Sicherheitsdienst abgesprungen
„Schlimm wie nie“: Parkhaus unterm Kino bleibt Brennpunkt
Kurzzeitig hatte es so ausgesehen, als würde sich die Situation im Parkhaus unter dem Cinemaxx-Kino in Hamm entspannen. Doch aktuell ist eher das Gegenteil der Fall.
Hamm – Ungebetene Gäste gehen in der Tiefgarage am Chattanoogaplatz weiterhin Geschäften jeglicher Art nach. „Die Zustände sind so schlimm wie nie zuvor“, sagen Dauerparker, die den Schmuddel-Ort seit Jahren ertragen. Einen nächtlichen Sicherheitsdienst gibt es aktuell nicht (siehe Infos weiter unten).
Guido Heymann, Regionalleiter von Saba Park Deutschland, widerspricht dieser Einschätzung nicht. Saba Park bewirtschaftet das Parkhaus seit Ende 2020. Das Unternehmen war unter anderem angetreten mit dem Ziel, die Garage von ihrem schlechten Image zu befreien. Das ist trotz einiger Anstrengungen bisher nicht gelungen.
Wir wissen nicht, woher all die Leute kommen, die sich hier breit machen.
Zum Jahresende 2021 wollte Saba Park Bilanz ziehen, ob sich das Parkhaus wirtschaftlich betreiben lässt. „Damals hatte sich die Lage beruhigt“, sagt Carl-Philipp Rose, Vorgänger von Heymann und bis Ende 2021 zuständig für das Haus. Saba entschied sich fürs Weitermachen.
Situation zugespitzt, Ursachen vielschichtig
War das eine gute Idee? „Die Situation hat sich zugespitzt“, sagen Rose und Heymann heute übereinstimmend. „Wir wissen nicht, woher all die Leute kommen, die sich hier breit machen.“ Rose meint, dass es mehr geworden sind, die das Parkhaus zu ihrem Übernachtungsdomizil machen. „Wir leisten hier mehr, als unsere vertraglichen Auflagen verlangen“, sagt Heymann. Heißt: Neben Parkbetrieb und normaler Reinigung setzen sie regelmäßig ungebetene Gäste vor die Tür. Sicherheitsmaßnahmen halten Unbefugte nicht davon ab, in das Objekt einzudringen. Daran ändern weder gesicherte Notausgänge noch Absperrgitter etwas.
Die Ursachen für die Situation sind vielschichtig:
- Wohnungslose: Die Zahl steigt in Hamm seit Jahren. Die Notunterkunft liegt abseits der Innenstadt und wird von manchem abgelehnt oder nicht erreicht.
- Rolltore: Die Rolltore, die zum Jahresende in Betrieb gingen und Abhilfe schaffen sollten, werden zwar kurz nach Beginn der letzten Kino-Vorstellung verschlossen, lassen aber genug Zeit, um mit jedem Öffnen und Schließen ins Gebäude zu gelangen. Zudem werden laut Saba mit unterschiedlichsten „Hilfsmitteln“ Lichtschranken und Sensoren außer Betrieb gesetzt.
- Sicherheitsdienst: Aktuell sei das Haus ohne Sicherheitsdienst. Der bisherige Dienst, der nach 22 Uhr patrouilliert sei, habe sich zurückgezogen. Die Suche nach einem neuen Anbieter laufe. Nachts ist faktisch niemand da, der die Anlage überwacht.
- Personal: Parkwächter seien von morgens bis 22 Uhr in zwei Schichten (nachmittags zu unterschiedlichen Zeiten) vor Ort. Eine Bewirtschaftung nach 22 Uhr sei wirtschaftlich nicht möglich, so Saba.
- Kinobetrieb: Die Kinovorstellungen laufen länger, als Parkwächter vor Ort sind. Es herrscht also weiter Parkbetrieb (auch durch Dauerparker) ohne Aufsicht und ohne eine komplette Verriegelung zur Nachtzeit.
Trotz aller Klagen über die Zustände in der Tiefgarage wurden unlängst Neubaupläne für die Freifläche neben dem Kino vorgestellt. 120 Wohnungen in vier Gebäudekomplexen sollen dort entstehen, das Parkhaus wird dafür geteilt.