Ukraine-Krieg
Nur noch Salzkartoffeln statt Pommes? Preis-Explosion für Öl trifft Hammer Imbiss-Besitzer
Um Leben oder Tod, Freiheit oder Unterdrückung geht es hierzulande nicht. Die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs in der Ukraine sind jedoch deutlich zu spüren. Pflanzenöl ist derzeit knapp, die Preise für Frittierfett in die Höhe geschossen. Hammer Imbissbesitzer machen eine schwere Zeit durch.
Hamm - Erst im Februar haben Liane und Daniel Seonie Wittniks Schnellrestaurant am Daberg übernommen. Die Pandemie hatte die Schausteller hart getroffen. Mit dem Ladenlokal wollten sie sich ein zweites Standbein aufbauen. Erst kam Corona, jetzt der Ukraine-Krieg. Das Gastgewerbe ächzt. Wieder. „Die Situation ist schwierig“, sagt Daniel Seonie. „Wir machen uns schon Gedanken, Salzkartoffeln anstelle von Pommes oder Bratkartoffeln anzubieten.“ Für Salzkartoffeln braucht man kein Öl, für Backfisch oder Schnitzel schon. „Jetzt dürfen die Leute zwar wieder in die Lokale kommen. Aber es kann sein, dass wir die Ware nicht anbieten können“, klagt Seonie.
Wir machen uns schon Gedanken, Salzkartoffeln anstelle von Pommes oder Bratkartoffeln anzubieten.
Sorgen bereiten ihm auch die Preiserhöhungen. Früher hätten zehn Liter Öl 18 Euro gekostet. Inzwischen zahlt er dafür 30 Euro. Ähnlich sieht die Situation beim Mehl aus: Pro Kilo müsse er mit 0,92 Cent rechnen, einst waren es etwa 0,40 Cent. Daran, die Preise seiner Speisen zu erhöhen, denke Seonie zwar noch nicht. Doch wenn es so weitergeht, bleibe ihm nichts anderes übrig, als den Backfisch dann für 7 Euro anzubieten. „Da hat man ja schon selbst ein schlechtes Gefühl bei.“ Aber der ab Oktober auf 12 Euro angehobene Mindestlohn müsse ja auch bezahlt werden. Seonie bleibt dennoch zuversichtlich: „Auch wenn die Situation nicht schön ist, bin ich guter Dinge, dass wir auch diese Krise meistern werden.“
Es vergeht kein Tag ohne Preiserhöhung
Beim Kult-Imbiss Schanzenbach, der mit mehreren Lokalen in Hamm vertreten ist, sind Knappheit und Preiserhöhungen zu spüren. „Die Situation ist schon sehr angespannt“, sagt Schanzenbach-Geschäftsführer Nils Kottmann. Die Ukraine habe einen großen Anteil an der Sonnenblumenproduktion. Mit dem Ausbruch des Krieges sei sie schlagartig weggefallen.
Die Lebensmittelindustrie setze daher auf ein anderes Pflanzenöl als Referenzprodukt: Rapsöl, das Bestandteil jeder hochwertigen Mayo sei, so Kottmann. Auch dieses Speiseöl sei mittlerweile Mangelware. Aber: „Wir haben noch gute Kapazitäten“, sagt Kottmann. Durch die Engpässe und die explodierenden Preise habe man gelernt, vorausschauend einzukaufen. Wegen der gestörten Lieferketten sei bei vielen Waren eine Lieferung innerhalb von 24 Stunden ohnehin nicht mehr möglich. Energie- und Materialkosten zum Beispiel für Verpackungen explodieren, die Preise für fast alle Lebensmittel steigen rasant. „Wir erleben keinen Tag ohne Preiserhöhungen“, so Kottmann.
Tünner Grill muss Preise erhöhen
Einen Vorrat an Öl hat Katharina Pudwell, Inhaberin des Tünner Grills, noch. „Wir bestellen immer beim Großhandel und kaufen in großen Mengen ein“, sagt sie. „Viel mehr machen uns die steigenden Preise Sorgen.“ Die Inhaberin zieht Konsequenzen: „Wir werden leider die Preise auf unserer Karte wieder etwas anheben müssen.“ Auch wenn sie Hersteller und Großhändler verstehen könne, sei es für einen Imbiss nicht möglich, jede Woche neue Preise zu machen. Die Inhaberin macht aber auch deutlich: „Unsere Sorgen sind jedoch klein im Gegensatz zu dem, was die Menschen derzeit im Kriegsgebiet erleben müssen.“