Teure Rohstoffe und hohe Energiekosten
Bis zu zwei Euro: Auch die Kugel Eis wird teurer
Sommerliche Temperaturen lassen die Schlangen vor den Eisdielen werden. Doch in diesem Jahr müssen sich Eisliebhaber auf hohe Preise einstellen. Die ersten Regionen melden bereits Preise von 2 Euro pro Kugel. In den Eisdielen in Hamm kommt der Trend vorerst wohl nicht an.
Hamm – Die wärmeren Temperaturen lassen auch in Hamm die Schlangen vor den Eisdielen wieder länger werden. Eisliebhaber müssen sich allerdings auf steigende Preise einstellen. „Wir haben versucht, die Preise aus dem letzten Jahr zu halten“, sagt Martina Scapin. „Aber jetzt ging das nicht mehr.“ Im vergangenen Jahr hat die süße Kugel noch 1 Euro gekostet. Zum Mitnehmen und zum Verzehr vor Ort. Pro Eiskugel zahlen Kunden der „Bar e gelateria Martina“ am Marktplatz nun aber schon 1,20 Euro. Wer das Eis in der Eisdiele verzehrt, zahlt sogar 10 Cent mehr – für den Service. Preislich gebe es bei den Eisdielen in der Hammer Innenstadt damit keine Unterschiede mehr, sagt Scapin.
Wegen den erhöhten Rohstoff-Preisen spürt die Inhaberin wenig Entspannung. Unterm Strich bleibe kein Gewinn – es sei ein Plus-Minus- Null-Geschäft. „Eigentlich gibt es nichts, was nicht teurer geworden ist“, sagt Scapin. Der Lieferant würde inzwischen auch die Transportkosten berechnen. „Wir werden dort weiterhin bestellen. Aber vielleicht nicht mehr wöchentlich“, sagt sie. „Das läppert sich.“ Auch für die süßen Zutaten für die Eisbecher zahle sie pro Packung teils 30 Cent mehr.
Kein Mehl für Waffeln
Die allgemein herrschende Verknappung hat die Eisdiele am Marktplatz auch bereits getroffen. „Bis vor Kurzem hatten wir gar kein Mehl mehr“, erzählt Scapin. Exakt ein Kilo Mehl benötige sie für den Waffelteig. Normalerweise wird die Zutat im Supermarkt besorgt – wegen der Hamsterkäufe gab es dort kein Mehl mehr. Ein Lieferant habe ihr zum Glück 50 Mal ein Kilogramm Mehl besorgen können. Sie sei froh, jetzt erst mal wieder genug Mehl zu haben und ergänzt lachend: „Zum Glück arbeiten wir nicht mit Sonnenblumenöl.“
Sticker mit neuen Preisen auf die gerade frisch gedruckte Speisekarte kleben will sie vorerst nicht. Wenn die Entwicklung so weitergehe, sei man aber gezwungen, an der Preisschraube zu drehen. Der Sprung von 1,20 Euro zu 2 Euro sei aber noch weit.
Preise für Milch steigen erneut
Die ohnehin schon stark gestiegenen Milchpreise könnten sich erneut um bis zu 25 Prozent erhöhen, heißt es vom Milchindustrie-Verband. Landwirte haben mit steigenden Kosten für Energie und Futter zu kämpfen. Milch ist eine der Grundzutaten für Eis und Sahne. Aber auch für Kaffee brauchen Eisdielen Milch. „Seit Dezember ist der Liter Milch für uns 30 Cent teurer geworden“, sagt Maria Rosaria Camisa, Inhaberin des Eiscafés Italia am Stephanusplatz in Bockum-Hövel.
Doch auch die Preise für alles andere hätten sich erhöht. Angefangen vom Eislöffel und -becher bis hin zur Energie. Die Stromrechnung sei mit 800 Euro bereits höher ausgefallen. Bei ihr kostet eine Kugel Eis noch 1 Euro, eine größere Portion 1,50 Euro. Die Inhaberin hofft, die Preise bis zum Ende der Saison halten zu können.
Kalkulation vor Ukraine-Krieg
Bei der Eis-Oase, die mit drei Filialen in Hamm vertreten ist, kostet die Eiskugel momentan 1,20 Euro statt 1 Euro. „Man hat damit gerechnet, dass sich die Preise um 10 Prozent erhöhen werden“, sagt Geschäftsführer Jakup Jakupi. Als die Eis-Oase Anfang Januar die Preise neu kalkulierte, herrschte noch kein Krieg. Der Krieg hat für eine Zuspitzung gesorgt. Preiserhöhungen einzelner Zutaten habe es immer gegeben, sagt Jakupi. Zum Beispiel für Kakao oder Haselnüsse. „So ein Ausmaß wie in diesem Jahr haben wir aber noch nie erlebt.“ Kaum ein Produkt sei von den Preiserhöhungen verschont geblieben. „Die Preise für Dextrose sind zum Beispiel extrem nach oben gegangen“, so Jakupi. Normalerweise bekomme man Anfang des Jahres neue Preise für Milch. In diesem Jahr habe er schon drei erhalten. „Man kann aber nicht jedes Mal die Preise auf der Karte erhöhen“, so Jakupi.
Zwei Jahre lang habe man mit der Pandemie zu kämpfen gehabt. Mal musste die Anzahl der Tische reduziert werden, mal durfte Eis nur zum Mitnehmen angeboten werden. Man wusste, dass die Maßnahmen für bestimmte Zeit gelten. „Jetzt wissen wir nicht, wie es weitergeht“, sagt Jakupi. „Mit der Situation und der Ungewissheit müssen wir klarkommen.“
