Karsten Plaß startet nochmal durch
Neue Ideen für „Pirates“-Neubau - Bloß kein Himmelfahrtskommando
Damit es doch noch was wird mit der viel beachteten neuen Eventgastronomie auf der Meile in Hamm, müssen harte Weichen neu gestellt werden. 2022 sei das Jahr der Entscheidung, sagt Karsten Plaß.
Hamm - Acht Jahre ambitionierte Planung und 150.000 darin investierte Euro haben Karsten Plaß schlauer gemacht, aber nicht wirklich weiter gebracht: Das Großprojekt „Pirates“-Neubau auf der Meile gibt es noch immer nur auf Papier, nicht aber auch nur im Ansatz zum Anfassen. Mit dem KfW-Förderstopp vor wenigen Tagen brach nun auch noch ein besonders wichtiger Baustein weg.
Der umtriebige Meilen-Wirt stellt klar, dass die Planungen trotz des fast zum Platzen mit Corona-, Krieg-, Preis-, Zins- und sonstigen Entwicklungs-Sorgen gefüllten Krisenpakets noch nicht ad acta gelegt sind. Andererseits weiß er aber auch: Sollte es bis zum Herbst dieses Jahres nicht gelingen, mit neuen Ideen und zukunftsfesten Strategien eine handfeste Finanzierung auf die Beine zu stellen, war es das eben doch. Zu groß wäre das Risiko, die Ausgaben nie wieder kompensieren zu können: „Das Ganze darf ja kein Himmelfahrtskommando werden.“
4 Millionen Euro würde der Komplex kosten, würde er nach modernsten energieeffizienten Vorgaben umgesetzt. Das ist nach dem Wegfall von knapp 800.000 KfW-Euro, die ja genau dafür genutzt werden sollten, aber nicht mehr realistisch. Die Standardbauweise würde mit rund 3,2 Millionen zu Buche schlagen. Ganz banal stellt sich da etwa die Frage, ob man auf Gas als Energieträger oder auf alternative Energiegewinnung setzen kann – oder eben muss. „Eine verzwickte Situation“, findet Plaß, der sich andererseits mit Blick auf die problematische Zinsentwicklung und das bedrohliche Abschmelzen seines Eigenkapitals auch dringend „bewegen muss“.
Pirates-Neubau auf Meile in Hamm: Obergeschosse verkaufen
Die Lösung des Problems findet sich womöglich in den Obergeschossen des Neubau-Komplexes. Denn jenseits der eigentlichen Kneipe, des Veranstaltungssaales und des darüber geplanten Biergartens würden rund 500 Quadratmeter verbleiben, die bislang eigentlich vermietet werden sollten.
Um die dauerhafte finanzielle Verantwortung los zu werden, würde der 52-Jährige die Bereiche im Wert von rund 2 Millionen Euro auch gern los werden, sprich: verkaufen. Gut vorstellen könnte er sich dort aus nahe liegenden Gründen Praxen oder Büros aus dem Gesundheits- oder dem Justizbereich. Was auch den Vorteil hätte, dass die Nutzer sich nicht daran stören würden, wenn ab 22 Uhr unten das Nachtleben Fahrt aufnähme.
Pirates-Neubau auf Meile in Hamm: Deadline für Entscheidung
Mit dieser Idee und dem Blick auf den Kalender will Karsten Plaß nun in die Offensive gehen. Die Deadline sieht er im Herbst. Sollte bis dahin doch noch alles gut gehen, könnten die Arbeiten quasi von jetzt auf gleich starten und bis Ende 2023 beendet werden – denn bis auf wenige Kleinigkeiten ist die Planung inzwischen ja nicht nur fertig, sondern von der Stadt auch abgenickt.
Sollte das nicht gelingen, würde der Musiktempel auf der Meile wohl ebenso untergehen wie das riesige „Piratenschiff“, das ganz am Anfang das Aushängeschild der Plaß’schen Planung war und damals schon große Schlagzeilen gemacht hatte.
Beachclub „Anker & Herz“ vor Eröffnung
Parallel zu den Planungen für die Südstraße laufen seit Wochen die Vorbereitungen für die Neuauflage des Beachclubs „Anker & Herz“ an der Hafenstraße: Bis zur Eröffnung am 14. Mai um 14 Uhr muss alles hergerichtet sein.
Anders als im Herbst 2021 gedacht und erwartet konnte Karsten Plaß bislang keinen auf 40 Jahre ausgelegten Vertrag für das Areal unterschreiben. Sollte es also auch nach der Saison 2022 weitergehen, dann muss er also voraussichtlich weiterhin von Jahr zu Jahr denken. Der Hauptgrund liegt an einer fehlenden Genehmigung, dort ein gewünschtes festes gastronomisches Angebot einzurichten, weil eine gewisse Feinstaubbelastung „aus Richtung Jäckering“ das verhindere.
Auch wenn somit nur „fliegende Bauten“ zulässig sind, freut sich Plaß auf die anstehende zweite Open-Air-Saison vor allem aus zwei Gründen: Das Team profitiert von den Erfahrungen aus 2021, und Corona-Einschränkungen spielen keine Rolle mehr. - han

