Hammer Band in Corona-Krise Trostspender aus dem Off

Giant Rooks in Quasi-Quarantäne: "Bricht einem das Herz - aber..."

Fünf Freunde, ausgebremst im Proberaum: Luca Göttner, Finn Thomas, Frederik Rabe, Jonathan Wischniowski und Finn Schwieters hoffen, dass sie bald wieder gemeinsam Musik machen können.
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Fünf Freunde, ausgebremst im Proberaum: Luca Göttner, Finn Thomas, Frederik Rabe, Jonathan Wischniowski und Finn Schwieters (von links) hoffen, dass sie bald wieder gemeinsam Musik machen können.

Erstaunlich konsequent, erstaunlich steil. Immer weiter. Giant Rooks gelten als eine der heißesten Bands Deutschlands und Europas. Jetzt der brutale Bruch. Was macht das mit den Hammer Jungs, wie gehen sie damit um, wie soll es nun weiter gehen?

+++ Update, 15. Mai 2020: Endlich neuer Stoff für die vielen Fans: Die Giant Rooks haben auf ihren Social-Media-Accounts den Erscheinungstag ihres Debütalbums "Rookery" angekündigt und eine neue Single veröffentlicht. +++

Hamm/Berlin - Vor allem in schweren Zeiten macht Musik nicht nur Spaß, sondern auch Sinn. Sie kann Trost spenden und Mut machen. Einfach helfen. So ist das zu verstehen, wenn viele junge Leute in ihrer Corona-Not derzeit Fotos und Video-Schnipsel posten, die sie glücklich beim Hören der Giant-Rooks-Songs zeigt. Schlagzeuger Finn Thomas gibt WA.de und damit allen Fans der Band und darüber hinaus einen Einblick in sein Seelenleben und das seiner Band-Kumpels. Der 21-Jährige erzählt, wie schwer gerade vieles ist, übt scharfe Kritik an einigen Altersgenossen - und schafft es am Ende trotzdem, Optimismus zu verbreiten! Gewissermaßen als Trostspender aus dem Off … aus einer Quasi-Quarantäne heraus.

Kannst die eure Gefühle in Worte fassen, seit klar wurde, dass die Tour nicht wie geplant ablaufen wird?

Finn Thomas: Wir sind natürlich unglaublich traurig und enttäuscht. Nachdem wir jetzt fast ein halbes Jahr überhaupt nicht live gespielt hatten, haben wir uns umso mehr darauf gefreut endlich wieder auf der Bühne zu stehen und Konzerte zu geben. Vor allem bei dieser Tour gab es ein paar Highlights, auf die wir uns besonders gefreut hatten. Dazu zählen zum Beispiel die Konzerte in den USA oder viele komplett neue Songs, die wir super gerne bei dieser Tour zum ersten Mal live gespielt hätten.

Wenn das dann alles auf einmal weg fällt, bricht das einem schon so ein bisschen das Herz. Allerdings gibt es sicherlich derzeit wichtigere Dinge als Konzerte: Zuhause bleiben und die Infektionsrate so gering wie möglich zu halten hat da auf jeden Fall Priorität!

"Solidaritätswelle mit uns Künstlern"

Habt ihr Angst, dass die ganze Situation problematische finanzielle Folgen für euch haben kann?

Finn Thomas: Die komplette Musik- und Livebranche hat momentan mit der schwierigen Situation zu kämpfen, auch finanziell, klar. Das betrifft uns als Musiker genau so wie zahlreiche Veranstalter, Freiberufler oder Technik- und Tourbus-Vermietungen (um hier mal ein paar Beispiele rauszugreifen). Alle leben letztlich von diesen Einnahmen und bleiben jetzt auf bereits entstandenen Kosten sitzen. Auch hier ist aber im Moment noch sehr vieles unklar und wird sich auch wohl erst in nächster Zeit klären. Komplett abgesagt ist unsere Tour ja zum Glück auch nicht, alle Daten werden ein halbes Jahr später nachgeholt, sodass sich der finanzielle Schaden für uns dadurch vermutlich noch in Grenzen halten wird.

Eine schöne Entwicklung ist es hingegen, dass eine Art Solidaritätswelle mit uns Künstlern entstanden ist, indem Leute aufgerufen werden, ihre Tickets zu behalten und nicht zurückzugeben. Das gibt uns zumindest eine kleine Grundsicherung und hilft uns sehr!

"Es ist genug Klopapier für alle da!"

Wie geht ihr als junge Musiker mit der Corona-Sorge um? Immerhin lebt ihr teilweise in WGs…

Finn Thomas: Das Thema ist natürlich zur Zeit wahnsinnig präsent, auch bei uns. Zum Glück zählen wir alle nicht zur Risikogruppe. So gesehen hält sich die Gefährdung für uns in Grenzen. Da gibt es denke ich Menschen, um die wir uns im Moment mehr sorgen und kümmern müssen. Ansonsten lässt sich ja eigentlich nur das übliche sagen: Hände waschen, zuhause bleiben, soziale Kontakte meiden, aufeinander aufpassen und die Hamsterkäufe sein lassen - es ist genug Klopapier für alle da!

Düstere Fotos passen zur düsteren Zeiten: Finn Thomas (vorn) mit seinen Bandkollegen (von links) Luca Göttner, Finn Schwieters, Jonathan Wischniowski und Frederik Rabe.

Haltet ihr kontinuierlich Kontakt untereinander?

Finn Thomas: Ja, wir sind eigentlich immer im Kontakt untereinander. Auch wenn wir uns ab und zu mal ein paar Tage nacheinander nicht sehen gibt es jeden Tag Neuigkeiten zu besprechen und Entscheidungen zu fällen, bei denen wir uns immer gegenseitig absprechen und den Kontakt zueinander halten.

"Die Maßnahmen sind nicht übertrieben"

Wie bewertest du die täglich verschärften Vorsorgemaßnahmen als junger Mann, der viel auf Reisen ist? Berechtigt oder übertrieben?

Finn Thomas: Es ist schon krass, wie quasi jeden Tag neue Maßnahmen und Verbote verkündet werden. Das passiert im Moment alles so schnell, dass man oft selbst gar nicht mehr hinterherkommt und einige Sachen am Anfang schon etwas merkwürdig findet. Ich denke aber, dass man es niemandem vorwerfen kann, wenn man versucht die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Die Lage ist sehr ernst und es ist absolut sinnvoll, den Ratschlägen von Experten und den verschriebenen Empfehlungen und Gesetzen Folge zu leisten, um das Infektionsrisiko zu verringern. Daher halte ich die Vorsorgemaßnahmen nicht für übertrieben.

"Corona-Partys sind egoistisch"

Vielerorts versammeln sich junge Leute - auch eures Alters - zu „Corona-Partys“. Kannst du das nachvollziehen? Oder siehst du das mit Skepsis?

Finn Thomas: Es ist zur Zeit natürlich hart für alle Leute, sich nicht treffen zu können und das soziale Leben komplett einzuschränken und herunterzufahren. Allerdings sollen die Maßnahmen ja vor allem dazu dienen, die Ausbreitung zu verlangsamen, Krankenhäuser zu entlasten und die Risikogruppe vor einer Infizierung zu schützen. Daher halte ich es schon für sinnvoll, auch an diese Leute zu denken und verantwortungsvoll im Hinblick auf andere Menschen mit der Situation umzugehen.

Wer unter diesen Umständen trotzdem auf solche Feiern geht, handelt in meinen Augen unverantwortlich und egoistisch.

Wie viele Gigs wurden bislang abgesagt?

Finn Thomas: Bislang betrifft es die komplette Deutschlandtour sowie die Shows in Wien und Zürich. Das sind insgesamt 13 Daten, die aufgrund der Sicherheitsbestimmungen verlegt werden müssen. Dazu kommen die ersten vier Shows in Dallas, Houston, Tampa und Orlando, bei denen wir jetzt im März schon "Milky Chance" als Supportband in den USA begleitet hätten. Wegen des Einreiseverbots müssen die allerdings auch verlegt werden.

Der Rest unserer Europa-Tour findet - Stand jetzt - noch statt. Da müssen wir die aktuelle Entwicklung abwarten, es ist momentan wirklich eine Ausnahmesituation und niemand weiß so recht damit umzugehen.

Neue Show in Münster hinzugefügt

Für die abgesagten Auftritte sind zum Glück inzwischen neue Termine veröffentlicht worden. Welche aktuellen Infos hast du für die Fans?

Finn Thomas: Der verschobene Teil der "Rookery-Tour" wird jetzt am 30. August in Stuttgart starten und am 28. September in Hamburg enden. Wir sind wahnsinnig glücklich und erleichtert, dass wir alle Termine in den Herbst verschieben konnten und freuen uns bereits auf den September!

Außerdem haben wir eine neue Show in der Halle Münsterland am 19. September in Münster hinzugefügt. Das wird unser bis dahin größtes eigenes Konzert werden und wir hoffen natürlich auch einige bekannte Gesichter aus der "Heimat" dort anzutreffen. Bereits gekaufte Tickets behalten selbstverständlich ihre Gültigkeit

Wie liefen die Ticketverkäufe bislang? Wie viele Konzerte waren schon ausverkauft, wie viele kurz davor?

Finn Thomas: Der Vorverkauf läuft grundsätzlich sehr gut. Konzerte in Dortmund, Köln, München, Berlin, Nijmegen oder Wien sind zum Teil schon seit längerem ausverkauft. Die meisten anderen Städte stehen kurz davor. In Berlin spielen wir sogar eine Zusatzshow. Allerdings merken wir hier natürlich, dass in den letzten Wochen weniger Tickets verkauft werden als davor, da sich in der aktuellen Lage und Ungewissheit kaum jemand Konzerttickets kauft.

Wie überbrückt beziehungsweise nutzt ihr die Zeit, die ihr jetzt unerwartet habt (als Band wie jeweils die Musiker)?

"Vielleicht arbeiten wir an neuen Songs"

Finn Thomas: Da haben wir tatsächlich noch gar nicht so richtig drüber nachgedacht. Unser erster Gedanke war glaube ich, wegzufahren und Urlaub zu machen, aber dann wurde uns ziemlich schnell klar, dass es gerade nicht die Zeit für Urlaub ist. Deshalb werden wir jetzt alle in nächster Zeit wohl auch viel zuhause bleiben und gemeinsam überlegen, was jetzt als nächstes der Plan ist. Vielleicht arbeiten wir schon weiter an neuen Songs, irgendetwas Sinnvolles wird uns sicherlich schon einfallen.

Alle Fans warten sehnlich auf das erste echte Album. Kann es unter den aktuellen Umständen eventuell früher veröffentlicht werden als eigentlich geplant, quasi als Trostpflaster? Oder bis wann müssen eure Fans wohl noch warten?

Noch kein Datum für Album-Veröffentlichung

Finn Thomas: Wir waren jetzt im Prinzip das komplette letzte halbe Jahr im Studio und haben viel an neuen Songs gearbeitet und diese dann auch aufgenommen. Das war eine sehr spannende und intensive Zeit. Seit letzter Woche sind auch die letzten Aufnahmen abgeschlossen und alle Songs im Kasten. Wir haben ein super gutes Gefühl bei allen Songs und sind auch schon sehr gespannt, diese endlich zu veröffentlichen!

Bis wir hier ein fertiges Endprodukt präsentieren können, wird es aber vermutlich leider noch ein bisschen dauern. Da kann ich mich momentan noch auf kein genaues Datum festlegen.

Schnappschuss bei den Proben zur Rookery-Tour: Finn Thomas (hinten) und Luca Göttner.

Probt ihr aktuell noch beziehungsweise wieder? Und wenn nicht, wann soll es wieder los gehen?

Finn Thomas: Wir hatten die letzten Wochen ja sehr viel und intensiv mit Hinblick auf die Tour geprobt. Die letzten Tage waren für uns alle körperlich und vor allem auch mental sehr stressig und belastend; wir müssen jetzt erst einmal etwas durchschnaufen und uns erholen. Aber danach werden wir uns sicherlich wieder im Proberaum treffen und weiter an unserem Live-Set oder auch an ganz neuen Ideen arbeiten.

"Watershed" bei Berlin Late Night

Sind weitere Band-Aktionen wie TV-Auftritte angedacht, um die Zeit zu füllen?

Finn Thomas: Dadurch, dass zur Zeit keine Konzerte stattfinden können, sind natürlich Plattformen wie Fernsehen oder Radio gute Möglichkeiten, weiter als Band stattzufinden. Wir waren erst kürzlich bei "Late Night Berlin" zu Gast und haben dort unsere neue Single "Watershed" gespielt.

Außerdem stehen wir bereits mit einigen Radiosendern in Kontakt. Gleichzeitig bietet aber auch Social Media enorm viele Möglichkeiten, wie man grad die Zeit auch kreativ nutzen kann. Man sieht derzeit beispielsweise viele Künstler, die von zuhause aus Konzerte geben oder Livestreams starten.

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