Gegenwartsroman

Deutscher Buchpreis 2023 geht an Tonio Schachinger für „Echtzeitalter“

Für seinen Roman „Echtzeitalter“ erhält der österreichische Schriftsteller Tonio Schachinger den Deutschen Buchpreis 2023.

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Für den Rowohlt-Verlag läuft es gerade sehr gut. Anfang Oktober wurde der Rowohlt-Autor Jon Fosse mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Nun geht es mit der Auszeichnung des Deutschen Buchpreises 2023 weiter. Der Roman „Echtzeitalter“ des österreichischen Schriftstellers Tonio Schachinger gewinnt den mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis 2023. Er konnte sich mit seinem Gegenwartsroman gegen fünf weitere Finalisten durchsetzen.

Tonio Schachicher „Echtzeitalter“: Darum geht es im Buch

Tonio Schachinger gewinnt mit seinem Roman „Echtzeitalter“ den Deutschen Buchpreis 2023.

Tonio Schachinger berichtet von seiner Jugend, die von Gaming und dem Lesen von Klassikern geprägt war. Es geht um die Sehnsucht nach Freiheit, die sich gegen vehement verteidigte Traditionen beweisen muss. Gleichzeitig erzählt er von unvorhersehbaren Ereignissen, die nicht nur die Abschlussklasse 2020 vor noch nie dagewesene Herausforderungen stellen.

Ein elitäres Wiener Internat, untergebracht in der ehemaligen Sommerresidenz der Habsburger, der Klassenlehrer ein antiquierter und despotischer Mann. Was lässt sich hier fürs Leben lernen? Till Kokorda kann weder mit dem Kanon noch mit dem snobistischen Umfeld viel anfangen. Seine Leidenschaft sind Computerspiele, konkret: das Echtzeit-Strategiespiel Age of Empires 2. Ohne dass jemand aus seiner Umgebung davon wüsste, ist er mit fünfzehn eine Online-Berühmtheit, der jüngste Top-10-Spieler der Welt. Nur: Wie real ist so ein Glück?

Klappentext/Rowohlt

Die Wendungen des Romans kommen überraschend. Immer wieder blitzt der Humor des Autors zwischen den Zeilen hervor. Dies zusammengenommen machen den Roman zu einem großen Gesellschaftsroman mit einer zeitlosen Geschichte. Tonio Schachinger erreichte mit seinem Debütroman „Nicht wie ihr“ auch schon einen Platz auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Die 20 nominierten Romane des Deutschen Buchpreises 2023 in der Übersicht

Cover zu „Drifter“ von Ulrike Sterblich
Cover zu „Südstern“ von Tim Staffel
Cover zu „Monde vor der Landung“ von Clemens J. Setz
Cover zu „Maman“ von Sylvie Schenk
Die 20 nominierten Romane des Deutschen Buchpreises 2023 in der Übersicht

Die Jury hatte in diesem Jahr 172 Titel aus 111 Verlagen sichtet, gegenüber 233 Titeln in 2022. Der Deutsche Buchpreis wird von der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung vergeben. Der Finalist gewinnt 25.000 Euro, die weiteren fünf Shortlist-Autoren jeweils 2.500 Euro.

Begründung der Jury

Auf den ersten Blick ist Tonio Schachingers „Echtzeitalter“ ein Schulroman. Auf den zweiten viel mehr als das: ein Gesellschaftsroman, der das Aufwachsen seines Helden Till an einer Wiener Eliteeinrichtung beschreibt, an der die künftigen Leistungsträger*innen mit reaktionärem Drill und bildungsbürgerlichen Idealen aufs Leben vorbereitet werden. Aus dieser repressiven Umgebung, verkörpert durch den mephistophelischen Lehrer Dolinar, flüchtet sich Till in die Welt des Gaming. Mit feinsinniger Ironie spiegelt Schachinger die politischen und sozialen Verhältnisse der Gegenwart: Aus gebildeten Zöglingen spricht die rohe Gewalt. Die Welt der Computerspiele bietet einen Ort der Fantasie und Freiheit. Auf erzählerisch herausragende und zeitgemäße Weise behandelt der Text die Frage nach dem gesellschaftlichen Ort der Literatur.

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Dies waren die Titel der Shortlist zum Deutschen Buchpreis

  • Terézia Mora: „Muna oder Die Hälfte des Lebens“ (Luchterhand Literaturverlag, erschienen im August 2023)
  • Necati Öziri: „Vatermal“ (Claassen, Juli 2023)
  • Anne Rabe: „Die Möglichkeit von Glück“ (Klett-Cotta, März 2023)
  • Tonio Schachinger: „Echtzeitalter“ (Rowohlt Verlag, März 2023)
  • Sylvie Schenk: „Maman“ (Carl Hanser Verlag, Februar 2023)
  • Ulrike Sterblich: „Drifter“ (Rowohlt Hundert Augen, Juli 2023

Schaut man sich die Shortlist des Deutschen Buchpreises an, hätte es Bücher gegeben, die mehr „gesellschaftlichen Widerhall erzeugt hätten“, so der Spiegel. Beispielsweise hätte Anne Rabes „Die Möglichkeit von Glück“ die Debatte über die Sicht auf die DDR weitergeführt oder „Vatermal“ von Necati Öziri, die mehr als komplizierte Identitätsfindung eines in Deutschland geborenen Jungen mit türkischen Wurzeln erzählt. Doch soll, so heißt es, der Deutsche Buchpreis Bestseller machen. Dies könnte mit „Echtzeitalter“ gelingen.

Tonio Schachinger „Echtzeitalter“

2023 Rowohlt, ISBN-13 978-3-498-00317-3

Preis: Hardcover 24 €, E-Book 19,99 €, 386 Seiten (abweichend vom Format)

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Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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