Spannende Einblicke zum Thema Energie

Überraschende Wende? Viele Wärmepumpen in Hamm in Altbauten installiert

Volle Kraft voraus für die Energiewende? Christian Cichon (links) von Cichon & Panneweg weiß, welche Wärmequellen die Hammer derzeit bevorzugen.
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Christian Cichon (links) von Cichon & Panneweg weiß, welche Wärmequellen die Hammer derzeit bevorzugen.

Die Wärmepumpe ist spätestens seit der Energiekrise durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine eine heiß diskutierte Energiequelle. Aber wird nur über sie gesprochen, oder wird sie auch verbaut? Experten geben eine Antwort für die Situation in Hamm.

Von Paul Ollhoff und Raphael Haag

Hamm – Ist Hamm bereit für den Umstieg auf erneuerbare Energien? Wie groß ist hier aktuell die Nachfrage nach der vielfach angepriesenen und mit Fördergeldern dekorierten Wärmepumpe? Wir haben uns bei Fachleuten vor Ort umgehört. Ergebnis: Die Nachfrage nach alternativen Heizungsanlagen zu Gas und Öl steigt – und das offensichtlich auch in Altbauten.

Steigende Baukosten ein Bremsklotz der (teuren) Energiewende?

Vor dem Beginn des Krieges in der Ukraine wurden in Hamm immer neue Neubaugebiete geplant. Hunderte neue Häuser und Wohnungen waren in der Entstehung oder zumindest in Planung, nahezu auf die ganze Stadt verteilt. Die steigenden Baukosten haben viele dieser Pläne aber erst mal auf Eis gelegt. Die Hoffnung, dass allein schon aufgrund vieler neuer Ein- und Mehrfamilienhäuser der Weg in Richtung Wärmepumpe vorgezeichnet ist, ist erst mal zerplatzt.

War es das also mit dem großen Schritt Richtung Energiewende? Und wie groß ist das Interesse bei Besitzern älterer Immobilien? In Altbauten ist es mit den reinen Anschaffungskosten beim Wechsel der Heizungsanlage ja mitunter nicht getan. Mancherorts sind dann auch neue Heizkörper und/oder zusätzliche Dämmung erforderlich. Alles viel zu teuer? Wie nun bekannt wurde, ist ein Förderprogramm zur Energieberatung wieder gestoppt worden.

Christian Cichon nennt interessante Zahlen aus dem Geschäftsjahr 2023. 100 Heizungen habe der Heizungsbetrieb Cichon & Pannewig im vergangenen Jahr in der Stadt eingebaut, sagt der Geschäftsführer. Darunter seien 50 Wärmepumpen gewesen. Und von diesen 50 Anlagen seien 40 im Altbau eingebaut worden, nur noch zehn in einem Neubau.

Deutliche Zunähme an Wärmepumpen-Nachfrage im Jahr 2023

Ob das nun daran liegt, dass es einfach so wenige Neubauten gibt, oder daran, dass die Wärmepumpe auch für Altbaubesitzer mittlerweile interessanter wird? Möglicherweise spielen beide Faktoren eine Rolle. Cichon kann zumindest darauf verweisen, dass der Anteil der Altbaubesitzer unter den Auftraggebern einer Wärmepumpe im Vergleich zum Vorjahr 2022 deutlich zugenommen habe.

Nach dem Regierungswechsel in Berlin sei, so Cichon, zunächst ein großer Andrang auf die Wärmepumpe festzustellen gewesen. Dieser sei dann etwas abgeflacht, ehe zuletzt wieder eine steigende Nachfrage habe festgestellt werden können. Cichon hält neben einer allgemein steigenden Akzeptanz der Wärmepumpen vor allem die Fördermöglichkeiten für ursächlich.

Eine Zahl, die aufhorchen lässt, nennt Jonas Rütter, Stadtplaner am Öko-Zentrum NRW in Heessen. In Hamm seien derzeit nur 20 Prozent der Gebäude in einem in energetischer Hinsicht sehr guten bis optimalen Zustand, in Neubauzustand also. 80 Prozent wiesen hier schon Defizite auf – von kleinen bis hin zu eklatanten. Generell müsse, so Rütter, bei schlecht sanierten Altbauten mitbedacht werden, dass zu den Kosten für eine Wärmepumpe in der Regel noch zusätzliche Sanierungskosten kommen.

Abstriche bei der Förderung wohl erst ab 2028

Die derzeitige finanzielle Förderung schätzt er als hoch ein. „Wenn man jetzt die Heizung tauschen muss, kann man sich gut fördern lassen“, sagt der Stadtplaner. Wie lange die Förderstruktur noch so attraktiv bleibt? Ab 2028 soll es nach dem Gesetz zum Erneuerbaren Heizen erste Abstriche beim sogenannten Geschwindigkeitsbonus geben. Ein anstehendes Projekt lieber auf die lange Bank zu schieben, kann sich also später rächen.

Kim André Wagner von der Firma Kuhlmann glaubt an die Wärmepumpe als Energiequelle der Zukunft.

Dass in der Bevölkerung überhaupt eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Wärmepumpe entstanden ist – für Kim André Wagner von der Kuhlmann GmbH aus Bockum-Hövel spielen da die lange herrschenden Unklarheiten, die das Heizungsgesetz begleitet haben, eine entscheidende Rolle.

„Das Wort Wärmepumpe lässt bei vielen Leuten ja schon die Halsschlagader pochen“, sagt der Geschäftsführer des Kältefachbetriebs. Für ihn hätten die mediale Emotionalisierung des Themas wie auch die Verbreitung gefährlichen Halbwissens nicht viel zur Aufklärung beigetragen. Im Gegenteil. Wagner ist von der Wärmepumpe überzeugt, das vom Bund beschlossene Gesetz und dessen Förderprogramm begrüßt er. „Ich persönlich glaube, wir sind schon auf einem guten Weg.“

Der Blick in den Geldbeutel

Wer sich eine Wärmepumpe anschafft, darf mit Fördergeldern rechnen. Im Gebäudeenergiegesetz des Bundes (GEG) ist ein Förderplan vorgesehen, der sich aus einer finanziellen Grundförderung (30 Prozent), einem Geschwindigkeitsbonus (20 Prozent) und dem Einkommensbonus (20 Prozent) zusammensetzt. Der Geschwindigkeitsbonus greift in voller Höhe zusätzlich zur Grundförderung, wenn nach dem Austausch einer fossilen Heizung 65 Prozent des Energieverbrauches durch erneuerbare Energien gedeckt werden, schon bevor dies ab Ende des Jahres 2028 gemäß dem Gesetz zum Erneuerbaren Heizen in allen Haushalten für neue Heizungsanlagen ohnehin zur Pflicht wird.

Ab 2029 sinkt der Bonus (wie später jeweils erneut alle zwei Jahre) um drei Prozent. Den Einkommensbonus bekommen Kunden bei einem zu versteuernden Jahreshaushaltseinkommen von jährlich unter 40 000 Euro. Erfahrungsgemäß, verweisen Kim André Wagner von der Kuhlmann GmbH und Jonas Rütter auf bisherige Erfahrungen, greift dieser letztgenannte Bonus selten – , kann aber insbesondere für Rentner in Betracht kommen. Wagner rät Interessenten einer Wärmepumpe, eine genaue Heizlastberechnung vorzunehmen, mit dem zuständigen Heizungsbauer einen Vor-Ort-Termin auszumachen und Kenntnis über die allgemeinen Kosten der letzten fünf Jahre zu haben.

Verbessern könne sich technologisch gesehen die Effizienz der Wärmepumpe, was wiederum einen positiven Einfluss auf die Kosten hätte. Ob darüber hinaus eine weitere Technologie wie etwa Wasserstoff marktfähig werde, werde sich noch zeigen.

In Hamm wird derzeit auch das Fernwärmenetz ausgebaut. Wagner rechnet für die Zukunft sogar damit, dass Fernwärme zu einem führenden Energieträger werde. Diese „riesengroßen Wärmepumpen“ eigneten sich vor allem für urbane Gegenden, da es bei mehrstöckigen Häusern oft wenig Platz für Wärmepumpen gebe.

Egal was die Zukunft bringe: Auch jetzt schon mit den aktuellen Technologien sieht Christian Cichon die Haushalte gut ausgestattet: „Wir haben drei Heizungssysteme, die gut sind und eine Rolle in Hamm spielen: Öl, Gas und die Wärmepumpe.“

Die „Klimaagentur Hamm“ berät kostenlos und unabhängig zu allen Fragen der energetischen Sanierung: klimaagentur-hamm.de

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