Emotionale Vorkämpferin zieht Bilanz

Kampf um „St. Jupp“ verloren: Marina Weber schmeißt hin

Marina Weber
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Es nützte nichts: Marina Weber und die übrigen Mitglieder der Bürgerinitiative verteilten 2018 Aufkleber, mit denen die Bockum-Höveler zeigen konnten, dass sie ihr Krankenhaus behalten wollen. Das änderte an den Plänen der Franziskus-Stiftung ebenso wenig wie mehr als 10.000 vor Ort gesammelte Unterschriften für den Erhalt der Klinik vor Ort.

Ihr unermüdlicher Kampf für einen Verbleib des St.-Josef-Krankenhauses in Bockum-Hövel war am Ende vergeblich: Jetzt hört Marina Weber als Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) auf.

Hamm – Die St.-Barbara-Klinik GmbH kann ihr Vorhaben „Wir werden eins“ vermutlich noch so positiv verkaufen: In Bockum-Hövel wird die damit verbundene Schließung des St.-Josef-Krankenhauses wohl lange als Makel an der GmbH haften. Marina Weber, Sprecherin der Bürgerinitiative für den Erhalt von St. Josef, zieht jetzt einen Schlussstrich und wendet sich in einem offenen Brief an die Geschäftsführung der Barbaraklinik. „Wir müssen klar sagen, dass wir unser Ziel – den Erhalt des Krankenhauses – nicht erreicht haben.“ (Hier klicken für viele andere Berichte zum Thema.)

Was letztlich übrig bleibe, sei ein Trostpflaster: das Versprechen von Politik und möglichen Investoren, das Gelände für medizinische Zwecke zu nutzen. Marina Weber bezeichnet das als „Teilerfolg“. Das gebäude werde aber sicherlich abgerissen und sei damit Geschichte. „Leider wissen wir ja immer noch nicht, wie es jetzt weitergeht und was die Investoren tatsächlich planen“, sagt Weber.

„Wir sind unendlich traurig, dass die Entscheidung so gefallen ist“, schreibt Marina Weber in dem offenen Brief. „Bockum-Hövel verliert sein Herz. Fünf Jahre habe ich mich im Namen der überwiegenden Mehrheit der Bürgerschaft von Bockum-Hövel und darüber hinaus für den Erhalt unseres Krankenhauses eingesetzt“, sagt sie.

Gespräche sogar mit dem Papst

Weit mehr als 10.000 Unterschriften hatte sie in Bockum-Hövel für den Erhalt des Höveler Krankenhauses gesammelt. „Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, wie emotionslos sachlich darüber berichtet wird. Die Geschäftsführung der Barbara-Klinik und auch unsere Politiker sprechen von einer guten Gesundheitsvorsorge, trotz Corona. Jeder, der jedoch in letzter Zeit einmal krank wurde und einen Hausarzt, einen Facharzt, die ärztliche Notfallpraxis oder auch sogar ein Krankenhaus aufsuchen musste, weiß doch, wie schwer es bereits heute ist, überhaupt einen Termin zu bekommen“, sagt Weber über die Probleme vor Ort.

Besonders bedauere sie die Emotionslosigkeit der St.-Barbara-Klinik Gmbh als Träger des Krankenhauses in Bockum-Hövel, der so weitreichende Versprechen über die Nachhaltigkeit dieses Krankenhauses gegeben habe.

Umzug bis Ende des Jahres

Die Franziskus-Stiftung hatte bei einem Ortstermin in dieser Woche erklärt, dass die Abteilungen des St.-Josef-Krankenhauses nacheinander bis Ende des Jahres an die St.-Barbara-Klinik umziehen werden. Derzeit verhandle sie mit zwei Investoren über den Verkauf. Ziel der Stiftung sei es, das aus dem Verkauf erlöste Geld in Bockum-Hövel wieder zu investieren, erklärte Thorsten Keuschen, Geschäftsführer der Barbaraklinik.

„Fünf Jahre habe ich mit gefühlt allen Organisationen, Parteien, Ministerien, Kanzlerin, Ministerpräsidenten, Oberbürgermeistern und sogar dem Papst als moralische Instanz der Franziskus-Stiftung kommuniziert. Leider hatte ich, wie es aussieht, keinen Erfolg, obwohl ich die Entscheidung, das Krankenhaus zu schließen, immer noch für falsch und für alle Patienten für desaströs halte. Ich danke allen, die mich bei dem Kampf unterstützt haben und denen, die mit mir auf der Suche nach der Stiftungsurkunde in vielen Archiven geforscht haben, aber leider nicht fündig wurden“, so Marina Weber weiter.

„Mein letzter Aufruf zur Vernunft“

„Dies ist mein letzter Aufruf zur Vernunft in der Gesundheitsversorgung. Der neue Oberbürgermeister und die neue Koalition haben erfreulicherweise versprochen, das Grundstück ausschließlich für medizinische und Gesundheitsvorsorgemaßnahmen vorzuhalten. Ich baue darauf, dass dieses Versprechen dann auch so mit einer angemessenen, mindestens überwiegenden medizinischen- und Gemeinwohlnutzung eingelöst wird. Aus Verantwortungsbewusstsein erwarte ich eine gemeinschaftliche und transparente Umsetzung von Franziskus-Stiftung, Kommunaler Beteiligung sowie eines möglichen Privatinvestors“, erklärt sie.

„Ich bedauere es, dass ich für unseren Stadtteil leider nicht mehr erreichen konnte; bin mir aber sicher, dass diese politische Baustelle schnell den Verantwortlichen auf die Füße fällt. Leider ist es dann für Bockum-Hövel zu spät“, schreibt Weber.

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