Gesundheits-Gefahr

Warmwassertemperatur runterdrehen, um Energie zu sparen? Warum das ein Fehler ist

Verbraucher suchen gezielt nach Möglichkeiten, um im Winter Energie zu sparen. Allerdings sollten Sie nicht bei der Warmwassertemperatur ansetzen.

In Deutschland gilt bereits seit Juni die Alarmstufe des Notfallplans Gas. Die Gasspeicher sind zwar trotz des Lieferstopps vonseiten Russlands zu 90 Prozent gefüllt, wie die Tagesschau berichtet, und die Versorgungssicherheit damit fürs Erste gewährleistet. Doch die Lage sei angespannt und eine Verschlechterung der Situation könne nicht ausgeschlossen werden, so die Bundesnetzagentur. Um gut durch den Winter zu kommen, müsste laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck viel Energie gespart werden.

Aber wo anfangen? Einige Verbraucher spielen offenbar mit dem Gedanken, die Warmwassertemperatur im Haus abzusenken. Allerdings ist das aus Sicht von Experten keine gute Idee: Es droht nämlich Legionellen-Gefahr.

Die Warmwassertemperatur sollte immer 60 Grad Celsius betragen.

Was sind Legionellen?

Legionellen sind Bakterien, die in geringer Anzahl ein natürlicher Bestandteil von Oberflächengewässern und dem Grundwasser sind, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert. Beim Menschen können sie unterschiedliche Krankheitsbilder, von grippeartigen Symptomen bis hin zu schweren Lungenentzündungen verursachen. Laut Robert Koch-Institut (RKI) sterben rund fünf bis neun Prozent aller Infizierten an einer Legionellose, auch bekannt als „Legionärskrankheit“. Besonders betroffen seien Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder einer bestimmten Grunderkrankung, wie zum Beispiel Diabetes mellitus.

Legionellen werden vorwiegend über zerstäubtes, vernebeltes Wasser übertragen – also beim Duschen oder Baden in etwa. Die erregerhaltigen Tröpfchen verbreiten sich in der Luft und können eingeatmet werden. Über das Trinkwasser stecken sich Menschen eher selten an, es sei denn, das Wasser gelangt beim Verschlucken versehentlich in die Lunge.

Falsche Wassertemperatur erhöht Legionellen-Gefahr

Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius bieten laut RKI ideale Wachstumsbedingungen für Legionellen. Oberhalb von 50 Grad Celsius wird das Wachstum wirksam gehemmt und oberhalb von 60 Grad Celsius sterben die Keime ab. Auch im kalten Wasser kommen Legionellen vor, allerdings vermehren sie sich unter 20 Grad nicht mehr nennenswert.

„Sorgen Sie dafür, dass das warme Wasser überall im Leitungssystem immer eine Temperatur von mindestens 55 Grad Celsius hat. Nur so kann Legionellenwachstum sicher vermieden werden. Gesundheitlich riskant wäre es, hier Energie zu sparen“, empfiehlt das Umweltbundesamt (UBA) daher. Noch besser: Wasser sollte auf 60 Grad erhitzt worden sein, wenn es warm aus der Leitung kommen soll, wie der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) und das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Bayern (LGL) informieren. Aufgrund eines Verbrühschutzes ist die Wassertemperatur bei Wasser aus der Leitung trotzdem immer niedriger.

Achtung: An diesen Stellen in der Wohnung wimmelt es nur so vor Keimen

Die Wasserhähne und Spülbecken – sowohl in Küche als auch im Bad – werden beim Reinigen gerne vernachlässigt. So bietet sich der perfekte Nährboden für Hefe- und Schimmelpilze. E.coli Bakterien fühlen sich hier genauso wohl. Vergessen Sie also nicht, diese Bereiche regelmäßig zu putzen.
Jeder weiß: Auf den Türklinken wimmelt es nur so von Keimen und Bakterien – vor allem zu Grippezeiten. Deshalb immer schön sauber halten!
Auch die Kaffeemaschine bekommt täglich ihren Einsatz – und doch reinigen wir nur selten den Wassertank. Doch gerade hier bilden sich gerne Hefe- und Schimmelpilze, die sich über die Schläuche in der Maschine verteilen und somit auch in unserem geliebten Heißgetränk landen. Reinigen Sie ihn deshalb einmal wöchentlich mit Essig.
Der Kühlschrank kann ebenfalls zur Brutstätte von Bakterien werden: Achten Sie deshalb darauf, dass die Temperatur richtig eingestellt ist. Diese sollte circa sieben Grad Celsius betragen. Ist sie höher als acht Grad, können sich gefährliche Mikroorganismen rasant vermehren. Diese sind schuld an Magen-Darm-Erkrankungen oder Allergien.
Achtung: An diesen Stellen in der Wohnung wimmelt es nur so vor Keimen

Wird die Warmwassertemperatur im Haus überprüft?

In der Trinkwasserverordnung des Bundes regelt der Gesetzgeber, wie das Wasser beschaffen sein soll. Bei Großanlagen und öffentlichen Gebäuden sowie Anlagen zu gewerblichen Zwecken kommt es regelmäßig zur Untersuchung von Wasserproben. Zu Großanlagen gehören auch Gebäude, in denen mehr als drei Familien leben. Bei einer bestimmten Konzentration von Legionellen wird das Gesundheitsamt eingeschaltet. Bei Ein- oder Zweifamilienhäusern gibt es keine verpflichtende Überprüfungsintervalle. Verantwortlich für die korrekte Warmwassertemperatur ist der Eigentümer.

Wasserhähne sollten immer in Gebrauch sein

Verbraucher sollten nicht den Fehler machen, Gas zu sparen, indem sie in manchen Räumen den Wasserhahn gar nicht mehr aufdrehen. Das kann dazu führen, dass in den Leitungen ein Wasserstillstand auftritt, der das ganze Wassersystem im Haus verunreinigen kann. Wenn ein Wasseranschluss gar nicht mehr genutzt werden soll, muss dieser fachkundig vom Wassersystem getrennt werden.

Rubriklistenbild: © Wedel/Kirchner-Media/Imago

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