Vom Unkraut zum Superfood

Hühner wollen keine Brennnesseln fressen? Community teilt ihre 7 Geheim-Tipps

Ein Hahn und Hühner grasen auf einer Wiese und fressen.
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Hühner sind von Natur aus Allesfresser. Frische Brennnesseln mögen viele aber nicht. Doch es gibt Tricks, sie zu überlisten. (Symbolbild)

Viele Hühner rühren frische Brennnesseln nicht an. Dabei ist sie eine der besten natürlichen Futterergänzungen überhaupt. Wir zeigen, mit welchen Tricks daraus ein gefragter Snack wird.

Wer im Garten oder am Wegesrand Brennnesseln wachsen sieht, denkt meist an Handschuhe und Sense. Für Hühnerhalter lohnt sich jedoch ein zweiter Blick: Die Brennnessel (Urtica dioica) gilt seit Generationen als eine der wertvollsten Futterergänzungen für Geflügel – reich an Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen, und dabei vollkommen kostenlos zu haben.

Was die Brennnessel so wertvoll macht

Brennnesseln liefern eine ungewöhnlich dichte Nährstoffkombination:

  • Eiweiß und Aminosäuren – wichtig für Muskelaufbau, Wachstum und vor allem für die Bildung von Federn
  • Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium, Kalzium, Kalium, Phosphor und Silizium – Silizium unterstützt die Bildung von Krallen und Schnabel, Kupfer sorgt für elastische Blutgefäße.
  • Farbstoffe im Blattgrün, die für eine intensivere Färbung des Eidotters sorgen und bei Hühnern mit gelben Läufen (z. B. Leghorn) einen kräftigeren Farbton der Beine bewirken
  • Bitter- und Gerbstoffe, die die Verdauungsdrüsen in Magen, Darm, Leber und Gallenblase anregen und so die Verdauung insgesamt unterstützen

Diese Kombination macht die Brennnessel besonders in Lebensphasen interessant, in denen Hühner erhöhten Bedarf haben: während der Mauser, in der Legezeit und bei der Kükenaufzucht. In der Mauser etwa ist sie eine echte Unterstützung für die Federbildung, weil die enthaltenen Aminosäuren genau die Bausteine liefern, die für neues Gefieder gebraucht werden. Auch Brennnesselsamen haben einen guten Ruf: Ihnen wird nachgesagt, dass sie die Legetätigkeit fördern, das Eigewicht erhöhen und im Winter die Legeleistung stärken können.

Gilt das besonders im Sommer?

Ja – aus mehreren Gründen ist die Brennnessel gerade in der warmen Jahreszeit ein sinnvoller Futterzusatz:

1. Appetitanregung an heißen Tagen. Bei Hitze fressen Hühner generell weniger feste Nahrung, da sie ihre Energie in die Kühlung des Körpers stecken. Frisches, saftiges Grün wie Brennnessel kann hier für mehr Appetit sorgen und hilft, dass die Tiere trotz Hitze ausreichend Nährstoffe aufnehmen..

2. Der ideale Erntezeitpunkt. Im Frühsommer sind die jungen Triebe und Spitzen der Brennnessel am zartesten und nährstoffreichsten – genau die Teile, die sich am besten zur Fütterung eignen. Gegen den Herbst hin verholzt der Stängel im unteren Bereich, weshalb dann nur noch die oberen, weichen Triebe mit Blattwerk verfüttert werden sollten.

3. Vorräte für später anlegen. Der Sommer ist die beste Zeit, um Brennnesseln zu ernten und zu trocknen – idealerweise inklusive der reifen Samen, die im Spätsommer ausgebildet werden. So hat man auch im Winter, wenn kein frisches Grün wächst, einen wertvollen Vorrat parat, der die Legeleistung unterstützen kann.

Kurz gesagt: Im Sommer trifft der höchste Nährwert der Pflanze auf den größten Bedarf der Hühner an appetitanregendem, leicht verdaulichem Futter – eine doppelte Gelegenheit, die man nutzen sollte.

Brennnessel als wertvolle Nahrungsergänzung

Trotz aller Vorteile gilt: Brennnessel ist eine Ergänzung, kein Hauptfutter. Zu große Mengen können durch die enthaltenen Gerbstoffe die Verdauung belasten. Eine moderate Beigabe zum Hauptfutter – etwa ein- bis mehrmals wöchentlich als Portion – reicht völlig aus.

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Ein Huhn läuft durch einen Garten.
Ein Huhn läuft frei auf einer Wiese herum.
Ein Seidenhuhn steht auf der Wiese.
Schwarzes Cochin Huhn läuft über eine Wiese.
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Das Problem: Frische Brennnessel wird oft verschmäht

Viele Hühnerhalter machen die Erfahrung, dass ihre Tiere frisch gepflückte, unbehandelte Brennnesseln im Gehege einfach stehen lassen – selbst wenn die Pflanzen jung und zart sind. Der Grund liegt auf der Hand: Die Brennhaare der Pflanze sind ein wirksamer natürlicher Fraßschutz, der Hühner ebenso reizt wie uns Menschen. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Zubereitung lässt sich dieses Problem fast immer lösen.

In der Community wird ebenfalls viel diskutiert, wie man Brennnesseln für Hühner schmackhafter macht. In Foren sowie auf Social Media geben User ihre Tipps. Auf Instagram finden sich unter einem Video der wiesenhennen hilfreiche Vorschläge, wie man das gesunde Gewächs ins Futter untermogeln kann. Eine Userin empfiehlt: „Den Küken schon zusammen mit hart gekochtem Ei servieren, dann gewöhnen sie sich daran. Später kann man sie ins Mash/Weichfutter mixen. Die Samenstände zupfen meine sogar selbst von den Pflanzen ab.“ Eine weitere meint: „Ich überliste meine Hühner, indem ich die Brennnessel sehr fein hacke. Dieses vermische ich dann mit weiteren Kräutern, und Gewürzen und hebe das zum Schluss mit fermentiertem Getreide/frisch geriebenen Möhren oder anderem Gemüse unter.“ Eine andere teilt abschließend ein altbekanntes Rezept in der Hühneraufzucht: „Ich hacke Brennnesseln zusammen mit anderen Wildkräutern und Knoblauch fein. Das Ganze mische ich mit Haferflocken, Joghurt und manchmal Chilischote. Meine Hühner sind ganz verrückt danach.“

7 Tipps, wie Hühner doch noch Brennnesseln fressen

  1. Anwelken lassen: Frisch geschnittene Brennnesseln mit Wasser aus einem Besprüher befeuchten, bevor sie ins Gehege kommen. Dadurch verlieren die Brennhaare ihre reizende Wirkung deutlich, die Pflanze wird weicher und von den Hühnern wird sie spürbar lieber angenommen.
  2. Klein schneiden oder hacken: Stängel und Blätter fein schneiden, bevor sie verfüttert werden – je jünger die Tiere, desto feiner sollte der Schnitt ausfallen. Beim Schneiden am besten Handschuhe tragen, um sich selbst nicht an den Brennhaaren zu verbrennen.
  3. Quetschen oder mit dem Nudelholz walzen: Bei größeren Pflanzen hilft es, mehrmals fest mit einem Nudelholz über die Brennnesseln zu rollen. Das zerstört die Brennhaare mechanisch und macht die Pflanze sofort bekömmlicher.
  4. Mit dem Mixer/Multiplexer pürieren: Eine schnelle Methode, um größere Mengen auf einmal zu verarbeiten: die kompletten Pflanzen durch den Mixer oder Multiplexer jagen und direkt unters Futter mischen. Das funktioniert auch gut für Vorräte, die anschließend getrocknet werden.
  5. Trocknen und zerkleinern: Getrocknete Brennnessel lässt sich genauso gut verwenden wie frische, ist aber unkompliziert zu lagern. Für Ganzpflanzen im Schatten trocknen, dabei möglichst wenig von den wertvollen Samen verlieren. Die trockenen Blätter können anschließend wie Pulver zerrieben und einfach übers normale Futter gestreut werden.
  6. Unter das Weichfutter mischen. Ob frisch (angewelkt und geschnitten) oder getrocknet und zerkleinert – am zuverlässigsten wird die Brennnessel angenommen, wenn sie nicht pur, sondern klein geschnitten unter eine Mahlzeit aus Körnerfutter, Gemüseresten, anderen Kräutern oder Quark gemischt wird. So fällt sie den Hühnern weniger als „fremdes“ Futter auf und wird automatisch mitgefressen.
  7. Die richtigen Pflanzenteile wählen. Junge Triebspitzen sind zarter und werden lieber angenommen als ältere, verholzte Stängel. Im Frühsommer kann man die ganze Pflanze bodennah abschneiden, später im Jahr lieber nur die weichen oberen Triebe ernten.

Brennnessel: Lästiges Unkraut ist Nährstoffbombe für Hühner

Die Brennnessel ist weit mehr als lästiges Unkraut – sie ist eine nährstoffreiche, kostenlose Futterergänzung, die Hühnern bei Verdauung, Federbildung und Eiqualität hilft. Im Sommer kommt ihr eine doppelte Bedeutung zu: Sie liefert appetitanregendes Grün an heißen Tagen und lässt sich zugleich in bester Qualität ernten und für den Winter vorbereiten. Wichtig für den Erfolg am Futternapf ist vordergründig die Zubereitung: Angewelkt, klein geschnitten oder getrocknet und unters Futter gemischt, verliert die Brennnessel ihren Schrecken – und wird von den meisten Hühnern gern gefressen.

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