Nach Terroranschlägen im Winter
„Bis hierhin und nicht weiter“: Wieder Stadtfest-Absage in NRW wegen Sicherheitskosten
Wieder wird ein Stadtfest abgesagt, wieder sind Sicherheitsauflagen der Grund. Die Veranstalter setzen auf die Politik und fordern zügige Maßnahmen.
Essen – Es sollte ein friedliches, fröhliches Fest werden. Doch wie schon andere NRW-Veranstaltungen zuvor, wie etwa die Kirmes in Lage, musste nun auch das Kettwiger Frühlingsfest abgesagt werden.
„Bis hierhin und nicht weiter“: Wieder NRW-Veranstaltung wegen hoher Sicherheitskosten abgesagt
Nach den Anschlägen in Magdeburg, Aschaffenburg und München sind die Auswirkungen für die kleinen und auch größeren Feste deutlich spürbar. Verschärfte Sicherheitsauflagen und damit verbundene hohe Preise machen den Veranstaltern zu schaffen. „Wir haben einen finanziellen Rahmen, der irgendwann ausgeschöpft ist“, sagt Fabian Schulte, der Vorsitzende von KettIn e.V., dem Verein, der das Frühlingsfest im Essener Stadtteil ausrichten wollte. „Da haben wir gesagt: Bis hierhin und nicht weiter.“
Am 11. Mai hätte das Frühlingsfest in der Kettwiger Innenstadt stattfinden sollen. Nach den jüngsten Gesprächen mit Behörden und Polizei sei klar gewesen, dass die finanziellen Aufwendungen nicht mehr zu stemmen seien. Auf rund 10.000 Euro extra Kosten kommt der Verein, wie Schulte im Gespräch mit wa.de erzählt. So viel Geld gehe für Absperrungen, taktische Sperren und Sicherheitskräfte drauf, heißt es in der Pressemitteilung, die der Verein KettIn mit der Absage Ende vergangener Woche herausgab.
Leidtragende sind die Händler in NRW
„Uns ist bewusst, dass Sicherheit an erster Stelle stehen muss“, teilt der Verein mit. Aber Schulte betont auch: Die Kosten wären nicht mehr umlegbar gewesen, für die Händler sei das nicht mehr bezahlbar, für den Verein alleine auch nicht. „Das würde deren Rentabilität gefährden“, sagt der Vorsitzende.
Ihn stimmt die Absage traurig, auch für die ganzen Händler sowie den Kettwiger Einzelhandel. Denn auch der Verkaufsoffene Sonntag kann nicht stattfinden. Der wäre an die Traditionsveranstaltung Frühlingsfest gebunden gewesen und darf aus rechtlichen Gründen nicht alleine durchgeführt werden.
Die Kettwiger möchten auch feiern. Der Einzelhandel hier im Stadtteil ist inhabergeführt und es ist wichtig, dass wir uns für Besucher von Nah und Fern öffnen, die am Wochenende die Möglichkeit haben, den Ort zu besuchen und zu gucken, was wir zu bieten haben.
Auf Social Media habe Schulte mitbekommen, wie entsetzt einige Kettwiger über die hohen Kosten seien. „Die finden das nicht richtig, sehen auch die Politik in der Verantwortung“, sagt er. Manche Kommentare uferten auch aus, das sei dann nicht mehr zu unterstützen. Doch an die Politik hat auch Schulte einen Appell.
Schulte: Sicherheitspaket von der Stadt, das an Vereine verliehen wird
Er spricht von sich zusammen tun, davon, dass die Stadt unterstützen müsse, die Kosten wieder in einen finanzierbaren Rahmen kommen müssten. „Ich stelle mir vor, dass die Stadt Essen sagt, wir schaffen gemeinschaftlich diese Sperren etc. an, ein Sicherheitspaket, und das stellen wir den Vereinen dann zur Verfügung, wenn die ein Stadtfest haben.“
Dazu seien er und der Verein auch schon im Gespräch mit dem Bezirksbürgermeister und den Bezirksvertretungen. Auch, weil das nächste Fest ansteht: „Wir fokussieren uns jetzt auf das Brunnenfest im September. Damit ist unser Verein damals auch entstanden“, sagt Schulte.
In einer NRW-Gemeinde musste ebenfalls ein beliebtes Event aufgrund der erhöhten Sicherheitsauflagen abgesagt werden. Dank einer kreativen Idee konnte es nun doch stattfinden – in abgewandelter Form.
Rubriklistenbild: © IMAGO / Walter Fischer
