Polizeiliche Kriminalstatistik 2023

Kriminalität in NRW gestiegen – besonders Kinder öfter tatverdächtig

Die Kriminalität in NRW hat 2023 zugenommen. Insgesamt 1,4 Millionen Straftaten wurden registriert. Zudem ist die Zahl minderjähriger Tatverdächtiger gestiegen.

Düsseldorf – „Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Kinder in Gewalt groß werden“ – Es sind eindringliche Worte, die NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) anlässlich der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2023 am Mittwoch (3. April) wählte. Dabei zeigt sich: Die Kinder- und Jugendkriminalität ist im vergangenen Jahr gestiegen.

Polizeiliche Kriminalstatistik 2023: Kinder und Jugendliche in NRW häufiger tatverdächtig

Insgesamt ist die Kinder- und Jugendkriminalität laut der PKS in 2023 um 10,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, auf nun 95.300 Fälle. Dem stehen 70.000 minderjährige Tatverdächtige gegenüber, die die Polizeibehörden aus NRW im vergangenen Jahr registriert haben. Davon waren rund 48.000 noch jugendlich, also zwischen 14 und 18 Jahre alt. Das bedeutet eine Zunahme von 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch höher ist der Anstieg bei Kindern, mit 7,4 Prozent: Rund 22.500 Mal tatverdächtige Kinder, also Menschen bis 14 Jahren, ermittelte die Polizei 2023. Bereits in den Vorjahren war die Kinderkriminalität in NRW gestiegen.

Immer wieder machen junge Menschen Schlagzeilen, weil sie schon sehr früh schlagen, treten oder gar stechen. Das spiegelt sich auch in der PKS wider, denn: Auch im Bereich der Gewaltdelikte nehmen die Vorfälle zu. „Im Bereich Gewaltkriminalität wurden knapp 3.300 tatverdächtige Kinder erfasst (+ 15,3 Prozent); bei tatverdächtigen Jugendlichen waren es rund 8.200 (+9,2 Prozent)“, heißt es in der Mitteilung des Innenministeriums.

Kinder- und Jugendkriminalität steigt – aber warum?

Prof. Dr. Dietmar Heubrock, Rechtspsychologe an der Uni Bremen, bezeichnete die Kriminalitätsentwicklung im Gespräch mit wa.de vor wenigen Wochen als „bedenklich“. Der Experte machte einen Grund für die Entwicklung aus: „Gewalt in Form von Kriegen ist wieder mehr in das öffentliche Bewusstsein gewandert“. Angesichts der jüngsten Zahlen argumentiert Reul nun ähnlich: „Die sozialen Medien tragen dazu bei, dass unsere Kinder schon früh ungefiltert Gewalt sehen“. Der Nachwuchs habe unter Corona gelitten. „Wir müssen den Begriff ‚Medienkompetenz‘ ernster nehmen. Und Eltern müssen sich mehr einmischen“. Prof. Dr. Feltes, Kriminologe an der Ruhr-Uni in Bochum, wies angesichts der Zahlen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) auch auf die verschärfte Armutssituation in Deutschland hin.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat am Mittwoch (3. April) die Polizeiliche Kriminalstatistik 2023 vorstellt. (Symbolbilder/IDZRNRW-Montage)

Kriminalität in NRW 2023 leicht angestiegen – Zunahme bei Diebstählen

Doch nicht nur bei Kindern, auch insgesamt ist die Zahl der tatverdächtigen Menschen in NRW gestiegen, auf mehr als 480.000. Das entspricht einem Anstieg um 3,9 Prozent, ausländerrechtliche Verstöße ausgenommen. Die Straftaten sind um 3,1 Prozent auf nun mehr als 1,4 Millionen gestiegen. Dem gegenüber steht die beste Aufklärungsquote der Polizei seit über 60 Jahren. Ein Überblick über die Ergebnisse der Polizeilichen Kriminalstatistik aus NRW für 2023:

  • 1.412.807 Straftaten insgesamt registriert (+3,4 Prozent)
  • 484.642 Tatverdächtige insgesamt (+3,9 Prozent)
  • 22.496 tatverdächtige Kinder (+7,4 Prozent)
  • Rund 48.000 tatverdächtige Jugendliche (+6,1 Prozent)
  • Deutlicher Anstieg bei Eigentumsdelikten: 105.300 Ladendiebstähle (+24,9 Prozent), 39.500 Taschendiebstähle (+5,9 Prozent), über 27.000 Wohnungseinbrüche (+15 Prozent)
  • 55.855 Fälle aus dem Bereich der Gewaltkriminalität (+7 Prozent), Plus 21 Prozent im Zehnjahresvergleich, 40,7 Prozent der Tatverdächtigen ohne deutschen Pass.
  • 154 Morddelikte (+35 Prozent), 42 Menschen sind getötet worden.
  • Deutlicher Anstieg bei Raubdelikten auf rund 12.600 (+12 Prozent)
  • Leichter Anstieg bei Körperverletzungsdelikten auf rund 148.600 (+4,4 Prozent)
  • Leichter Anstieg bei häuslicher Gewalt, die zur Anzeige gebracht wurde, auf nun 60.238 (+2,8 Prozent)
  • 32.463 Sexualdelikte (+3 Prozent)
  • 5.065 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern (+22,6 Prozent), 10.728 Fälle von Kinderpornografie (davon 9.101 aufgeklärt). Rund jeder sechste Tatverdächtige war unter 14 Jahre alt.
  • Zunahme der Rauschgiftdelikte auf nun 73.917 (+4,8 Prozent), Anstieg um 22,5 Prozent im Zehnjahresvergleich, 872 Drogentote (+24 Prozent)
  • 9.922 Fälle von Widerstand und Angriff gegen/auf Staatsgewalt (+3,3 Prozent, +56,3 Prozent im Zehnjahresvergleich)
  • Rückgang der Betrugsstraftaten gegen ältere Menschen auf nun 2.238 (-15,8 Prozent)
  • Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik NRW 2023

Trotz der Anstiege in nahezu allen Bereichen ist die Zunahme der Gesamtkriminalität aus Sicht von Innenminister Reul „moderat“. Besonders im Vergleich mit anderen Bundesländern stehe NRW „gut da“, so der CDU-Politiker. „Krieg und Krisen, Inflation und gestiegene Preise sowie Migration sind mitverantwortlich für die Zunahme der Straftaten. Aber unsere Polizei hält Schritt. Die beste Aufklärungsquote, die wir seit über 60 Jahren haben, ist Beweis bester Polizeiarbeit in Nordrhein-Westfalen.“ (mg, mit dpa)

Rubriklistenbild: © David Young/dpa & Loop Images/Imago

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