Betrugsfall
Gutgläubig Geld geliehen: Vater und Sohn werden zu Betrugsopfern
Weil sie einer Bekannten unabhängig voneinander einen höheren Geldbetrag liehen, wurden ein Bergkamener Vater und sein Sohn zu Betrugsopfern.
Bergkamen/Kamen – Die Bekannten, Vater und Sohn aus Bergkamen, vertrauten ihr, glaubten an eine schnelle Rückzahlung, griffen tief in die Tasche und erlebten eine bitterböse Enttäuschung. Jetzt musste sich eine Lünenerin vor dem Amtsgericht in Kamen verantworten. Vorwurf: Betrug in zwei Fällen. Dort bekam die Frau eine letzte Chance.
Gutgläubig Geld geliehen: Vater und Sohn werden zu Betrugsopfern
2023 geriet die Lünenerin in finanzielle Nöte, wusste sich aber zu helfen: Zunächst sprach sie im Juli 2023 den 56-jährigen Bergkamener an, bat ihn, ihr Geld zu leihen und erklärte, dass sie das für „Geschäftliches“ benötige. Sie versprach, die 4500 Euro schnell zurückzuzahlen. Ein leeres Versprechen. Zwei Monate später wandte sie sich an den 82-jährigen Vater ihres Bekannten und lieh sich von dem weitere 6000 Euro. Das Geld, so versicherte sie, werde er binnen einer Woche zurückbekommen. Sie zahlte keinen einzigen Cent. Und, Vater und Sohn ahnten zunächst nicht, dass sie beide betroffen waren.
Ja, sie habe sich das Geld geliehen, erklärte die 36-Jährige nun im Prozess und holte dann weit aus, um ihre damalige Situation zu schildern. Nach einer schlimmen Trennung und einem Schicksalsschlag sei sie in große finanzielle Schwierigkeiten geraten. Tatsächlich habe sie eine Geschäftsidee gehabt, aber die habe sich nicht realisieren lassen. Sie habe Miete und Strom nicht mehr zahlen können, vergeblich auf Geld von ihrem Ex-Mann gehofft und irgendwann sei da nichts mehr gewesen, was sie hätte verkaufen können. „Ich bin so tief im Sumpf drin, dass ich da einfach nicht rauskomme.“
Geld geliehen: Betrug war „keine Absicht“
Als sie immer mehr ins Minus gerutscht sei und keinen Kredit von der Bank erhalten habe, habe sie die Bekannten um Geld gebeten. Aber sie habe nie vorgehabt, ihre Freunde zu betrügen. „Das war wirklich keine Absicht“, beteuerte die Beschuldigte und schob hinterher: „Ich möchte und ich werde denen ihr Geld wiedergeben.“ Und: „Es tut mir so unheimlich leid.“
Enttäuschung und Wut waren Vater und Sohn im Zeugenstand anzumerken. Der Sohn erklärte, dass er sich selbst Geld geliehen habe, um der 36-Jährigen zu helfen. „Aus Gutmütigkeit“, wie er betonte. Der Senior sprach von Hinhalten, leeren Versprechen und Lügen. Beiden war anzumerken, dass der Vertrauensbruch das Ende der Freundschaft bedeuten dürfte – selbst wenn sie ihr Geld irgendwann tatsächlich zurückbekommen sollten.
Betrugsfall: Zehn Monate Haft auf Bewährung
„Es war klar, dass sie das nicht zurückzahlen konnte – nicht in der Zeit“, fasste es der Richter zusammen. Und es sei viel Geld gewesen, das sich die Betroffenen hart erarbeitet hätten. Auch verwies er auf das Vertrauen, das die Angeklagte ausnutzte. Für sie, die zwischenzeitlich bereits eine Geldstrafe wegen Betrugs kassierte, endete der Fall mit zehn Monaten Haft auf Bewährung. Zudem wurde die Einziehung der 10 500 Euro angeordnet.
Gleich zweimal wurde ein ebenfalls aus Bergkamen stammender Mann im Herbst 2023 gewalttätig – im Streit mit seiner künftigen Ex-Frau und bei einer Weihnachtsfeier in Bönen.
Rubriklistenbild: © K. Schmitt/Fotostand/Imago