Unternehmer spricht in Hamm
Wie KI unser Leben verändert: Risiken und Chancen von ChatGPT und Co.
Mona Lisa als Bikerin: Ein Hammer Unternehmer testet Künstliche Intelligenz - mit bemerkenswerten Ergebnissen. Ein spannender Vortrag am Dienstag.
Hamm – Ralf Mühlenhöver gibt nur einen Satz bei ChatGPT ein, dem Portal für Künstliche Intelligenz (KI): „Male ein Bild der Mona Lisa als Motorradfahrerin.“ Das Programm arbeitet wenige Sekunden, dann präsentiert es das Bild: die weltberühmte Mona Lisa von Leonardo da Vinci in Lederjacke, mit Handschuhen, auf einem Motorrad (Bild unten im Artikel). Der Helm liegt neben ihr und die Spiegelung passt perfekt zum Licht, das auch auf dem Originalgemälde schräg von links kommt. „Ist das nun Kunst oder kann das weg?“, fragt der Hammer Unternehmer lachend. Kunst? Zumindest als Werbung für ein Geschäft für Motorradbekleidung würde das Bild wohl taugen.
Der Einfluss von KI auf Kunst und Kreativität ist einer von vier Bereichen, mit denen sich der 55-Jährige in einem Vortrag am Dienstag, 16. April, beschäftigt (hier klicken). Außerdem spricht er darüber, wie KI sich im Marketing, im Gesundheitswesen und beim Kundenservice in Unternehmen auswirkt.
„KI Gesundheitsrisiken besser einschätzen als ein Arzt“
Mühlenhöver sieht große Chancen, will aber auch die Risiken beim Einsatz von KI nicht verschweigen. Mit dem Einsatz von KI bei Marketing und Kundenservice beschäftigt er sich seit vielen Jahren: Das Unternehmen „Vier GmbH“, für das er als Leiter von Produkt-Strategie und Marketing arbeitet, entwickelt unter anderem KI-gestützte Lösungen für den Kundenkontakt. Die Künstliche Intelligenz soll zum Beispiel in einem Call-Center so eingesetzt werden, dass Kunden direkt an der Stelle landen, die ihre Fragen beantworten kann.
Der 55-Jährige beschäftigt sich auch intensiv mit dem Einsatz von KI in der Medizin. Das hat einen persönlichen Hintergrund: Seine Frau ist Ärztin. KI könne zum Beispiel aufgrund vorliegender Daten viel sicherer Gesundheitsrisiken einschätzen als ein Arzt, sagt Mühlenhöver – etwa, wenn es um das Risiko einer Krebserkrankung geht. Ärzte könnten aufgrund der exakten Einschätzung von KI bessere Therapie- oder Vorsorgemaßnahmen verordnen. Er sieht Einsatzmöglichkeiten bei der Erziehung, Ernährung und Umweltforschung.
„Zum Nutzen der Menschheit und nicht einzelner“
Der Hammer Unternehmer sieht auch die Gefahren durch den Einsatz von KI. „Sie muss zum Nutzen der Menschheit und nicht zum Nutzen einzelner Menschen eingesetzt werden. Man kann skeptisch sein, ob uns das gelingt“, räumt Mühlenhöver ein. Eine große Gefahr sieht er, dass KI zum Erzeugen von Fake News benutzt wird. Mithilfe der Künstlichen Intelligenz ist es beispielsweise möglich, Fotos und Videos von Menschen zu erzeugen, die komplett gefälscht sind. Diese Fälschungen seien nicht zu erkennen – nicht einmal an Fehlern. Im Gegenteil: „Wenn ein Bild zu perfekt ist, liegt der Verdacht nahe, dass KI mit im Spiel war“, sagt er. Bei echten Fotos gebe es zum Beispiel Unschärfen im Hintergrund. Die rechnet KI heraus.
Mühlenhöver sieht auch das Risiko, dass die Arbeit, die durch den Einsatz von KI wegfällt, nicht gerecht zu mehr Freizeit für alle führt. Die Einführung von anderen neuen Technologien führte auch dazu, dass Arbeitsplätze verschwanden und Menschen arbeitslos wurden – statt die Arbeitszeit für alle zu reduzieren. „Es ist eine ethisch-philosophische Frage, wie sich der allgemeine Wohlstand vermehren lässt, wenn uns die Maschinen Arbeit abnehmen“, meint er.
„KI wird das Leben bald komplett verändern“
Auch in Hamm ist KI bereits im Einsatz: etwa bei zwei KI-Ampeln. Er kann sich den Einsatz von KI zum Beispiel im niederschwelligen, nicht-schulischen Bildungsangebot vorstellen. KI könne sogenannte „Lern-Nuggets“ zur Verfügung stellen, Bildungshäppchen in Mathematik, Sprache oder Geschichte, die sich in kurzer Zeit konsumieren lassen. „Ich könnte mich zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit informieren lassen, wie der Erste Weltkrieg ausgebrochen ist.“
Der 55-Jährige ist sicher, dass KI das Leben in einigen Jahren komplett verändern wird. Eine Entwicklung, die er für unumkehrbar hält. „Mit KI ist das wie mit der Zahnpasta: Wenn sie einmal aus der Tube ist, bekommt man sie nicht mehr wieder hinein.“
Der Vortrag
Der Vortrag „How AI changes our life – examples from the real world“ – frei übersetzt: „Wie KI unser Leben verändert – Beispiele aus der Wirklichkeit“ beginnt am Dienstag, 16. April, um 17.30 Uhr auf dem SRH-Campus im Heinrich-von-Kleist-Forum am Platz der deutschen Einheit. Der Eintritt ist frei.
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