Schreib- und Spielwarenladen

Räumungsverkauf: Traditionsgeschäft schließt nach über 75 Jahren

Der „Schreibwarenladen“ in Bergneustadt schließt.
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Der „Schreibwarenladen“ in Bergneustadt schließt.

Der „Schreibwarenladen“ schließt nach über 75 Jahren im Ort. Auch das Partnergeschäft, der „Spielwarenladen“, macht dicht. Bergneustadt verliert eine Institution.

Bergneustadt - Immer mehr kleine, inhabergeführte Läden in den Städten müssen schließen. Auch Anika Hahne-Naumann zieht die Reißleine. Lange kämpfte sie um den Erhalt ihrer beiden Geschäfte in Bergneustadt. Doch wegen behördlicher Hürden, horrender Mietpreise und letztlich auch nach reiflicher Überlegung entschloss sich die Inhaberin, Abschied vom „Schreibwarenladen“ und „Spielwarenladen“ zu nehmen. In beiden Geschäften läuft der Räumungsverkauf.

Traditionsgeschäft schließt nach über 75 Jahren – Räumungsverkauf läuft

Der „Schreibwarenladen“ ist eine Institution in Bergneustadt, schon seit über 75 Jahren. Umso schwerer fällt es Anika Hahne-Naumann, die das kleine Geschäft seit gut zehn Jahren führt, jetzt für immer zu schließen. Auch ihr anderer Laden, der „Spielwarenladen“, macht dicht. Den eröffnete sie während der Corona-Pandemie etwas näher im Zentrum der Stadt, rund 500 Meter vom „Schreibwarenladen“ entfernt.

Die Gründe für die Geschäftsaufgabe sind vielschichtig. Wie Hahne-Naumann im Gespräch mit wa.de erklärt, sei sie schon länger auf der Suche nach einem größeren Ladenlokal gewesen, um beide Geschäfte zusammenzuführen. Die Suche sei schwierig gewesen. Immobilienbesitzer würden meist große Ketten bevorzugen, die sich für zehn Jahre dem Standort verpflichten. Hahne-Naumann habe jedoch aus der Corona-Pandemie gelernt und wollte einen Mietvertrag mit solch langer Laufzeit nicht unterschreiben.

Auch der „Spielwarenladen“ in Bergneustadt schließt.

Im vergangenen Jahr schien es dann einen Lichtblick zu geben. Hahne-Naumann hatte einen Immobilienbesitzer gefunden, der ihr sein Ladenlokal vermieten wollte. Die Geschäftsinhaberin erzählt, dass sie bereits ihre laufenden Mietverträge gekündigt und einen Umzug geplant hatte – bis ihr die Behörden einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten. Ein Einzelhandelskonzept habe die Ansiedlung ihres Geschäfts in dem besagten Ladenlokal verhindert. Es folgten viele Gespräche – bis Hahne-Naumann aufgab.

„Branche ist aktuell im Umbruch“: Schreibwaren- und Spielzeugladen schließen

Der Immobilienbesitzer, erzählt die Geschäftsinhaberin, hätte es weiter versucht. Doch nach reichlicher Überlegung sei sie dann zu dem Entschluss gekommen, nicht weiterzumachen. „Meine Branche ist aktuell im Umbruch“, erklärt Hahne-Naumann. Es gebe Insolvenzen und Exklusivverträge mit Discountern. Man folge „den Warenströmen“, habe ihr ein Hersteller mal gesagt. „Es wird nicht leichter“, so die Geschäftsinhaberin. Übernehmen wolle die beiden Läden auch niemand.

Der Schließungstermin für beide Geschäfte stehe noch nicht abschließend fest. Der Räumungsverkauf läuft. „Ich warte, bis alles weg ist“, so Hahne-Naumann. Die Vermieter würden ihr diesbezüglich Zeit geben. Drei Teilzeit-Mitarbeiterinnen seien von den Schließungen betroffen. Die Inhaberin bemühe sich, ihre Mitarbeiterinnen anderswo unterzubringen.

Schreibwaren seit 1949

Den „Schreibwarenladen“ gibt es in Bergneustadt schon eine halbe Ewigkeit, so würden es vermutlich viele Einwohner der Kleinstadt im Oberbergischen ausdrücken. Im Jahr 1949, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, eröffnete Helene Obendorf das kleine Geschäft an der Kölner Straße 282. Jahrzehntelang verkaufte sie Bücher und Schreibwaren. Ende der 80er Jahre übernahm dann Eva Maria Schmidt den „Schreibwarenladen“ und führte ihn 25 Jahre lang, zuerst gemeinsam mit ihrem Mann und später dann alleine.

Bis Ende 2014, als schließlich Anika Hahne-Naumann als dritte Frau das kleine Geschäft übernahm – und während der Corona-Pandemie sogar expandierte. Um während des ersten Lockdowns die Schulranzen, die im kleinen Ladenlokal sowieso kaum Platz fanden, vernünftig präsentieren zu können, mietete Hahne-Naumann zunächst ein Schaufenster in einem leerstehenden Ladenlokal weiter im Zentrum. Als dort dann ein Testzentrum entstehen sollte, übernahm die Inhaberin des „Schreibwarenladen“ das Geschäft – und eröffnete im Sommer 2021 den „Spielwarenladen“. Dort verkaufte Hahne-Naumann seitdem Ranzen und Spielwaren.

Auch ein Geschäft in Ahlen war fast 14 Jahre lang eine beliebte Anlaufstelle für Kreative. Doch im Februar wird der Laden in der Innenstadt schließen. Uni-Polster, ein großes Möbelgeschäft in Dortmund, schließt ebenfalls seine Filiale. Der Grund dafür sei eine „städtische Verordnung“. Ein Räumungsverkauf läuft.

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