ein neues, liebevolles Zuhause für die Perserkatzen zu finden. Und dennoch wollen sie es versuchen: „Am liebsten würden wir die Süßen im Doppelpack vermitteln oder zu Katzen, die unter den gleichen Erkrankungen leiden. Alle Katzen sind wirklich sehr nett und mehr oder weniger aufgeschlossen, kuscheln mögen sie alle“, schreiben die Pfleger. Für die ersten Katzen soll nun losgehen in ein neues Leben.
So beispielsweise für Linguini. Die 13-jährige Perserkartze soll über die WDR-Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ vermittelt werden. Laut Beschreibung ist der Vierbeiner „sehr lieb“, ganz gesund ist Linguini jedoch nicht. Die neuen Besitzer sollten im besten Fall recht ruhig sein und den Katzen-Rentner weiter pflegen können. Interessierte können sich beim Tierheim Essen melden. Das Herz von Tierpflegerin Sarah Beckermann hat Linguini bereits erobert: „Der hat einfach mein Herz völlig berührt. [...] Ich habe ihn kennengelernt, und der ist schon echt toll“. (mg)
Rubriklistenbild: © imagebroker/Imago