Rheine-Bentlage
„Hätte nicht passieren dürfen“: Akten und Patientendaten in Lost Place frei zugänglich
Im Münsterland in einem Lost Place wurden sensible Patientendaten zurückgelassen. Die Klinik bestätigt den Vorfall in der verlassenen Forensik.
Hamm/Bentlage – Lost Places üben eine besondere Faszination auf Menschen aus. Sie versprechen sich dort von ihren Erkundungstouren ein Abtauchen in geheime und fremde Welten. Besonders beliebt sind dabei alte Kliniken und Einrichtungen, die im Normalfall für die Außenwelt eher nicht zugänglich sind. Im Münsterland gab es nun aber eine Datenschutzpanne in einem Lost Place – die Klinik entschuldigt sich.
Akten und Patientendaten in Lost Place frei zugänglich: „Hätte nicht passieren dürfen“
Sensible Akten und Patientendaten sind in Rheine-Bentlage an die Öffentlichkeit gelangt. Die waren offenbar auf dem Gelände der verlassenen LWL-Forensik-Klinik achtlos zurückgelassen worden. Noch immer würden einem Bericht der WN zufolge in den verlassenen Zimmern und Besprechungsräumen sensible Patientenakten sowie private Unterlagen, Briefe und persönliche Gegenstände der früheren Patienten herumliegen – „achtlos liegengelassen in den Zimmern, auf Tischen im Speisesaal, in Kartons und Regalen der Büros. An den Wänden hängen noch Belegungspläne und Behandlungsübersichten mit Namen und Charakterisierungen der Patienten“, wie es heißt. Die Klinik bestätigt einen entsprechenden Vorfall und entschuldigt sich.
Nachdem die Vorwürfe bekannt waren, hätten demnach Mitarbeitende der LWL-Maßregelvollzugsabteilung Münster und des LWL-Therapiezentrums für Forensische Psychiatrie Münsterland sowie eine Vertreterin des Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW (MAGS) das Klinikgelände besucht und auf entsprechende Datenschutzverstöße untersucht – mit einem erschreckenden Ergebnis.
„Zuerst stellten sie fest, dass der mit Schlössern gesicherte Zugang auf das ehemalige Klinikgelände offenbar mutwillig aufgebrochen war und sich Unbekannte widerrechtlich Zugang zu Gelände und Gebäude verschafft haben“, wird LWL-Pressesprecher Thorsten Fechtner zitiert. Als Ausrede für die zurückgelassenen Unterlagen kann das allerdings nicht herhalten. So sucht auch die Klinik die Schuld unter anderem bei sich selbst.
LWL entschuldigt sich für „private Unterlagen und Gegenstände“ in Lost Place
„Leider mussten die LWL-Mitarbeitenden ebenso feststellen, dass sich private Unterlagen und Gegenstände sowie eine Patientenakte, bestehend aus vier Aktenordnern, finden ließ“, wird der LWL weiter zitiert. Die besagten Ordner hätten einem Umzugskarton gelegen, „der offenbar bei dem Umzug der Klinik nicht mitgenommen wurde“. Immerhin: Bei der vorgefundenen Patientenakte habe es sich um die Ordner von vorbehandelnden Kliniken, nicht der LWL-Maßregelvollzugsklinik Rheine selbst gehandelt, wie aus dem Bericht hervorgeht. Wirklich besser macht das die Sache allerdings auch nicht.
Lost Place an der A1 – Restaurant steht schon seit Jahrzehnten leer




Das scheint auch der Klinik bzw. dem LWL selbst klar zu sein. „Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) bedauert sehr, dass es trotz mehrmaliger Kontrollbegehungen der Klinikmitarbeitenden zu dieser Panne beim Umzug des Aktenbestandes der Klinik gekommen ist“, würde es daher auch demnach weiter in der besagten Stellungnahme heißen. LWL-Maßregelvollzugsdezernent Tilmann Hollweg werde zudem mit den Worten zitiert: „Wir bitten die Betroffenen um Entschuldigung für diese Panne, die zu einer Datenschutzverletzung geführt hat. Das hätte nicht passieren dürfen.“
Die 2005 als Übergangsklinik eröffnete LWL-Maßregelvollzugsklinik Rheine behandelte nach eigenen Angaben fast 20 Jahre lang auf dem Gelände der ehemaligen Holländerkaserne am Schüttdorfer Damm in Rheine psychisch kranke und zuletzt auch suchtkranke Rechtsbrecher. Ende September 2023 wurde die Klinik infolge der Inbetriebnahme des LWL-Therapiezentrums für Forensische Psychiatrie Münsterland in Hörstel stillgelegt. Das Land Nordrhein-Westfalen plane nun, die Klinik umzubauen und als Entziehungsanstalt für suchtkranke Rechtsbrecher mit 68 Behandlungsplätzen fortzuführen.
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