Experten untersuchen weiter
Fehlzündung bei Rheinkirmes-Feuerwerk hat dramatische Folgen: „Wie Schussverletzung“
Eine Fehlzündung beim Feuerwerk auf der Rheinkirmes führte zu 19 Verletzten. Vier Menschen erlitten schwere Verletzungen. Ein Unfallchirurg beschreibt dramatische Details.
Düsseldorf/Dortmund – Der Unfall bei dem traditionellen Feuerwerk auf der Rheinkirmes hat für die Opfer schlimme Folgen. Die vier schwerverletzten Personen schwebten zwar nicht in Lebensgefahr, ihre Genesung dürfte dennoch länger dauern. Ein Experte erklärt, was Verletzungen durch Pyrotechnik so problematisch macht. Derweil gibt es auch neue Erkenntnisse zur Unfallursache.
Feuerwerk-Unfall auf Rheinkirmes hat dramatische Folgen
Dr. Thorsten Strohmann ist Leiter der Zentralen Notaufnahme (ZNA) im Klinikum Dortmund. Dort ist auch ein sogenanntes Schwerbrandverletztenzentrum ansässig. Er kennt Verletzungen dieser Art nur allzu gut – und weiß, welche Probleme Feuerwerk-Unfälle mit sich bringen. „Es ist die Kombination aus Hitze, der Druckwelle durch die Explosion und der chemischen Reaktion“, sagt der erfahrene Unfallchirurg im Gespräch mit wa.de. Bei einigen der insgesamt 19 verletzten Menschen dürften die behandelnden Ärzte daher auch vor entsprechende Probleme gestellt worden sein.
Unfall bei Rheinkirmes-Feuerwerk: Bilder zeigen die Explosion




Nach dem Unglück waren nach früheren Angaben der Feuerwehr vier Menschen mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser gekommen. Unter den Verletzten befinden sich auch drei Kinder. Ein vierjähriges Mädchen kam mit Verbrennungen in eine Klinik. Neue Informationen zum Gesundheitszustand der Verletzten lagen zunächst nicht vor. Mittlerweile ist aber klar, dass das Unglück in Düsseldorf offenbar Folge einer Fehlzündung war.
Unglück in Düsseldorf offenbar Folge einer Fehlzündung
Das Unglück beim Feuerwerk der Düsseldorfer Rheinkirmes mit 19 Verletzten ist offensichtlich durch eine ungeplante Fehlzündung ausgelöst worden. Eine Kugelbombe sei bereits im Abschussrohr detoniert, teilte die Bezirksregierung Düsseldorf mit.
Die Behörde hatte das Feuerwerk demnach vorab geprüft und keine Beanstandungen festgestellt. Auch während des Feuerwerks seien Behördenmitarbeiter vor Ort gewesen, um die Einhaltung der Schutzabstände zu überwachen. Die einzuhaltenden Sicherheitsvorkehrungen sind dabei ziemlich vielfältig.
„Es müssen zunächst bestimmte Schutzabstände eingehalten werden, es müssen Gefährdungsbeurteilungen vorgenommen werden, und es werden Begehungen des Abbrennplatzes vorgenommen“, bestätigte Klaus Gotzen, Geschäftsführer des Verbands der pyrotechnischen Industrie (VPI), gegenüber wa.de. „Bei einem Großfeuerwerk – vor allem wie zur Rheinkirmes – sind natürlich auch die unterschiedlichsten Behörden im Vorfeld involviert, um die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten“, erklärt er zudem. Der Grund für die Fehlzündung bei der Rheinkirmes ist bislang weiter offen.
Grund für Fehlzündung bei Rheinkirmes Feuerwerk weiter offen
„Zum Zeitpunkt der Anzeige des Feuerwerks und der behördlichen Kontrolle vor Ort entsprach der Aufbau den geltenden sicherheitstechnischen Vorgaben“, betonte die Behörde. Wieso es trotzdem zu dem Unfall kommen konnte, lasse sich derzeit noch nicht abschließend bewerten. Dies werde noch immer untersucht. Für die Verletzten waren jedoch die Folgen immens.
Üblicherweise kommt es bei Unfällen mit Feuerwerkskörpern nämlich gleich zu mehreren Verletzungen auf einmal:
- Chemische Stoffe verdampfen und sorgen für Reizungen der Lunge.
- Laute Knallgeräusche sowie die Druckwelle können Verletzungen des Trommelfells hervorrufen.
- Die extreme Hitze sorgt für Verbrennungen.
„Die Verbrennungen durch Hitze betreffen üblicherweise die ungeschützten Areale auf der Haut stärker“, sagt Dr. Strohmann. Im Sommer tragen die Menschen eher kurze Kleidung und zeigen viel Haut – das könnte auch den Besuchern der Rheinkirmes zum Verhängnis geworden sein: Diese Stellen waren besonders ungeschützt. Die Verbrennungen, die Pyrotechnik verursacht, ist auch noch meistens besonders schlimm.
Unfallchirurg erklärt, was Pyrotechnik-Unfälle so gefährlich macht
Wer schon mal auf eine zu heiße Herdplatte gepackt hat, weiß, dass es wehtut – in der Regel zieht man die Hand schnell wieder zurück. Bei Unfällen mit Feuerwerkskörpern ist das häufig nicht möglich. „Pyrotechnische Verbrennungen reichen meistens tiefer“, sagt Dr. Strohmann. Der Grund: Die Pyrotechnik kann sich in der Kleidung oder ähnlichem verfangen und brennt dann weiter. Mit gravierenden Folgen.
„Das kann tatsächlich wie eine Schussverletzung aussehen und die Feuerwerkskörper hinterlassen zum Teil tatsächlich kleine bis mittlere Einschusslöcher“, sagt Dr. Strohmann. Ob das auch bei den Verletzten von der Rheinkirmes so ist, das lässt sich nicht sagen. Die behandelnden Ärzte haben die Verletzungen vermutlich aber trotzdem vor Herausforderungen gestellt. (maho/dpa)
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