Internationaler Genuss

Gedämpft, frittiert, gebacken: Wie die Welt ihre Teigtaschen auf den Tisch bringt

Pierogi mit Kartoffel-Käse-Füllung: So einfach macht man die polnischen Teigtaschen selbst
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Piroggen gehören zur polnischen Seele wie kaum ein anderes Gericht. Ihr weicher Weizenteig wird mit Kartoffeln und Quark, Sauerkraut mit Pilzen oder Fleisch gefüllt. Gekocht und dann in Butter leicht angebraten bekommen sie eine goldene Note.
Spezialitat: Pelmeni.
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Pelmeni sind das russische Alltagsgericht schlechthin. Sie haben ihre Wurzeln in Sibirien. Der schlichte Teig aus Mehl, Eiern und Wasser umschließt eine fein gewürzte Füllung aus Rind- oder Schweinehack. Traditionell werden sie in Salzwasser gekocht und mit saurer Sahne serviert, manchmal auch mit Butter und frischem Dill.
Gekochte Maultaschen mit Kartoffel (Wareniki)
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Wareniki sind in der Ukraine und in großen Teilen Osteuropas zuhause. Ihr Teig ähnelt dem der Pelmeni, ist aber oft etwas weicher und dicker. Gefüllt werden sie herzhaft mit Kartoffelstampf, Sauerkraut oder Quark, je nach Region auch mit Pilzen oder Fleisch. Gekocht und mit saurer Sahne serviert sind sie eines der definierenden Gerichte der ukrainischen Alltagsküche.
Delicious fried chebureki with cheese, parsley and ingredients served on grey wooden table Tscheburek
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Tscheburek (auch Chebureki genannt) kommen aus der tatarischen Küche und sind heute in Russland, der Ukraine und den Ländern des Kaukasus allgegenwärtiges Streetfood. Der dünne Weizenteig wird halbmondförmig um eine saftige Füllung aus gewürztem Lammhack gefaltet und dann in Öl frittiert. Das Ergebnis ist knusprig, fettig und wunderbar würzig.
 Buuza is a Buryat or Mongolian national dish, paste packets stuffed with minced meat and then steam Buuz sind mongolische Teigtaschen
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Buuz sind mongolische Teigtaschen aus einfachem Weizenteig, die gedämpft werden und dadurch weich und saftig bleiben. Die Füllung besteht aus grobem Lammhack oder Rindfleisch mit Zwiebeln und Salz, manchmal mit etwas Knoblauch oder Kümmel gewürzt. Sie sind untrennbar mit dem mongolischen Neujahrsfest Tsagaan Sar verbunden, an dem sie in großen Mengen zubereitet und mit der Familie gegessen werden – je nach Haushalt kommen dabei mehrere Hundert Stück auf den Tisch.
Kreplach sind Teigtaschen aus der aschkenasischen jüdischen Küche. Die klassische Füllung besteht aus Rinder- oder Kalbsleber.
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Kreplach sind Teigtaschen aus der aschkenasischen jüdischen Küche, deren Teig aus Mehl, Eiern und Wasser bereitet und dünn ausgerollt wird. Die klassische Füllung besteht aus einer Leberfarce: Rinder- oder Kalbsleber wird mit Zwiebeln in Geflügelfett angebraten, mit hartgekochtem Ei durch den Wolf gedreht und mit Salz, Pfeffer und Knoblauch gewürzt. Gegessen werden sie traditionell zu jüdischen Festtagen – je nach Anlass in Hühnerbrühe serviert oder kurz in Öl angebraten.
Selbstgemachte Ravioli mit Ricotta-Füllung (Beispielbild)
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Ravioli sind in Italien so vielfältig wie die Regionen, aus denen sie stammen. Der Teig aus Hartweizengrieß oder Weizenmehl und Eiern wird quadratisch oder rund ausgestochen und mit Ricotta und Spinat, Kürbis, Fleisch oder Trüffel gefüllt.
Frische Tortellini auf einem Holzbrett, vor dem Kochen.
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Tortellini kommen aus der italiensichen Region Emilia-Romagna, genauer gesagt aus dem jahrhundertealten Rivalitätsverhältnis zwischen Bologna und Modena – beide Städte beanspruchen die Erfindung für sich. Der Legende nach soll ein Wirt die Form der Teigtasche dem Bauchnabel der Göttin Venus nachempfunden haben, die er durch ein Schlüsselloch beobachtete. Der Teig wird hauchdünn ausgerollt, die Füllung aus Schweinefleisch, Mortadella und Parmesan eingeschlossen und jede Teigtasche von Hand zu einem Ring geformt. In klarer Rindsbrühe serviert sind Tortellini das klassische Festtagsgericht der Region.
Maultaschen schwäbische Spezialität
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Maultaschen stammen aus Schwaben und sind die bekannteste Teigtasche im deutschsprachigen Raum. Der Nudelteig aus Mehl und Eiern wird mit einer Mischung aus Hackfleisch, Spinat, eingeweichtem Brot und Zwiebeln gefüllt. Sie schmecken in heißer Fleischbrühe ebenso gut wie kalt mit Essig und Öl oder in der Pfanne angebraten mit geschmorten Zwiebeln.
Mantı gefüllte türkische Teigtaschen.
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Manti sind in der Türkei, Zentralasien und im Kaukasus weit verbreitet und gelten als eine der ältesten Teigtaschentraditionen überhaupt. Der Teig wird aus Hartweizenmehl und Eiern bereitet, die winzigen Taschen mit gewürztem Lamm- oder Rinderhack gefüllt. In der Türkei kommen sie mit Joghurt, geschmolzener Butter und Paprikaöl auf den Tisch.
  • Nadja Spielvogel
    VonNadja Spielvogel
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Von Shanghai bis Seoul, von Lima bis Litauen: Die Welt liebt Teigtaschen. Welche Varianten es gibt und was sie so besonders macht.

Teigtaschen sind überall auf der Welt Zuhause

Teig, Füllung, fertig – so simpel klingt das Prinzip, das Menschen auf jedem Kontinent unabhängig voneinander entwickelt haben. Ob in einer sibirischen Dampfküche, einer Shanghaier Garküche oder einer Hausküche in Krakau: Irgendwann kam jemand auf die Idee, Teig zu füllen, zu falten und zu verschließen. Und seitdem hat sich diese Idee weltweit verbreitet.

Was auf den ersten Blick wie kulinarischer Zufall wirkt, folgt einem gemeinsamen Gedanken: Teigtaschen sind eine universelle Antwort auf dieselbe Frage – wie bewahrt man Fleisch, Gemüse oder Gewürze so, dass sie beim Transport oder beim Kochen erhalten bleiben und satt machen? Die Antwort war überall auf der Welt dieselbe, nur der Teig, die Technik und die Füllung unterschieden sich.

Hauchdünn oder handwerklich robust

Die Unterschiede sind dabei oft größer, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Manche Teigtaschen bestehen aus hauchdünnem Reismehlteig, der nach dem Dämpfen halb durchsichtig wird. Andere haben eine dicke, robuste Hülle aus Mürbeteig, die ursprünglich als Behälter für Arbeiter gedacht war, nicht als Genuss. Wieder andere leben davon, dass im Inneren beim Garen eine Brühe entsteht, die erst beim ersten Bissen freigesetzt wird. Gedämpft, gekocht, frittiert oder gebacken – die Garmethode verändert nicht nur die Textur, sondern den gesamten Charakter eines Gerichts.

Aus Großmutters Küche: Diese Gerichte mag kaum noch jemand

Gebackene Rinderzunge auf Holzbrett
Basler Mehlsuppe.
Homemade brawn with salt, spices, herbs and vegetables sülze aspik schweinskopfsülze
Ein Top-Down-Foto einer rustikalen, dampfenden Graupensuppe in einer tiefen, weißen Schale. Die Suppe ist mit frischer Petersilie garniert, daneben ein Esslöffel und frisches Gemüse, wie Kartoffeln und Zwiebel.
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Wenn Teigtaschen Feste markieren

Viele Varianten sind tief in Festtagstraditionen verankert. Kreplach erscheinen im jüdischen Festkalender gleich an mehreren Feiertagen, Buuz gehören zum mongolischen Neujahrsfest Tsagaan Sar, Jiaozi stehen in China traditionell zu Neujahr auf dem Tisch. Teigtaschen markieren Übergänge – zwischen Jahreszeiten, zwischen Alltag und Fest, zwischen Generationen, die dasselbe Rezept weitergeben. Das Falten selbst ist in vielen Kulturen ein gemeinschaftlicher Akt, bei dem Familien zusammenkommen und Hunderte von Teigtaschen in einem Zug produzieren.

Selbst ausprobieren

Wer nach dem Stöbern selbst in die Küche möchte: Die tatarischen Chebureki nach authentischem Familienrezept sind ein guter Einstieg in die osteuropäische Teigtaschenküche. Wer es lieber ohne Fleisch mag, findet in den vegetarischen Pierogi mit Kartoffel-Käse-Füllung ein unkompliziertes Rezept mit viel Geschmack. Und für einen schnellen Abend nach der Arbeit lohnt sich ein Blick auf den Gyoza-Auflauf, der aus wenigen Zutaten etwas Überraschendes macht.

Rubriklistenbild: © IMAGO

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