Im letzten Moment
Huhn Greta rettet sich selbst vor der Schlachtung – nun beginnt ihr zweites Leben
Greta hat es geschafft: Das kleine Huhn ist der eigenen Schlachtung entkommen. Doch bis das Tier wieder ganz fit ist, ist es noch ein weiter Weg.
Rietberg – Greta war nur noch Haut und Knochen. Tierschützer hatten das kleine Huhn kürzlich in einem Graben in Rietberg (Kreis Gütersloh, NRW) entdeckt. Abgemagert, verletzt und mit dünnen Beinchen hatte das Tier versucht, sich bei eisigen Temperaturen alleine draußen durchzuschlagen. Ohne die Rettung durch die Tierschützer hätte Greta wohl nicht mehr lange überlebt. Dabei war die Henne gerade erst dem sicheren Tod von der Schippe gesprungen, sind ihre Retter vom Tierschutzverein Achtung für Tiere e.V. überzeugt. Denn offenbar entkam sie der Schlachtbank – und das im letzten Moment.
Greta entkommt der eigenen Schlachtung – Huhn sah „furchtbar“ aus
Greta habe „furchtbar“ ausgesehen, als sie vor wenigen Wochen im Umkreis des vereinseigenen Lebenshofes gefunden wurde, berichtet der Tierschutzverein. Selbst nach ihrer Rettung fiel das kleine Huhn immer wieder in sich zusammen, wirkte abwesend, schwach und krank. Jemand hatte ihr die empfindliche Schnabelspitze amputiert. Landwirtschaftliche Betriebe wollen so das gegenseitige Bepicken der Tiere in der Haltung verhindern, die Tiere leiden danach häufig an starken Schmerzen. Greta hat das jedoch offensichtlich trotzdem nicht viel gebracht: Bei ihrer Ankunft auf dem Hof war ihr ganzer Körper wundgepickt.
Tierschützer im Einsatz
Die vielen Tierheime und Tierschützer im Land leisten einen wichtigen Job. Wenn Menschen Hund, Katze & Co. falsch behandeln, bieten sie den Tieren ein neues Zuhause – wie beispielsweise beim Schäferhund Dries. In Bielefeld suchen die Tierpfleger aktuell nach einer neuen Familie für den Hund Echo.
Tierschützer: Hohe Legeleistung setzt Hühnern gesundheitlich zu
Die hohe Legeleistung lasse viele der Tiere krank zurück. Die extra dafür gezüchteten Hennen bekommen bis zu 320 Eier pro Jahr, wie Du und das Tier, das Magazin des Deutschen Tierschutzbundes, berichtet. Das sind fast doppelt so viele, wie Wildhühner in ihrem gesamten Leben legen. Das hat Folgen: „Verletzungen, Erkrankungen der Organe, Knochenbrüche und -deformationen sind bei Hühnern an der Tagesordnung“. Mit circa eineinhalb Jahren erreichen die Tiere diese Legeleistung nicht mehr. Dann werden sie verladen – und zur Schlachtung geschickt, heißt es in dem Bericht.
Dass einzelne Tiere bei der massenhaften Verladung zur Schlachtung vieler hundert oder tausend Hühner entkommen, sei nichts Ungewöhnliches, heißt es von Astrid Reinke, Tierärztin und Vorsitzende von Achtung für Tiere. Allein in Rietberg habe es bereits drei solcher Vorfälle gegeben. Ihr Wert sei so gering, dass sich das Einfangen der Hühner nicht lohnen würde. „Wobei man den Tieren auch nicht wünschen kann, was ihnen bevorsteht. Sie werden massenhaft in Kisten gestopft, bei vollem Bewusstsein an den Beinen aufgehängt, mit dem Kopf in ein Stromwasserbad getaucht, das sie ‚betäuben‘ soll.“
Huhn Greta auf dem Weg zur Besserung – und sie hat einen Beschützer
Einem solchen Schicksal konnte Greta entkommen. Derzeit lebt sie auf dem Hof des Tierschutzvereins, in einem warmen Badezimmer, damit das winzige Huhn mit löchrigem Gefieder nicht friert. Ab und zu geht es für kurze Besuche zu den anderen Hühnern auf den Hof – vorausgesetzt, das Wetter lässt es zu. Die Tierpfleger weichen dort nicht vor Gretas Seite, um eingreifen zu können, falls ihre Artgenossen sie picken sollten. Doch die Henne hat noch weitere Unterstützung: „Zum Glück ist Hahn Caruso wie immer ein richtiger Beschützer und passt gut auf Greta auf.“
Sonst genießt Greta die Staubbäder auf dem Hof und die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings auf ihrem Gefieder. Doch bis zur vollständigen Genesung ist es noch ein langer und steiniger Weg. Ob das kleine Huhn sich jemals vollständig von seinen Strapazen erholen wird, können nicht einmal die erfahrenen Tierschützer aus Rietberg mit Sicherheit sagen. Doch sie bleiben zuversichtlich. Schon jetzt befinde sich Greta auf einem guten Weg: 300 Gramm hat Greta bereits zugenommen (Stand: 21. März), und auch die ersten Federn wachsen wieder nach. „Ich wünsche ihr so sehr, dass sie es schafft.“ (mg)
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