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Legal und dennoch faszinierend: Frühere Lost Places in NRW, die man besuchen darf

Verlassene Fabriken, marode Häuser und Geisterstädte: In NRW gibt es viele Orte, die einst Lost Places waren. Manche von ihnen können heute ganz legal erkundet werden.

Hamm - Lost Places, also von den Menschen verlassene und vergessene Orte, üben auf viele eine Faszination aus. Früher wurde dort gearbeitet, wie zum Beispiel in einer alten Schokoladenfabrik in Bad Oeynhausen, oder auch gewohnt. Das zeigt zum Beispiel ein altes Hochhaus aus Essen, welches nun als Lost Place bezeichnet wird. Wer einen Lost Place besuchen will, sollte aber einen Ort aussuchen, der legal betreten werden darf. Das ist nämlich nicht bei allen Lost Places der Fall.

Legal und dennoch faszinierend: Einstige Lost Places in NRW, die man besuchen darf

Lost Places sind nicht selten verlassene Wohnhäuser und Gebäude. Aber auch wenn sich augenscheinlich niemand mehr um die verfallenen Gebäude kümmert, ist es trotzdem strafbar, sie zu betreten. Besucher der verlassenen Orte begehen nämlich Hausfriedensbruch, wenn es sich um „das befriedete Besitztum eines anderen oder [...] abgeschlossene Räume, welche zum öffentlichen Dienst oder Verkehr bestimmt sind“, handelt, besagt das Strafgesetzbuch. Im schlimmsten Fall kann eine einjährige Freiheitsstrafe drohen, erklärt anwalt.de.

Lost Places in NRW – legal und faszinierend

Ein Lost Place der etwas anderen Art ist das alte Stadtbad in Krefeld.
Es gibt Pläne, das alte Stadtbad „wiederzubeleben“. Schon jetzt finden dort Veranstaltungen statt.
Zwischen Gelsenkirchen und Herten liegt die Zeche Westerholt.
Im Dezember 2008 wurde der Zechenbetrieb eingestellt.
Lost Places in NRW – legal und faszinierend

Wer gerne mal einen Lost Place besuchen möchte, muss nicht unbedingt eine Straftat begehen. Denn in NRW gibt es einige verlassene Orte, die man ganz legal entdecken kann.

Stadtbad Krefeld

Mitten in der Krefelder Innenstadt an der Neusser Straße liegt das historische Stadtbad. Schwimmen kann man dort heutzutage jedoch nicht mehr, das Stadtbad steht seit mehr als 20 Jahren leer. Erbaut wurde das Stadtbad bereits im Jahr 1890, berichtet die Stadt Krefeld. Damals galt das Stadtbad „als schönste und prächtigste Badeanstalt im Deutschen Reich“, heißt es. Bei einem Erdbeben 1992 wurden allerdings Teile des Bads beschädigt, die dann nicht wieder in Betrieb genommen wurden. 2003 war endgültig Schluss mit dem aktiven Schwimmbetrieb.

Es gibt allerdings Bemühungen seitens der Stadt und besonders von dem Verein „freischwimmer“, das alte Stadtbad wieder zu beleben. Der Verein organisierte zum Beispiel einen Adventsmarkt im Bad. Im Rahmen dieser und weiterer Veranstaltungen haben Interessierte die Möglichkeit, das historische, denkmalgeschützte Gebäude von innen zu besichtigen.

Zeche Westerholt

Die Zeche Westerholt zwischen Gelsenkirchen und Herten wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. Wie die Entwicklungsgesellschaft Neue Zeche Westerholt berichtet, spiegeln die bis heute erhaltenen Zechengebäude zusammen mit jüngeren Gebäuden auf dem Gelände fast ein Jahrhundert Bergbauarchitektur wider.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Fördergerüst über einem Schacht der Zeche Westerholt vollständig zerstört. Nach dem Krieg wurde dann ein neuer Schacht inklusive Förderturm errichtet und die Zeche modernisiert. Bis 2008 wurde in der Zeche Kohle abgebaut. Am 19. Dezember 2008 wurde der Betrieb schließlich eingestellt.

Das ehemalige Bergwerk ist heute ein Lost Place. Besucher können bei einer Führung erfahren, wie der Bergbau früher funktioniert hat und wie der Arbeitstag damals aussah. Für Führungen sollten sich interessierte voran anmelden, da die Plätze auf etwa 20 Personen begrenzt sind.

Dorfwüstung Wollseifen

Im Kreis Euskirchen steht das verlassene Dorf Wollseifen. Die Häuser stehen leer, gewohnt hat hier lange niemand mehr. Grund dafür ist die Zwangsräumung des Dorfs in der Eifel nach dem Zweiten Weltkrieg. Laut Informationsdatenbank Kultur. Landschaft. Digital. wurde das Dorf, das in der Nähe der damaligen NS-Kaderschule „Ordensburg Vogelsang“ gelegen war, im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Nach Kriegsende mussten die Anwohner dann ihre Häuser verlassen, da aus Wollseifen ein Truppenübungsplatz für das belgische Militär wurde. Bis Ende 2005 wurde der Platz von den belgischen Truppen noch benutzt.

Seit 2006 ist das Gelände in der Eifel aber wieder für Besucher zugänglich. Heute erhalten sind noch eine Kirche, eine ehemalige Schule, ein Trafohäuschen und eine Wegekapelle, berichtet das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. In der Zeit, in der das Militär das Dorf als Übungsplatz genutzt hat, wurde neue Bauten auf dem Dorfgelände errichtet, in denen der Häusernahkampf trainiert wurde. Ein dreidimensionales Modell zeigt Interessierten heute, wie das Dorf Wollseifen 1944 bebaut war. Das Modell steht vor der Kirche.

Landschaftspark Duisburg-Nord

Der Landschaftspark Duisburg-Nord erstreckt sich rund um ein stillgelegtes Hüttenwerk. Die alten Gebäude stehen noch heute und erinnern an die industrielle Hochzeit. Die heute nicht mehr genutzten Räumlichkeiten des alten Hüttenwerks geben Besuchern das Gefühl, einen richtigen Lost Place zu besuchen – und das ganz legal.

Zu bestimmten Anlässen werden die alten Gebäude im Landschaftspark Duisburg beleuchtet.

Im April 1985 endete der Betrieb im Hüttenwerk Meiderich. Bis dahin wurden im Werk Spezialroheisensorten gefertigt. Seitdem hat sich das Gelände in Duisburg zu einem einzigartigen Erlebnisraum entwickelt. „Die Idee einer neuartigen, industriell geprägten Natur- und Kulturlandschaft wurde 1989 geboren“, heißt es auf der Website des Landschaftsparks. Gestaltete Grünanlagen und spontan gewachsene Pflanzen wechseln sich im heutigen Park ab – und mittendrin Überbleibsel des Hüttenwerks.

Interessierte können den Park jederzeit besuchen und müssen dafür keinen Eintritt bezahlen. Außerdem werden auf dem Gelände zahlreiche Veranstaltungen organisiert. Ein Highlight im Landschaftspark ist das größte Indoortauchbecken Europas.

(Hinweis: In der vorherigen Version wurde die Kokerei Hansa in Dortmund als Lost Place bezeichnet. Diese Bezeichnung ist allerdings nicht korrekt. Bei der Kokerei handelt es sich laut der Stiftung Industriedenkmalpflege um ein gelungenes Beispiel für die Revitalisierung von Industriedenkmalen. Heute verfügt die stillgelegte Kokerei unter anderem über eine Doppelgastronomie und eine Eventhalle.)

Rubriklistenbild: © Alexander Ludwig / Imago

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