Salami-Taktik bei Tönnies
Corona-Überblick: Neuinfektionen in Hamm steigen rasant, fast 1.000 Tests bei Westfleisch - weitere Schulschließung?
Nach und nach werden immer mehr Infektionen von Hammern bekannt, die beim Fleischkonzern Tönnies arbeiten. Ein Ende ist noch nicht in Sicht.
Hamm - Am Sonntag-Abend teilte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann mit, dass auf einen Schlag 14 Neuinfektionen bei der Stadt gemeldet worden sind. Alle stünden im direkten Zusammenhang mit dem Corona-Ausbruch bei Tönnies.
Weil im gleichen Zeitraum seit Sonntag-Mittag zwei Personen, die nicht aus dem Tönnies-Cluster stammen, neu als genesen gelten, gibt es derzeit 49 akut mit dem Coronavirus infizierte Personen in Hamm.
Tönnies: Niemand weiß, was da noch kommt
"Das ist schon ein erheblicher Anstieg. Wir bekommen die Meldungen aus dem Kreis Gütersloh leider immer sehr verzögert", erklärte Hunsteger. "Ob wir morgen wieder deutlich mehr haben, kann und will ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht beurteilen."
Das Problem: Bei der Stadt weiß niemand, wie viele Tönnies-Beschäftigte aus Hamm schon abgehakt sind. Negative Testergebnisse seien bislang nicht weitergegeben worden, die Stadt erhalte nur Kenntnis von den positiv Getesteten. "Es kann deshalb sein, dass das bisher nur ein kleiner Teil der Gruppe war, der mit den Meldungen abgedeckt wurde. Es kann aber auch sein, dass da nicht mehr viel kommt. Wir wissen es einfach nicht", so Hunsteger. Er wolle sich am Montag darum bemühen, Licht ins Dunkel zu bekommen.
Deutlich mehr Betroffene als erst vermutet
Schon die Übermittlung der Mitarbeiterliste und der Kontaktdaten hatte sich verzögert. Erst hieß es in einer vorsichtigen Schätzung, in Hamm würden rund 50 Tönnies-Mitarbeiter leben, dann stieg die Zahl auf 95. Inzwischen ist klar, dass es 109 sind. Diese Scheibchen-Taktik erschwere die Arbeit der inzwischen massiv aufgestockten Teams der Stadt erheblich, betonte Hunsteger.
40 Mitarbeiter des Jugendamtes machten sich am Sonntag auf den Weg, um Tönnies-Mitarbeiter unter Quarantäne zu stellen, bei denen die angegebene Telefonnummer nicht stimmte. Mittlerweile seien aber alle Arbeiter und deren bisher ermittelte, direkte Kontaktpersonen in Isolation. Insgesamt sind 495 Hammer derzeit in Quarantäne.
Erneuter Lockdown unwahrscheinlich?
Davon, dass die Tönnies-Fälle einen neuen Lockdown für Hamm bedeuten, geht Hunsteger - Stand Sonntag - nicht aus. Schließlich sei der Ausbruch bislang relativ isoliert vonstatten gegangen. Rechnet man die inzwischen 47 Infizierten aus dem Tönnies-Umfeld aus der Statistik heraus, gäbe es in Hamm nur noch zwei Corona-Fälle.
Ein positives Signal sei am Sonntag auch ein Zwischenfazit der Tests bei drei Schulklassen gewesen, erklärte Hunsteger. Die Tests waren nötig geworden, weil jeweils mutmaßlich ein mit dem Coronavirus infizierter Schüler, der sich bei einem Elternteil (Tönnies-Mitarbeiter) angesteckt hatte, am Unterricht teilnahm. Die folgenden Tests seien bislang alle negativ ausgefallen. Noch stünden aber nicht alle rund 100 Ergebnisse fest.
Auch Overbergschule betroffen
Unterdessen ist im Zuge der Kontaktverfolgung ein weiterer begründeter Verdachtsfall an einer Hammer Schule bekanntgeworden. Ein Schüler der Overbergschule könnte sich bei einem Elternteil angesteckt haben, zeige aber bislang keinerlei Corona-Symptome. Am Montag werden der Schüler und seine komplette Klasse auf das Virus getestet, erklärte der OB. Einfluss auf den restlichen Schulalltag habe dieser Verdachtsfall allerdings nicht. Der Unterricht laufe für alle anderen Schüler normal. Eltern stehe es trotzdem frei, ihre Kinder nicht zur Schule zu schicken.
Bis auf die Gebrüder-Grimm-Schule, die Friedrich-Ebert-Realschule und den Standort der Albert-Schweitzer-Schule an der Stefanstraße 51b - hier wurden die drei Infektionsfälle bekannt - öffnen auch alle weiteren Hammer Schulen am Montag normal.
Westfleisch: Massentest fast abgeschlossen
Neben den weiteren Ergebnissen aus dem Kreis Gütersloh gibt es noch eine zweite unsichere Variable für den Verlauf der Infektionskurve in Hamm. Am Sonntag wurde der erste Teil eines zweiten Massentests bei Westfleisch in Uentrop durchgeführt. Nach Angaben Hunstegers wurden in zwei Schichten bereits 945 der etwa 1.250 Mitarbeiter getestet. "Das ging relativ flott, war aber ein immenser Kraftakt."
Rund 250 Mitarbeiter von Stadt, Berufsfeuerwehr, Freiwilliger Feuerwehr, DRK und der niedergelassenen Ärzte nahmen in sieben Testzelten Proben im Minutentakt, die nun ausgewertet werden müssen. Die Labor-Kapazitäten seien inzwischen massiv aufgestockt worden, weshalb mit Ergebnissen schon spät in der Nacht und am Montag-Vormittag zu rechnen sei. Parallel sollen dann alle übrigen Westfleisch-Beschäftigte getestet werden. Sind auch diese Ergebnisse am Dienstag da, dürfte klar sein, ob der Lockdown kommt oder nicht.
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