Quälende Ungewissheit

Bulldogge Gangster tot: „Hätte der Notdienst der Klinik ihn retten können?“

Hund Gangster war ein besonderer Fall – mit langer Krankengeschichte. Seit seinem Tod quält seine Besitzer die Frage, ob ein spezialisierter Notdienst ihn hätte retten können.
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Hund Gangster war ein besonderer Fall – mit langer Krankengeschichte. Seit seinem Tod quält seine Besitzer die Frage, ob ein spezialisierter Notdienst ihn hätte retten können.

Bulldogge Gangster hat eine lange Krankengeschichte. Seit dem Tod des Hundes quält seine Besitzer die Frage, ob ihn ein spezialisierter Notdienst hätte retten können.

Ahlen – Über viele Jahre hinweg war er ein lebenslustiger und vor allem freundlicher Hund, trotz seiner vielen körperlichen Baustellen: Die französische Bulldogge Gangster war der Liebling seiner Familie. Im vergangenen März starb der Hund an den Folgen einer Erkrankung. Was seinen Besitzern bleibt, ist die quälende Ungewissheit: Hätte der Notdienst der Klinik, in der er Patient war, ihn retten können?

Bulldogge Gangster stirbt: „Hätte der Notdienst der Klinik ihn retten können?“

Aufgrund seiner Abstammung – Bulldoggen gelten als Qualzucht – hatte er mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Trotzdem beschreibt seine Besitzerin Nina Laube Gangster als tiefenentspannten Zeitgenossen, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen ließ, gerne im Auto fuhr und Urlaube an der See genoss.

Schon als Welpe war Gangster oft krank, hatte mit immer wiederkehrender Bronchitis zu kämpfen und entwickelte mit der Zeit eine Epilepsie, die bei ihm für Wahrnehmungsstörungen sorgte. Hinzu kamen Magenprobleme, eine Schilddrüsenunterfunktion, ein Bandscheibenvorfall, ein inoperabler Kreuzbandriss und Augenprobleme. Die Liste seiner Krankheiten war schier endlos. Wenig verwunderlich also, dass er beim Tierarzt ein Dauerpatient war. Erste Anlaufstelle: die AniCura Tierklinik in Ahlen.

„Seit er neun oder zehn Jahre alt war, waren wir regelmäßig bei den Spezialisten in Ahlen und mussten leider oft wöchentlich den Notdienst in Anspruch nehmen“, sagt Nina Laube im Gespräch mit wa.de. Denn Gangster habe vor allem nachts des Öfteren mit Magenblutungen zu kämpfen gehabt. Dafür nahmen sie den rund 100 Kilometer langen Weg von ihrem Heimatort Hattingen nach Ahlen, in der Nähe von Hamm (NRW), in Kauf.

Stopp des Notdienstes: Ein Problem für Gangster und seine Familie

„Dort wurde er immer hervorragend betreut, sie konnten ihn jedes Mal stabilisieren. Es war erstaunlich, wie toll sie sich um ihn gekümmert haben. Seine Ärzte und die Physiotherapeutin in Ahlen haben es geschafft, Gangster immer wieder schmerzfrei zu bekommen, sodass er trotz allem eine gute Lebensqualität hatte“, betont sie. Ein großer Dank gebühre noch immer dem Internisten Sven Uhle, der als Spezialist in Gangsters Akte hinterlegt und im Notfall jederzeit für seine Kollegen in der Tierklinik erreichbar war.

Doch dann der Schock für die Familie: Im August 2022 gab die Tierklinik Ahlen den Klinikstatus auf und stellte nach 41 Jahren ihre Notdienstversorgung ein. Ein riesengroßes Problem für die Besitzer und ihren betagten Rüden. „Die Tierärzte in Ahlen wussten alles über ihn – welche Medikamente er verträgt, welche helfen und welche nicht. Sie hatten eine riesige Krankenakte vorliegen“, erklärt Laube.

Kein spezialisierter Notdienst: Gangster musste erlöst werden

Im März 2023 dann das Drama: Gangster ging es zunehmend schlechter. Bereits während der normalen Öffnungszeiten fuhr die Familie mit ihm dreimal nach Ahlen, zweimal zur Behandlung seiner Magenprobleme und einmal für den wöchentlichen Physiotermin des Rüden. „In der Nacht zu Samstag wurde es schlimmer und er bekam Krämpfe“, erinnert sich seine Besitzerin. „In Ahlen war niemand erreichbar. Wir haben viele Praxen und Kliniken angerufen, aber keiner in der Nähe hatte Notdienst.

Schließlich seien sie auf eine Tierarztpraxis in Essen gestoßen, die Gangster behandelte. „Sie wollten ihn direkt in der Nacht noch einschläfern, haben es aber schließlich geschafft, ihn vorerst zu stabilisieren.“ Am folgenden Tag konnte die Praxis, die auf solche Sonderfälle nicht spezialisiert war, jedoch nichts mehr für Gangster tun, außer ihn zu erlösen.

Ungewissheit: Hätte ein Spezialist ihn retten können?

Für seine Familie ist seitdem nichts mehr normal, denn die quälende Ungewissheit verfolgt sie. „Die Praxis hat alles getan, was in ihrer Macht stand. Aber wir fragen uns trotzdem, ob die Spezialisten in Ahlen mit ihrem Wissen über seine Erkrankungen etwas für ihn hätten tun können“, erklärt Laube.

„Wenn durch die Veröffentlichung unserer Geschichte auch nur einem Hund weiter geholfen werden kann und Tierärzte, die keinen Notdienst leisten möchten, zum Umdenken angeregt werden, ist Gangster nicht umsonst gestorben“, sagt die 42-Jährige. Mit der Änderung des Notdienstgesetzes in NRW könnte bald in den Kliniken auch der auf besondere Fälle spezialisierte Notdienst wieder gewährleistet werden. Ein Problem bleibt jedoch auch in der Tierarzt-Branche der anhaltende Personalmangel.

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