Einzige Hausarzt-Praxis im Dorf schließt im März

Drohender Ärzte-Notstand: Hilfe für Uentrop aus der Nachbarschaft

Hausarztpraxis
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Der SPD-Aufruf zum Ärztemangel in Uentrop ruft jetzt auch andere Parteien auf den Plan.

Uentrop - All der Einsatz von Ärzten und Politikern hat letztlich nicht zum Ziel geführt. Das Uentroper Dorf steht bald ohne allgemeinmedizinische Versorgung da. Fußläufig wird ein Hausarzt nicht mehr erreichbar sein, aber die Familienpraxis Kühne hat sich in Dolberg auf die künftige Situation vorbereitet.

Die Erfahrungen einer Werrieserin in den vergangenen Monaten dürfte exemplarisch sein für diverse Patienten im Stadtbezirk. Rund 30 Jahre war sie, wie sie sagt, Patientin von Dr. Brigitte Pipprich im Uentroper Dorf. „Seit Bekanntwerden der Praxisschließung im Sommer vergangenen Jahres versuche ich bei einem anderen Arzt angenommen zu werden“, erklärte sie noch zum Jahreswechsel. „Leider wurde ich in Werries, Ostwennemar und Hamm-Osten abgewiesen“, sagte die Frau (der Name ist der Redaktion bekannt, sie möchte aber namentlich nicht genannt werden). Dass die gesamte Stadt eine ärztliche Überversorgung haben sollte, wie es noch Anfang November hieß, kann sie nicht nachvollziehen. Sie ließ nicht locker, was schließlich zum Erfolg führte. Doch glücklich ist sie mit dem Verlauf nicht.

„Nur mit viel Vitamin B habe ich es geschafft, über tausend Ecken“, sagt sie. „Hätte ich den normalen Weg genommen, würde ich heute im Regen stehen.“ Ein Arzt im Stadtbezirk Uentrop habe sie aufgenommen. Die Werrieserin hält es wie mancher Lokalpolitiker: „Gott sei Dank bin ich mobil, dennoch kann es nicht sein, krank durch die halbe Stadt zu fahren.“

Ähnliche Situation zunächst im Nachbarort

Ganz so weit müssen die Uentroper dann aber doch nicht, nur etwa 3,5 Kilometer weit bis nach Dolberg. Etwa genauso weit ist es übrigens bis in die Mitte von Werries. Dr. Pipprich verabschiedet sich am Freitag, 20. März, als Allgemeinmedizinerin im Uentroper Dorf. So hieß es auf Nachfrage in der Praxis. Ein Nachfolger ist trotz intensiver Suche nicht gefunden worden. Eine ähnliche Situation drohte auch im Herbst in direkter Nachbarschaft. 

Für Dolberg bestand die Gefahr, ohne hausärztliche Versorgung zu sein. Die Allgemeinmedizinerin Dr. Almut Voss-Isenbeck orientierte sich beruflich um und verabschiedete sich zum Jahresende von der Familienpraxis Kühne. „Wir standen vor der Frage, Praxis schließen oder einen Nachfolger suchen?“, sagt Dr. Karsten Kühne, der als Facharzt für Innere- und Allgemeinmedizin vor allem am Praxisstandort in Beckum arbeitet. Die Entscheidung fiel für die zweite Wahlmöglichkeit.

Verstärkung in Sicht

„Ich konnte meine Ehefrau überzeugen, ihre Oberarztstelle im Krankenhaus aufzugeben, um die Versorgung in Dolberg zu sichern.“ So arbeitet sich Dr. Sabine Kühne derzeit an der Heessener Straße 11c in Dolberg ein. Das ist ein Grund für die derzeit noch eingeschränkten Öffnungszeiten. Ihr Ehemann ist dort nur montags in der Praxis. Ein weiterer Grund ist, dass die Praxis noch nicht voll besetzt ist. Die Verstärkung ist mit Blick auf die Entwicklung in Uentrop erforderlich. 

Leichter gesagt, als getan angesichts des Ärztemangels. Das Ärztepaar Kühne hat allerdings eine „befreundete Ärztin gewinnen“ können. Sie wechselt zum 1. April aus einem Krankenhaus nach Dolberg. Nur so könne auch die Versorgung der Uentroper Patienten gewährleistet werden, sagt Kühne. Der Wechsel stehe aber noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Zusagen. Er geht davon aus, dass das nur eine Formsache ist.

Arbeiten am Limit

Der Fokus des Ehepaars Kühne auf Uentrop erfolgt in der fast zehnjährigen Geschichte der Dolberger Praxis nicht zum ersten Mal. Bereits mit der Schließung der Praxis von Dr. Dieter Saerbeck im Jahr 2012 wurden Uentroper Patienten mitversorgt. „Wir gehen davon aus, dass sich dieser Anteil mit Schließung von Frau Dr. Pipprichs Praxis noch erweitern wird, obwohl auch wir in Dolberg bereits am Limit arbeiten“, sagt Kühne. 

Die Annahme kommt nicht von ungefähr. „Wir haben reichlich Anfragen, wir werden quasi überschwemmt“, sagt er. Vor dem Hintergrund bedarf es der Unterstützung einer weiteren Ärztin. Ihr Wechsel ist auf die Schließung der Uentroper Praxis abgestimmt. „Wir haben gesagt, die Patienten sollen bis zum Ende des Quartals bei der Kollegin in Uentrop bleiben“, sagt er. Sie könnten sich aber bei Bedarf auch jetzt schon in Dolberg anmelden.

Dramatische Entwicklung

Rund 5000 Hammer müssen sich allein in diesem Quartal einen neuen Hausarzt suchen. Die Entwicklung ist inzwischen so dramatisch, dass die heimische Politik nicht mehr schweigen kann. Das Problem des drohenden Ärztemangels ist zwar nicht neu, aber die öffentlichen Diskussionen dazu haben seit Herbst vergangenen Jahres stark zugenommen.  

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