Schreckliches Schicksal
Hunde von Peininger befreit: „Ausgehungert, verwahrlost und traumatisiert“
Ein Ehepaar hielt mehr als 30 Hunde in Köln auf einem Schrottplatz. Nun wurden sie verurteilt. Für das Tierheim Köln-Dellbrück ist die Strafe zu mild.
Köln - Vor mehr als sechs Monaten fanden Rosa, Alba, Berti und Bero ein neues zu Hause im Tierheim Köln-Dellbrück. Zuvor waren die Hunde in Besitz eines Ehepaars. Mit rund 30 weiteren Hunden lebten sie auf einem Kölner Schrottplatz in Holzverschlägen und alten Wohnwagen, berichtet Sylvia Hemmerling, Leiterin des Tierheims auf Nachfrage von wa.de. In Zusammenarbeit mit weiteren Tierschützern wurden die Hunde aus „Bergen von Müll, Exkrementen und Tierkadavern gerettet“, heißt es auf Facebook.
„Ausgehungert, verwahrlost und traumatisiert“ waren Hunde bei Ankunft im Tierheim Köln-Dellbrück
„Sie kannten keine Menschen, keinen Lärm. Nur den Dreck, in dem sie lebten“, beschreibt Hemmerling die Situation der vier Hunde bei ihrer Ankunft im Tierheim. Sie seien „ausgehungert, verwahrlost und dementsprechend traumatisiert gewesen“. Rosa, Alba, Berti und Bero hatten das Glück, befreit zu werden. Für viele andere kam jede Hilfe zu spät: „Wie viele gestorben sind, weiß man nicht genau, allerdings sind beim Fund bereits verweste Tiere entdeckt worden“.
Hunde aus Tierheim Köln-Dellbrück könnten bald vermittelt werden
Nach monatelangem Training können die vier Hunde aus dem Tierheim zumindest ein Halsband und eine Leine tragen, sagt Hemmerling. Einige seien auch bereit, bald vermittelt zu werden. Allerdings seien die Tiere „weit davon entfernt, ein normales Hundeverhalten zu zeigen. Zu tief sitzen die schlimmen Erfahrungen“, schreibt das Tierheim auf Facebook.
Aus diesem Grund gibt es laut Hemmerling bei der Vermittlung wichtige Faktoren zu beachten. Es wird ein erfahrener Hundehalter gesucht, der „nicht erschrocken ist, wenn der Hund nur in der Ecke sitzt und nichts macht“. Des Weiteren kommen lediglich Halter infrage, die einen weiteren Hund besitzen. „So kann sich der neue Hund am anderen orientieren und ist nicht alleine“.
Für Tierheim Köln-Dellbrück ist Verurteilung der Peiniger ein „Schlag ins Gesicht“
Zwischenzeitlich mussten sich die ehemaligen Hundehalter vor Gericht behaupten. Wie der WDR berichtet, warf die Staatsanwaltschaft dem Ehepaar gemeinschaftlichen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und Tötung durch Vernachlässigung vor. Das Gericht verurteilte die beiden bei einem Prozess Anfang September zu einem Jahr Haft auf Bewährung. Außerdem dürfen sie drei Jahre lang keine Hunde halten. Die beiden Angeklagten hätten laut ihrer Anwältin die Hunde aus „falsch verstandener Tierliebe“ aufgenommen. Das Ehepaar wollte sich um die Hunde kümmern, sei dann aber nicht nur finanziell überfordert gewesen.
„Für uns ist das Urteil ein Schlag ins Gesicht. Wir können nicht begreifen, wer so ein Leid antut und keine Geldstrafe und keinen Tag Gefängnis erhält“, sagt Hemmerling. Laut dem Tierschutzgesetz ist eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe bis zu 25.000 Euro möglich. Allerdings nur, wenn Besitzer absichtlich ihre Tiere getötet oder ihnen erheblichen Schaden zugefügt haben.
Erst vor Kurzem war Hund Filou in der Nähe des Tierheims in Köln-Dellbrück ausgesetzt worden. Seine Halter wollten ihn unbedingt loswerden.
Rubriklistenbild: © Sylvia Hemmerling/ Tierheim Köln-Dellbrück
