Wählergruppe Pro Hamm mischt sich ein
Knatsch um Krach: Welchen Stellenwert hat die Hammer Meile?
Hamm - Der Streit um (zuviel) Lärm von Besuchern und Gastronomen auf der Hammer Meile erhält unverhofft eine neue Form der Öffentlichkeit und geht damit in die nächste Runde.
Die Wählergruppe Pro Hamm setzt das Thema „Hammer Meile und die Entwicklung der Südstraße“ auf die Tagesordnung des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit, Innovation und Stadtmarketing. Damit reagiert die Wählergruppe auf die Beschwerden von Anwohnern über den Gastronomiebetrieb „Pirates“ und der öffentlichkeitswirksamen Reaktion von Betreiber Karsten Plaß darauf.
„Die Androhung von Bußgeldern durch das Ordnungsamt an die Gewerbetreibenden halten wir für kontraproduktiv“, sagt Adrian Brosterhues-Niedziolka, Mitglied im Ausschuss für die Wählergruppe . Die Gesamtsituation an der Meile sei „unbefriedigend, da es immer seltener gelingt, einen Spagat zwischen dem Bedarf der Bürger nach einer Vergnügungsmeile und dem Interesse der Anwohner auf Nachtruhe zu schaffen“.
Beschwerdeführer bleiben anonym
„Pirates“-Wirt Karsten Plaß hatte Ende Mai einen Mahnbrief der Stadt Hamm öffentlich gemacht, in dem er zur deutlichen Reduzierung der Betriebslautstärke sowie zur Einhaltung vorgegebener Zeiten aufgefordert wird. Bei weiteren Verstößen seien Geldbußen möglich. In besonderer Weise beklagte Plaß, dass die Beschwerdeführer anonym blieben, daher nehme er die Vorwürfe durchaus persönlich und siedele diese am ehesten im Mitbewerberumfeld an. Für seine bei Facebook verbreitete Gegenkritik bekam Plaß von vielen Seiten Applaus.
Die Wählergruppe Pro Hamm nimmt diese Öffentlichkeitswirkung nun auf und trägt sie in die heimische Politik. Wie das Ausschussmitglied Brosterhues-Niedziolka deutlich macht, habe die Attraktivität der Südstraße als Amüsiermeile in den vergangenen 20 Jahren an Zuspruch verloren. Um diesen Abwärtstrend zu stoppen, benötige man neue Impulse.
Pro Hamm beklagt restriktives Verwaltungshandeln
Insbesondere das „Pirates“ habe sich zu einem wichtigen Frequenzbringer für das Meilenleben entwickelt „und sollte durch restriktives Verwaltungshandeln nicht in seinem Betrieb eingeschränkt werden“, unterstützt Pro Hamm den umtriebigen Meilenwirt. Man müsse sich mittelfristig aber auch die Frage stellen, „welchen Stellenwert die Meile als Vergnügungsstraße in Hamm noch einnehmen soll“. Das sei insbesondere vor dem Hintergrund der Entwicklung der Kanalkante mit ihrer geplanten Außengastronomie „kritisch zu reflektieren“.
Mit dem Ziel der politischen Aufarbeitung hat Pro Hamm der Stadtverwaltung einen umfangreichen Fragenkatalog vorgelegt und um eine Stellungnahme gebeten.
Der Fragenkatalog von Pro Hamm im Wortlaut:
"1. Da Gaststätten immer auch ein Ort ausgelassener Feststimmung sind, ist eine erhöhte Lautstärke nahezu vorprogrammiert. Was könnten die Hammer Gastronomen aus Sicht der Stadtverwaltung machen, um potenzielle Lärmbelästigung zu vermeiden? Reicht aus Sicht der Stadt der Lösungsansatz des Gastronomen (Pirates) hinsichtlich der Verlegung der Eingangsregelung aus? Diese umfasste die Schließung des Eingangs zur Meile und die alleinige Nutzung des Seiteneingangs hin zum Santa-Monika-Platz.
2. Ist es im Sinn der Stadtverwaltung, dass Gaststättenbetreiber sich unter Umständen genötigt sehen, Veranstaltungen wie die Mittwochs-Partys nur noch an Wochenenden stattfinden zu lassen?
3. Gibt es Sonderregelungen für Gaststätten bezüglich der Lautstärke, wenn sich diese auf der Hammer Meile befinden? Wenn ja, wie sehen diese konkret aus?
4. Zur Zielgruppe der Gaststätte „Pirates“ zählen vermehrt junge Erwachsene und Studenten. Ist ein „Studentenleben“ in Hamm erwünscht, oder würde die Stadtverwaltung es vorziehen, wenn die Studenten ihre Freizeit anderenorts verbringen?
5. Wenn studentische Lebenskultur in Hamm erwünscht ist: Welche Konzepte hat die Stadt, um diese besser in die Innenstadt zu etablieren, und vor allem welche derartigen Konzepte sind für die Zukunft geplant?
6. Es ist die Rede davon, dass im Falle der Gaststätte Pirates gerade die beliebten Mittwochs-Partys der Grund für die Beschwerden wegen Lärmbelästigung seien. Nach Angaben des Gaststättenbetreibers stammen diese Beschwerden jedoch nicht von unmittelbaren Nachbarn, sondern würden immerzu anonym eingereicht. Der Betreiber wittert daher das Bestreben der Konkurrenz, ihm absichtlich das Leben schwer zu machen. Gibt es in diesem Zusammenhang etwaige Hinweise, die jene Vermutungen des Betreibers bestätigen?
7. Wie oft kam es im Jahr 2016 zu gemeldeten Lärmbelästigungen durch die Gaststätte Pirates, und in welcher Form werden diese Meldungen eingereicht? Kann nachvollzogen werden, ob die Meldungen von zumeist unterschiedlichen Quellen stammen, oder handelt es sich in den meisten Fällen um ein und dieselbe Person/Personengruppe, von der die Beschwerden ausgehen?
8. Wie wertet die Stadt diese gemeldeten Lärmbelästigungen? Präferiert die Stadtverwaltung eine lebendige Innenstadtkultur oder eher eine Innenstadt, die ab Punkt 22 Uhr wie eine ausgestorbene Geisterstadt erscheint?
9. Wie sollen die Gaststättenbetreiber überhaupt genügend Einnahmen erwirtschaften, wenn Ihnen von Seiten der Stadt sprichwörtlich Knüppel zwischen die Beine geworfen werden? Wenn es nämlich in der Konsequenz bedeutet, dass die Gaststättenbetreiber nur am Wochenende ihr Gewerbe zu einhundert Prozent ausüben können, wird es sich möglicherweise für den einen oder anderen letztlich nicht mehr lohnen?
10. Hat die Stadt vielleicht einen alternativen Lösungsansatz oder die eine oder andere Idee in petto, um einen Ausgleich für die Gaststättenbetreiber zu schaffen?
11. Der Betreiber der Gaststätte Pirates plant seit geraumer Zeit, das bisherige Festzelt durch einen Neubau auf der Meile zu ersetzen. Wie steht die Stadt zu diesem Plan? Gibt es dazu bereits eine konkrete Haltung bzw. etwaige Bedenken seitens der Stadtverwaltung, die im Realisierungsprozess problematisch werden könnten?"
