„Bin fast sprachlos“

Blitzeinschläge in Zeltlager: Scharfe Kritik von Jörg Kachelmann - Feuerwehr kontert

Der Meteorologe Jörg Kachelmann kritisiert, dass das Zeltlager nicht frühzeitig unterbrochen wurde.
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Der Meteorologe Jörg Kachelmann kritisiert, dass das Zeltlager nicht frühzeitig unterbrochen wurde.

Nachdem das Pfingstzeltlager der Jugendfeuerwehren im Kreis Soest von zwei Blitzen getroffen wurde, gibt es scharfe Kritik von Jörg Kachelmann. Die Feuerwehr kontert.

Soest - Nach zwei Blitzeinschlägen in das Pfingstzeltlager der Jugendfeuerwehren des Kreises Soest kamen am Sonntag 38 Menschen ins Krankenhaus. Die wichtigste Nachricht: Allen gehe es den Umständen entsprechend gut. Vier Personen befänden sich - Stand Montag, 10 Uhr - noch in stationärer Behandlung. „Doch die Aussicht, dass sie in Kürze entlassen werden, ist sehr gut“, erklärte Kevin Hoebusch als Sprecher der Feuerwehren des Kreises Soest.

Blitzeinschläge in Zeltlager: Scharfe Kritik von Jörg Kachelmann - Feuerwehr verweist auf DWD

Am späten Sonntagabend äußerte sich Jörg Kachelmann, einer der bekanntesten Meteorologen Deutschlands, zu dem Vorfall in NRW. Dabei ließ er kein gutes Haar an der Feuerwehr. Die entgegnet jedoch, dass der Deutsche Wetterdienst (DWD) grünes Licht gegeben habe. Kachelmann erklärte gegenüber unserer Redaktion: „Ich bin fast sprachlos.“ Er verwies auf eine Vorhersage seines Unternehmens „Kachelmannwetter“ von Samstagabend für den Sonntagnachmittag: „Mehr Gewitter kann man nicht haben. Es hätte gereicht, zum Himmel zu gucken und spätestens alle ab 12.30 Uhr in Sicherheit zu bringen.“

Über die Aussagen der Feuerwehr sagte er: „Keinesfalls hat sich ‚spontan eine Gewitterzelle gebildet‘, im Gegenteil hat es in Soest schon fast zwei Stunden lang gewittert, den ersten Blitz gab es um 12.14 nicht weit vom Lager.“

Kreisbrandmeister weist Kachelmann-Kritik zurück und verweist auf grünes Licht vom DWD

Diese Kritik weist Kreisbrandmeister Thomas Wienecke, der als Vorsitzender des Soester Kreisfeuerwehrverbandes gleichzeitig Veranstalter des Jugendfeuerwehr-Pfingstzeltlagers ist, entschieden zurück. Über den Ablauf der Geschehnisse sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion: „Zu dem Zeitpunkt, als die Blitze einschlugen, waren die Wettkämpfe bereits unterbrochen. Wir standen über den Einsatzleitwagen in direktem telefonischen Kontakt mit dem DWD. Der DWD hat uns explizit gesagt: Die Zelle zieht an euch vorbei, ihr werdet nichts abbekommen.“

38 Personen kamen in Krankenhäuser.

Blitzeinschläge in Feuerwehr-Zeltlager: „Plötzlich hat es zweimal stark gerumst“

Zwar habe es im Vorfeld der Blitzeinschläge „stärker geregnet“, aber: „Es gab keinen einzigen Blitz, keinen einzigen Donner in der Nähe. Da war nichts.“ Dennoch sei eine Unterbrechung und eine Räumung des Zeltlagers vorbereitet worden, weil eine weitere Zelle im Radar aufgetaucht sei. „Und plötzlich hat es zweimal direkt hintereinander stark gerumst.“ 62 der mehr als 1000 Besucher vor Ort mussten infolge der Blitzeinschläge vom Rettungsdienst untersucht werden. 38 von ihnen kamen zur weiteren Untersuchung in verschiedene Krankenhäuser in den Kreisen Soest, Unna und dem Hochsauerlandkreis. Alle Betroffenen wurden in direkt angrenzenden Geflügelställen auf dem Gelände der alten Raketenstation untergebracht.

Thomas Wienecke unterstrich: „Wir haben nicht leichtsinnig etwas übersehen oder nicht beachtet. Wir waren immer auf der Höhe. Die Aussagen von Herrn Kachelmann finde ich den Verantwortlichen gegenüber mehr als unsäglich.“

Kachelmann: „Ist rein objektiv widerlegt“

Jörg Kachelmann betonte am Montagvormittag im Telefonat mit soester-anzeiger.de: „Dass es vorher nicht geblitzt haben soll, ist rein objektiv durch das Blitzinformationssystem von Siemens widerlegt. Seit 12.15 Uhr hat es in Soest und der Umgebung immer wieder geblitzt. Das sind keine Erfindungen von mir, das ist vom Blitzüberwachungssystem so gemessen worden. Dass die Zelle sich spontan gebildet haben soll, passt ebenso wenig. Die Zelle ist von Nordwesten reingezogen. Spätestens ab 12.30 Uhr hätten alle Leute in die Geflügelhallen gemusst.“

Die Blitzkarte von Sonntag, 13.15 Uhr, zeigt zahlreiche Blitze an.

Kachelmann unterstrich: „Vorsichtsmaßnahmen dürfen nicht erst umgesetzt werden, wenn ein Blitz nur noch 100 Meter weit weg ist.“ Jeder müsse sich zudem bewusst sein, „dass Blitze nicht immer senkrecht an Ort und Stelle runtergehen“.

Das Zeltlager der Jugendfeuerwehren wurde am Montagmorgen fortgesetzt, nachdem es am Sonntag unterbrochen worden war. Eine Anfrage unserer Redaktion an den Deutschen Wetterdienst von Sonntagabend blieb bislang unbeantwortet.

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