Unheimliche Eindrücke aus Bönen

Video zeigt Tauchgang im Hochregallager der Woolworth-Ruine

VideoBönen - Unheimlich wirkt das verlassene Woolworth-Gebäude im Gewerbegebiet ohnehin. Jetzt ist bei Youtube ein Video zu sehen, das zeigt, wie Taucher den riesigen unter Wasser stehenden Keller des Hochregallagers erkunden. Kommentare dazu schildern, was sonst noch alles in der Ruine vor sich geht.

Durch trübes Wasser gleitet der Lichtstrahl an Schaltschränken, Toilettentüren und Treppenaufgängen vorbei. Grobe Partikel schweben schimmernd durch das Bild, auf der Wasseroberfläche wabert eine schaumige Masse. Die Szene erscheint unwirklich, gespenstisch.

Leise, monotone Musik begleitet die Kamerafahrt, der Sprecher des Youtube-Videos spricht von einem Taucherparadies. Gedreht wurde es im Keller des Hochregallagers der einstigen Woolworth-Zentrale an der Edisonstraße. Dort scheinen sich noch immer etliche Besucher herumzutreiben. Ein Käufer oder Mieter für den verlassenen Komplex ist dagegen nicht in Sicht. 

Offensichtlich hält das Schild nicht alle "Besucher" ab. Das ehemalige Gebäude der Woolworth Handelskette steht seit acht Jahren leer.

Die Aussagen sind widersprüchlich: Die Polizei gibt an, in diesem Jahr bisher keinen Einsatz auf dem riesigen Firmenareal im Industriegebiet gehabt zu haben. Beobachter wollen das Gegenteil gesehen haben – nämlich Polizisten, die zum Beispiel Jugendliche daran gehindert haben, ins Gebäude zu gelangen. Auch ein Auto sei auf dem Grundstück von Beamten durchsucht worden.

„Es kommt keiner mehr auf das Gelände. Das Objekt wird 24 Stunden täglich bewacht“, gibt dagegen Sebastian Wels von der Immobilienagentur Haus Kentrop aus Hamm an. Er wurde inzwischen vom Eigentümer mit der Vermarktung des Komplexes beauftragt. Und der möchte nach wie vor lieber vermieten als verkaufen. 

Video zeigt Details aus dem Inneren 

Und dann ist da eben dieses Video, im März online gestellt von „Team Rosengarten“, einer Gruppe von Hobbyfotografen und Filmemachern, die sich offenbar auf Industriebrachen spezialisiert haben. Demnach war der Produzent des Videos erstmals 2014 im Woolworth-Lager. Er schildert ziemlich detailliert, wie es damals aussah und was sich mittlerweile verändert hat. 

Er berichtet von Kupferdieben, von Paintballern, Autotunern und risikofreudigen Jugendlichen, die sich dort herumgetrieben haben sollen. Die Feuerwehr musste 2015 mehrere Brände löschen, die offensichtlich gelegt wurden (unsere Zeitung berichtete). Das Löschwasser bildet aber nur einen kleinen Teil des „Sees“, der im Keller entstanden ist. 

Zigtausende Liter Wasser sind nach einem Rohrbruch vor sechs Jahren ins Untergeschoss geflossen, die Pumpen der Feuerwehr konnten die Massen nicht bewältigen. Vielleicht ist aber auch der überflutete Keller eine Folge von Vandalismus, deutet das Rosengarten-Mitglied an. Spuren von illegalem Treiben sind jedenfalls überall zu sehen. 

Kommentare sprechen von Gang-Kriegen und Marihuana-Plantagen

Noch dramatischer sind jedoch die Kommentare, die das Team Rosengarten für den Film „Tauchen im Hochregallager – Lost Places“ kassiert hat: „In diesem Gebäude finden so gut wie jeden Tag Gang-Kriege statt. Der Keller ist abgeschlossen, darin ist eine Marihuana-Plantage. Ich und ein Freund sind dort reingegangen. Wir haben drei Männer mit Waffen gesehen, aber wir waren sehr schnell wieder raus. Danach hörten wir Schüsse. Das hört man heute noch, wenn man sich dem Gebäude nähert“, warnt etwa ein Kommentator im Internet. 

Ob daran etwas Wahres ist, vermag kaum jemand zu sagen. Fakt ist, dass das Betreten des ehemaligen Verwaltungssitzes und Lagers äußerst gefährlich ist. Viele Bereiche sind durch Wasserschäden so marode, dass sie einsturzgefährdet sind. Der schlechte Zustand des früheren Vorzeige-Objektes ist dem Eigentümer bekannt. 

Das frühere Logistikzentrum gehört der Intown-Gruppe, ein Unternehmen mit Sitz in Berlin, das in Deutschland zahlreiche große Objekte besitzt. In die Schlagzeilen kam es im vergangenen Jahr, weil zwei seiner Immobilien mit über 820 Bewohnern aufgrund von Brandschutzmängeln zwangsweise geräumt werden mussten. Es handelt sich um ein Hochhaus in Wuppertal und den „Hannibal-Komplex“ in Dortmund. Dort sind etwa 750 Bewohner von der Räumung betroffen. 

In Bönen würde Intown laut Wels gerne aufräumen: Wenn ein geeigneter Mieter gefunden ist, will das Unternehmen gegebenenfalls als Investor auftreten. Die bestehenden Bauwerke könnten abgerissen und nach Bedarf des neuen Nutzers etwa eine neue Halle errichtet werden. Bisher habe er aber noch niemanden gefunden, dessen Vorstellungen – insbesondere in Bezug auf den Mietzins – mit denen des Eigentümers übereinstimmen, sagt Sebastian Wels. 

„Interessenten gab es einige, darunter ein namhafter, deutscher Konzern. Auch Kaufangebote gab es, teils sogar über dem Marktwert. Die passten aber nicht zu den Verkaufsvorstellungen des Eigentümers, wie der Geschäftsführer der Haus Kentrop GmbH erklärt.

Lesen Sie dazu auch: Banden schlachten Woolworth-Komplex aus

Rubriklistenbild: © Screenshot: Pinger

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare