Tierschützer klären auf

„Einfach nur bemitleidenswert“: Überzüchtete Rassekatzen mit kaputten Gelenken und Knochen

Sie sind niedlich, aber total überzüchtet: Rassekatzen wie die Scottish Fold leiden. Andere Länder planen bereits Verbote. Wie sieht das in Deutschland aus?

Hamm - Am Dienstag (8. August) ist Weltkatzentag. Die Vierbeiner zählen zu den beliebtesten Haustieren. Auch Rassekatzen sind hierbei beliebt. Viele Menschen finden sie einfach nur zuckersüß, andere wissen, dass eine Qualzucht dahinter steckt. Rassen wie die Scottish Fold sind beliebt – die Faltohren und das runde Gesicht sorgen für das putzige Aussehen der Vierbeiner. Doch steckt dahinter ein Defekt, der dafür sorgt, dass die Samtpfoten leiden. Doch darauf nehmen die Züchter keine Rücksicht.

Unser Nachbarland, die Niederlande, gaben Anfang des Jahres bekannt, dass sie ein Verbot von Qualzuchten erreichen möchten – der Politik dort sind Überzüchtungen wie diese ein Dorn im Auge. Geplant ist ein Gesetzesentwurf. Darunter fiele nicht nur die Scottish Fold – auch Hunderassen wie Möpse, Bulldoggen oder Pinscher wären von einem Verbot betroffen. Doch wie steht es um die Qualzucht von Rassekatzen in Deutschland und NRW?

Überzüchtete Rassekatzen in Deutschland: Was macht eine Qualzucht aus?

Jennie Schürmann vom Tierglück Münster erklärt, wann man von einer Qualzucht bei Katzen spricht. Es gibt laut Schürmann verschiedene Merkmalsträger, die dafür sorgen, dass Katzen qualvoll überzüchtet werden. „Darunter fallen Merkmale wie Faltohren, Kurzköpfigkeit, Kurzschwänzigkeit oder fehlende Fibrissen“, sagt Schürmann im Gespräch mit wa.de.

Diese Merkmale sorgen wiederum dafür, dass die Vierbeiner starke Schmerzen haben, ihre Sinnesorgane nicht mehr richtig funktionieren und die Tiere teilweise eine niedrigere Lebenserwartung aufweisen können. „Katzenrassen wie Perserkatzen, Scottish Fold und Sphynx sind aufgrund dieser Merkmale der Qualzucht einfach bemitleidenswert“, erläutert Schürmann.

Überzüchtete Rassenkatzen: Die Scottish Fold Katze

Ein Paradebespiel ist die Qualzucht der Scottish Fold. Bei dieser Rasse sticht das Merkmal der Faltohren hervor. Die Ohren der Scottish Fold sind nach vorne gekippt, hierbei ist der Knorpel des Ohres beschädigt. Und nicht nur das: „Die Knorpel im Körper sind alle zerstört. Die Gelenke sind kaputt, die Knochen sind kaputt, Scottish Fold Katzen haben dadurch Schmerzen im Bewegungsapparat“, sagt Schürmann. Diese Störung nennt sich OCD und tritt bei einigen Katzen eher und bei manchen später auf. „Man denkt sich: ‚Oh wie süß‘, aber die Tiere leiden total unter den Schmerzen“, so Schürmann.

Sie sind niedlich, aber total überzüchtet: Rassekatzen wie die Scottish Fold leiden.

Überzüchtete Rassenkatzen: Die Perserkatzen

Auch beliebt in Deutschland sind Perserkatzen. Doch auch bei dieser Rasse spielen Qualzuchtmerkmale eine Rolle – in dem Fall sogar mehrere. Zum einen sind Perserkatzen, so Schürmann, kurzköpfig. „Sie haben ihr Leben lang Atemnot durch ihr faltiges, eingedrücktes Gesicht“, so die Tierschützerin. Die Falten sorgen außerdem dafür, dass die Vierbeiner anfälliger für Entzündungen und Pilze sind. Perser werden außerdem in vielen Fällen „weiß beziehungsweise hell gezüchtet“. Und: Hier spielt dann die einhergehende Taubheit eine Rolle.

Wie steht es um ein Qualzuchtverbot in Deutschland?

Und die Tierheime bemerken, dass immer mehr Qualzucht-Katzen abgegeben werden – Anna-Lena Pieper vom Tierheim Dornbusch in Schalksmühle hat eine Vermutung, weshalb. „Bei den Scottish Fold Katzen sind das nicht nur die Faltohren. Da kommen noch andere Probleme hinzu: Herzprobleme oder Deformierungen – und das sind wiederum erhöhte Tierarztkosten“, so Pieper. Die Tierheimleiterin bemerkt vermehrte Abgaben von Rassekatzen dieser Art, ebenso wie eine erhöhte Anzahl von Fundtieren.

Und wie steht es um ein Verbot für qualvoll gezüchtete Rassekatzen in Deutschland? Pieper erklärt, dass einige Züchtungen hier nicht verboten sind. „Das sollte man definitiv tun. Die Leute sehen Scottish Fold Katzen und denken nur ‚Oh wie süß, witzige Ohren‘. Was dahinter steckt ist ihnen jedoch nicht klar“, so Pieper. Und auch Schürmann ist sich sicher: „Aufklärung ist das Wichtigste“. Und grundsätzlich sollten Interessierte sich gut genug informieren, bevor sie sich ein Rassetier holen – ansonsten tue man dem Tier und sich selbst keinen Gefallen.

Rubriklistenbild: © Anatoly_Maltsev/dpa

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