Zugvögel gehen viral
Hühner in der S-Bahn ausgesetzt – „War sicherlich stressig für die Tiere“
Drei Hühner sorgten kürzlich für mediales Aufsehen. Unbekannte hatten das Federvieh in der Kölner S-Bahn ausgesetzt. Unser Experte schätzt ein, was das für die Tiere bedeutet.
Da staunten die Mitarbeiter der S-Bahnlinie 6 von Essen nach Köln nicht schlecht, als sie am Ende der Fahrt drei Hühner in einem erste Klasse-Abteil vorfanden. Unbekannte hatten das Abteil mit Stroh ausgelegt und kurzerhand zum Hühnerstall umfunktioniert. Die Tierrettung der Feuerwehr brachte die Hühner ins Tierheim Zollstock. „Den dreien geht’s blendend“, versichern Feuerwehr und Tierheim auf Instagram.
Hühner in der S-Bahn gehen viral
Auf Social Media ging die Story viral und sorgte für viel Aufsehen und humoristische Kommentare. Doch ganz ohne Konsequenzen wird die Aktion wohl nicht bleiben. Die Bundespolizei ermittelt wegen Verunreinigung der Bahnanlagen. Die Tierrechtsorganisation Peta spricht von Tierquälerei und hat eine Belohnung von 500 Euro für Hinweise ausgesetzt. Denn das Aussetzen von Tieren sei laut Tierschutzgesetz verboten.
Doch wie schlimm war die Bahnfahrt tatsächlich für die drei Hühner? Wolfgang Herzog von der Equovis GmbH ist Experte für Federvieh. Gegenüber Landtiere.de sagt er: „Die Fahrt war sicherlich stressig für die Tiere. Hühner sind es gewohnt, auf festem Untergrund zu stehen. Das Gewackel der Bahn müssen sie ausgleichen.“ Hinzu komme der dauerhaft hohe Geräuschpegel während einer Fahrt mit der S-Bahn. „Das sind sie auch nicht gewohnt“, so der Experte.
Zugabteil ist nicht artgerecht für Hühner
Wie stressig die Aktion für die drei Hühner war, ist auch davon abhängig, ob die Tiere sich vorher schon kannten. Tiere, die sich nicht kennen, müssen zunächst die Rangordnung ausdiskutieren. Ein weiterer Stressfaktor. Jedoch: Das Zugabteil an sich ist nicht die schlechteste Stall-Alternative, meint Wolfgang Herzog: „Es ist groß genug und hat mit den Sitzbänken auch eine zweite Ebene zum Ausweichen. Auf den Stoffbezügen der Bänke finden die Krallen guten Halt.“ Doch der Hühnerexperte macht klar: „Ein Zugabteil ist natürlich keine artgerechte Unterbringung für ein Huhn.“
Die drei Hühner aus der S-Bahn warten nun im Tierheim darauf, dass sich ihr Besitzer meldet. Passiert das nicht, suchen sie ein neues Zuhause. Im Prinzip darf jeder, der einen Garten hat, dort Hühner halten. Jedoch muss man einige Vorgaben einhalten.
Hühner im eigenen Garten halten: Das brauchen die Tiere
🐔Einen Stall mit Sitzstangen, Legenestern und Einstreu, zum Beispiel Dinkeleinstreu
🐔 Einen eingezäunten Auslauf zum Picken und Scharren
🐔 Artgenossen: mindestens drei Tiere sollten es sein, besser fünf bis zwölf
🐔 Regelmäßige Impfungen
🐔 Hochwertiges Futter, zum Beispiel von GoldDott
Mobile Hühnerställe auch ohne Genehmigung
Neben einem ausreichend großen Stall, in den die Hühner sich nachts zum Schlafen zurückziehen können und vor Fressfeinden geschützt sind, freuen sie sich über einen eingezäunten Auslauf, in dem sie nach Herzenslust scharren und herumpicken können. Der Stall muss raubtiersicher und eingestreut sein sowie genug erhöhte Sitzstangen zum Schlafen und Nester zum Eierlegen haben. Diese zehn Anfängerfehler in der Hühnerhaltung sollte man vermeiden.
Was die Größe des Stalls angeht, gibt der Gesetzgeber einen Quadratmeter für sechs Hühner vor. Die Initiative Rettet das Huhn empfiehlt maximal drei Hühner auf einem Quadratmeter. Für einen mobilen Hühnerstall braucht man keine Baugenehmigung, da Hühner wie Kaninchen oder Meerschweinchen als Kleintiere gelten. Wer einen festen Stall bauen möchte, sollte sich vorab beim zuständigen Bauamt informieren. Außerdem muss jedes Huhn dem Veterinäramt und der Tierseuchenkasse gemeldet werden.
Gegacker am Gartenzaun: Das Okay der Nachbarn holen
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Es ist ratsam, auch die Nachbarn über eine geplante Hühnerhaltung zu informieren. Vor allem krähende Hähne können für Unruhe in der Nachbarschaft sorgen. Laut der Organisation ProVieh gibt es sogar Gerichtsurteile, die festlegen, wann und wie laut Hähne in Wohngebieten krähen dürfen. Aber auch Geruch und Gegacker können für Ärger am Gartenzaun sorgen. Nicht zuletzt brauchen Hühner gutes, artgerechtes Hühnerfutter sowie eine regelmäßige tiermedizinische Versorgung und Impfungen, zum Beispiel gegen die Newcastle-Krankheit.
Unser Experte
Wolfgang Herzog ist Hühnerexperte bei der Equovis GmbH. Er hat selbst eine kleine private Hühnerhaltung und berät Interessierte bei allen Fragen zu Hühnerhaltung und -fütterung. Mehr Infos finden Sie hier.