"Jeden Tag Oktoberfest" ab Dienstag im Hammer Osten
Hamm-Osten - Die Stangls machen es spannend. Seit Anfang Januar trimmen sie das Traditionshaus Hammer Brunnen auf bayrisch. Ohne Hast. Daher stand der Starttermin zunächst in den Sternen.
„Wenn die Bayern-Fahne hängt, ist geöffnet“, verriet René Stangl im Freundes- und Bekanntenkreis. Das erklärte bislang erwartungsfrohe Blicke von Autofahrern im Vorbeifahren auf der Ostenallee. Das muss jetzt nicht mehr sein, denn die weiß-blauen Rauten wehen ab Dienstag über dem Hammer Osten.
Fest steht, ab 17 Uhr ist dann „Stangl‘s Hammer Brunnen“ geöffnet, die wohl erste bayrische Gastwirtschaft – samt Hotel – in Hamm. Noch flattert aber die alte Brauerei-Fahne vor der Ostenallee 105. Auf der Theke stapelten sich in den vergangenen Tagen noch die Kartons, Tische warteten auf den Schutzanstrich und Sägemehl klebte an den Schuhen derer, die sich in der Gaststätte des Hammer Brunnens um Ordnung bemühen, darunter Kathleen und René Stangl.
Von morgens 6 bis abends etwa 20 Uhr sind sie derzeit in ihrem bayrischen Außenposten, „um die Fäden in der Hand zu halten, aber auch um selbst Hand anzulegen“, sagt René Stangl. Die beiden holen aber nicht ein Stück ihrer alten Heimat nach Hamm, sondern erfüllt sich das aus dem sächsischen Freiberg stammende Paar einen Traum, ganz nach eigenen Vorstellungen. Dazu standen ihnen auch „ganz fleißige Helfer“ zur Seite.
Wenn auch das Hotel und die bayrische Gastwirtschaft zu einem Hobby geworden sind, an der Ernsthaftigkeit und der Liebe zum Detail lassen sie keinen Zweifel. Das Wetter spielt ihnen dabei in die Hände und verschafft Zeit. „Es passt optimal“, erklärt er. „Aufgrund der Witterung ist weniger Bedarf an unserem Wasserwerk-Service“, sagt er über ihr 1998 in Hamm gegründetes Unternehmen. Es sollte wohl so sein, denn die Stangls hätten das Haus schon im September übernehmen können. Dann hätten sie sich aber nicht neben den Handwerkern derart einbringen können. Während das Hotel nahtlos weiterbetrieben wurde, gab es eine Menge zu tun.
Schwartenbretter und große Wandbilder
Seit geraumer Zeit war das Restaurant nicht mehr genutzt worden. „Wir haben eigentlich eine Kernsanierung gemacht“, sagt er. Dennoch sei alles, was erhaltenswert gewesen sei, geblieben. Entstanden ist eine rustikale Atmosphäre, die unter anderem durch die Verwendung von Schwartenbrettern – mit Rinde – erzeugt wird und durch große Wandbilder. 70 Plätze bietet die Gastwirtschaft, die von den Stangls wegen ihres bayrischen-soliden Charakters bewusst nicht Restaurant heißt.
Am Wochenende wird erstmals die Küche in Betrieb genommen. Darum kümmern sich künftig zwei Köche und ein Hilfskoch. Die klassischen Zutaten, wie Weißwürstl, Leberkäse und Haxen beziehen die Stangls aus Bayern, wie auch das Bier. Das Servicepersonal des elfköpfigen Teams wird stilecht in Trachten gekleidet sein, wie auch die Stangls. „Wer werden täglich hier sein“, sagt er, „aber sicher nicht hinter dem Tresen.“
Das einzige, was fehlen könnte, ist der Dialekt. „Das Feeling ist aber da“, verspricht Kathleen Stangl. Dafür erkennt das Paar durchaus das ganze Jahr über einen Bedarf. Weil viele nicht auf das nächste Oktoberfest warten wollen, wie sie sagen. Das wird es übrigens im Brunnen nicht geben. „Das brauchen wir nicht“, sagt René Stangl. „Wir haben jeden Tag Oktoberfest.“