Das Coronavirus, die Musik und die Hoffnung
Der Soundtrack zur Krise kommt aus Hamm: "...wird die Welt untergehn"
"An irgendeinem Tag wird die Welt untergehn...": Obwohl nicht gerade neu entwickelt sich dieser Song der Band Kapelle Petra aus Hamm derzeit zum Soundtrack der Corona-Krise. Und zum definitiven Stimmungsaufheller. Denn so geht es weiter: "... doch an allen andern Tagen halt nicht"!
Hamm - Vor allem in den Social-Media-Kanälen geht der Ohrwurm seit ein paar Tagen viral, wird tausendfach geteilt und noch öfter kommentiert. Mit seiner hymnenhaft-trotzigen Grundstimmung passt das bereits vor zwei Jahren komponierte Stück perfekt zur Befindlichkeit vieler Menschen, die sich gegen Depression und Verlustängste stemmen und sich gegenseitig Mut machen.
Ein Moment Leichtigkeit in einer schweren Zeit
Wie fühlt sich das für die Band an? "Gut!" findet Kapelle-Frontmann Guido Scholz, den alle eigentlich "Opa" nennen. Es stimme ihn glücklich, "dass wir in dieser Situation vielen Menschen Mut machen oder zum Lächeln bringen oder auch nur für einen Moment Leichtigkeit in eine schwere Zeit bekommen. Es ist toll, wenn Musik so etwas erreichen kann."
Der Sänger und Gitarrist schrieb das Stück vor etwa zwei Jahren für das Album "Nackt", als ihn die "global-negative-alles-Kacke-Grundstimmung total genervt hat". Der Inhalt steht nun zu Corona-Zeiten in einem ganz anderen Kontext und passe gerade jetzt zu seiner Einstellung wie die Faust aufs Auge, findet der 44-Jährige.
Einnahmen brechen weg - Appell an die Fans
Neben all dieser Freude gibt es abseits der gesundheitlichen Sorgen aber auch ein gravierendes persönliches Problem. Weil durch die Corona-Krise tausende Konzerte abgesagt wurden, brechen Künstlern wie den Kapelle-Petra-Musikern die Einnahmen weg. Das sei schon "extrem blöd", sagt Scholz. Panik will er aber nicht zulassen: "Wir lieben Konzerte, und wir leben auch von Konzerten - und die sind momentan noch nicht in Sicht. Aber es werden sich auf jeden Fall irgendwelche guten Wege auftun. Wie es mit unseren geplanten Konzerten weiter geht, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Sobald wir Neuigkeiten haben, sagen wir eh Bescheid." Das gilt aktuell vor allem für das traditionelle Konzert am 30. April im Soester Schlachthof, auch wenn die offizielle Absage noch aussteht.
Bis auf weiteres appelliert der Hammer Musiker an die Solidarität der Fans, wenn er sagt: "Es wäre grundsätzlich für Künstler, Clubs, Veranstalter und alle die irgendwie mit Konzerten zu tun haben, natürlich gut, wenn Konzertkarten - wenn möglich - nicht zurückgegeben werden oder vor allem jetzt erst recht gekauft werden. Das gilt zum Beispiel auch für die Giant Rooks.
Vor 14 Tagen noch mit 1000 Fans gefeiert
Als "äußerst surreal" empfand Scholz die vergangenen Tage. "Als Band haben wir vor 14 Tagen in Dortmund noch mit 1000 Menschen auf engstem Raum ein Konzert gefeiert, und heute gehe ich nicht mal mehr mit meiner Mama spazieren!" Nichts sei mehr planbar. Und auf der anderen Seite entstünden "zwischen diesen ganzen schlimmen Szenarien gerade auch wirklich wundervolle, kreative, inspirierende und solidarische Momente", zeigt sich der Musiker gerührt.
Weil eh im Moment viel Zeit ist, bastelte Kapelle-Bassist Rainer "Siepe" Siepmann im "Home Office" in diesen Tagen ein kleines Video zur Studioversion von "An irgendeinem Tag wird die Welt untergehen" (gibt's auch auf allen Streaming-Plattformen).
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