Mehr Ruhe in Grau und Grün

Bahn baut Schallschutzwände: Was das für die Menschen in Hamm bedeutet

In den Farben Grau und Grün sollen die Schallschutzwände gestaltet werden, die die Deutsche Bahn ab Mitte 2021 in der Selmigerheide sowie in Westtünnen/Berge errichten will.
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In den Farben Grau und Grün sollen die Schallschutzwände gestaltet werden, die die Deutsche Bahn ab Mitte 2021 in der Selmigerheide sowie in Westtünnen/Berge errichten will.

Fast zwei Kilometer Lärmschutz: Schon bald sollen auffällige Maßnahmen den Bürgern in der Selmigerheide (und anderswo in Hamm) mehr Ruhe bringen. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Hamm – Andreas Tecklenburg und sein Kollege Ilker Yanaz von der DB Netz waren „geplättet“: Mehr als 100 Anwohner der Bahnlinien in der Selmigerheide (Strecke Hamm–Unna) sowie in Westtünnen/Berge kamen unlägst ins Technische Rathaus, um sich über die geplante Lärmsanierung zu informieren. Es gab Kritik, aber auch – wie am Applaus erkennbar – viel Lob. WA.de beantwortet hierzu die wichtigsten Fragen:

Warum die Lärmsanierung?

An vielen Bahnstrecken in Deutschland liegt die Lärmbelastung über dem Grenzwert. Durch aktive und passive Lärmschutzmaßnahmen sowie durch neue Zugbremsen soll der Lärm reduziert werden. Die „Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes“ gibt es seit 1999. Der Bund fördert sie jährlich mit 150 Millionen Euro. Es handelt sich um eine freiwillige Leistung. Kriterien für die Förderfähigkeit sind vor allem die Belastung der jeweiligen Strecken sowie die Lärmbelastung am Tag und in der Nacht.

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Wie stark wird der Lärm durch aktiven Lärmschutz (Schallschutzwände) reduziert?

Andreas Tecklenburg sprach im Technischen Rathaus von – je nach Lage des Hauses – 5 bis 10 dB(A) Lärm weniger, wobei 10 dB(A) „eine Halbierung des Lärms bedeuten“. Am meisten profitieren werden die Häuser direkt an der Bahnlinie – allerdings nur im Erdgeschoss. In den Obergeschossen können die Grenzwerte weiterhin überschritten werden. In diesem Fall werden auch zusätzliche passive Schallschutzmaßnahmen gefördert.

Was ist passiver Schallschutz?

Dazu gehören schalldichte Fenster, schallgedämmte Wandlüfter sowie eine verbesserte Schalldämmung von Rollläden und Dächern. Passive Schallschutzmaßnahmen werden zu 75 Prozent gefördert, 25 Prozent der Kosten müssen die Eigentümer tragen.

Wer kann sich passiven Schallschutz fördern lassen?

Die Bahn wird die Anwohner, die einen Anspruch auf Förderung haben, Mitte/Ende 2021 anschreiben. Die Häuser müssen vor 2015 errichtet worden sein. Falls Interesse besteht, kommt es zu einer Wohnungsaufnahme, zur Angebotseinholung und zur Ermittlung der Fördersumme. Bevor die Maßnahmen umgesetzt werden, unterzeichnen die Beteiligten – Eigentümer und Bahn – eine Vereinbarung.

Wie umfangreich wird der aktive Schallschutz?

Wie Tecklenburg sagte, sind die im Bereich Selmigerheide/Westtünnen/Berge geplanten Lärmschutzwände insgesamt 4,7 Kilometer lang. Die Schallschutzwand 14 verläuft zwischen Baumhofweg 12 und In der Haferheide 8 (988 Meter), die Schallschutzwand 15 zwischen Zum Wiescherbach 5 und An der Spierkuhle 2 (836 Meter). In Westtünnen/Berge sollen fünf Wände gebaut werden.

Wie hoch werden die Schallschutzwände?

In allen Fällen werden sie drei Meter hoch sein. Sie sollen einen grün-grauen Anstrich bekommen, damit sie sich „der Landschaft anpassen“. Sie werden in einem Abstand von vier Metern zur Gleismitte errichtet. An einigen Stellen macht das den Erwerb von Privatgrundstücken erforderlich.

Wie hoch sind die Kosten?

Nach Angaben der Bahn belaufen sich die Kosten für die sieben neuen Lärmschutzwände auf rund 8,4 Millionen Euro.

Wann sollen die Wände gebaut werden?

Aktuell laufen die Planungen. Tecklenburg geht davon aus, dass das Baurecht bis Ende 2020 vorliegt. Mitte 2021 soll dann mit der Errichtung der Wände begonnen werden. Die Arbeiten werden sich vermutlich bis ins Jahr 2022 hinziehen. Aufgrund der Rammarbeiten, die wegen der Gleisnähe nur nachts durchgeführt werden können, wird es zeitweise zu Lärmbelästigungen kommen.

Was sagen die Anwohner aus der Selmigerheide zu dem Projekt?

Anders als in Teilen Berges und Westtünnens blieb die ganz große Kritik aus. Anwohner wollten hier unter anderem wissen, ob gegebenenfalls Baumfällungen erforderlich sind. Dies konnte Tecklenburg zwar nicht ausschließen. In einem solchen Fall werde es aber Ersatzpflanzungen geben. Anwohner der Bahnübergänge im Dorf äußerten ihre Befürchtung, dass aufgrund der Wände diese Bereiche von „Schallwellen“ getroffen werden. Eine höhere Lärmbelästigung schloss Tecklenburg aus.

Können die Pläne mit Darstellung der Situation eines jeden Hauses und Lage der Wände eingesehen werden?

Die Stadt wird die Pläne in der nächsten Woche auf ihre Homepage (www.hamm.de) stellen. Aufgerufen werden können sie im Menü über „Klima und Mobilität“ und dort über „Aktuelles“.

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