Holländische Eindringliche erobern "Lost Place" Heinrich Robert
"Holy Shit!" Youtuber bei Geheimtour in alter Hammer Zeche geflasht
Pelkum/Herringen – Auf Internetplattformen wie Youtube sind sie der Renner: Immer mehr „Forgotten/Lost Places“ (vergessene beziehungsweise verlorene Orte) werden vor allem von jungen Menschen auf nicht immer ganz legale Weise erforscht und Videos davon ins Netz gestellt – auch in Hamm.
Ein Gebäude, das bei vielen die Abenteuerlust hervorruft, ist die Zeche Heinrich Robert. Aktuelles Beispiel ist das rund sechseinhalbminütige Youtube-Video „Prachtige Verlaten Kolenmijn Bezoeken – Olifant Gevonden“ eines niederländischen Youtubers, der sich Jessey nennt. Ins Deutsche übersetzt lautet der Titel etwa „Besuch auf einer schönen verlassenen Kohlenmine – Elefant gefunden“.
Jessey scheint sich im Vorfeld gut über Heinrich Robert informiert haben. So erklärt er im englischsprachigen Untertitel unter anderem, dass die Zeche im Jahre 1901 gegründet und die Förderung im September 2010 aus Kostengründen eingestellt wurde.
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Viel Spaß mit dem Kauenkorb
Sein Besuch auf Heinrich Robert führt ihn und einen Freund zunächst ins Hauptgebäude. Und das scheint die Youtuber echt zu begeistern. „Wow“ lautet ihr Kommentar, als sie die Lohnhalle und später die Kaue betreten.
Was dort allerdings der künstlerisch gestaltete Elefant, der zuletzt an der Bushaltestelle „Casino“ stand, zu suchen hat, wissen die Niederländer nicht. Dafür haben die beiden viel Spaß daran, einen Kauenkorb nach oben zu ziehen, so wie die Bergleute es früher taten – nur ohne Kamera.
Jessey bedient sich in seinem Video auch von Beiträgen anderer, die ebenfalls auf Youtube eingestellt sind. So ist eine kurze Sequenz von der letzten Betriebsversammlung am 30. September 2010, aufgenommen vom Film- und Videoclub Herringen, zu sehen. Und „Sprengpaparazzi“ hat am 15. Februar 2018 die – missglückte – Sprengung des Rundeindickers gefilmt. Auch davon taucht eine Sequenz in seinem Video auf.
Die Kehrseite der Abenteuer-Medaille:
Es ist übrigens nicht der einzige Film, der in den vergangenen Monaten auf Heinrich Robert gedreht wurde. Auf Youtube und Instagram seien weitere Videos hochgeladen worden, berichtet Vanessa Tempelmann, deren Vater die Gebäude kürzlich erworben hat.
Ihr und der RAG Montan Immobilien – das Gelände ist noch nicht aus der Bergaufsicht entlassen – bereiten derartige Besuche jedoch große Sorgen. In den vergangenen Wochen seien mehrere Menschen erwischt worden, die das Gelände – nicht nur um zu filmen – verbotenerweise betreten hätten. Man habe mehrere Strafanzeigen gestellt.
Sicherheitsvorkehrungen verstärkt
Auch aus diesem Grund haben sich die, die für Heinrich Robert verantwortlich sind, dazu entschieden, die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken. So hat die Zeche wieder zwei Hausmeister, die regelmäßig „vor Ort“ sind. Sie seien, wie Vanessa Tempelmann berichtet, nicht nur für Pflegearbeiten zuständig. „Sie kontrollieren jeden Tag das Gelände, um zum Beispiel offen stehende Fenster und Türen zu schließen.“
Durch diese und weitere Sicherungsmaßnahmen sowie durch den Umstand, dass in Kürze weiteres Leben auf dem Bergwerk einkehren wird, hofft sie, dass den ungebetenen Besuchen Einhalt geboten werden kann.
