Mehr Platz gefragt
Immer größere Autos: Bald wohl weniger Stellplätze in Hamm
Autos werden seit Jahren immer größer und schwerer. Und das hat jetzt Folgen: Stellplätze sollen bundesweit künftig breiter werden: 15 Zentimeter mehr sind vorgesehen. Die Stadt Hamm will das auch umsetzen.
Hamm – Über die neuen Maße für Stellplätze dürften sich vor allem Fahrer von Geländewagen, SUV und Multivans freuen. Langfristig könnten die neuen Abmessungen aber zu einem drastischen Stellplatzabbau führen. Und das, während der Parkdruck vor allem in der Innenstadt weiter wächst.
Für die Abmessungen von Stellplätzen ist in Deutschland die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) in Köln zuständig. Und die hat im August ihre neuen „Empfehlungen für die Anlagen des ruhenden Verkehrs“ beschlossen und veröffentlicht. Schräg oder quer zur Fahrbahn angeordnete Stellplätze sollen künftig 2,65 statt 2,50 Meter breit sein. Bei längs zur Straße angeordneten Parkplätzen sollen 15 Zentimeter dazukommen, wenn ausreichend Platz da ist. Sonst soll hier weiter eine Breite von 2 Metern gelten.
Mit der neuen Regelung werden die Parkplätze allerdings nicht über Nacht wachsen. Es gehe vielmehr um einen Standard für künftige Planungen, sagte FGSV-Sprecherin Stefanie Karrenbrock. Die Entscheidung liege jeweils bei den Städten und Parkhausbetreibern. Die müssten Abweichungen von den Empfehlungen aber gut begründen.
In Hamm will man den neuen Vorgaben entsprechen
In Hamm will man den neuen Vorgaben entsprechen. Es handele sich um Empfehlungen für den Bau von Stellplätzen im öffentlichen Raum, sagte Stadtsprecher Tom Herberg. Diese würden würde die Stadt bei entsprechenden Neubauten berücksichtigen. Allerdings gebe es ohnehin die Tendenz, dass Parkplätze im öffentlichen Raum zugunsten von Gehwegen, Radwegen oder Grünflächen reduziert werden. Große Auswirkungen der neuen FGSV-Empfehlungen erwarte man deshalb nicht.
Das sieht man bei der Forschungsgesellschaft in Köln anders. Größere Stellplätze bedeute eben insgesamt weniger Stellplätze, sagt Karrenbrock. Auf der gleichen Fläche könne man dann eben weniger Autos unterbringen.
Und es geht noch weiter: Die immer breiteren Fahrzeuge hinterließen ihre Spuren auch in anderen Regeln. Derzeit würden die „Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen“ (Rast) überarbeitet, sagte die FGSV-Sprecherin. Am Ende könnten hier breiter Fahrbahnen stehen. Als Folge könnten beispielsweise ganze Parkreihen wegfallen müssen oder Straßen zu Einbahnstraßen umgestaltet werden, wenn kein verkehrssicherer Begegnungsverkehr mehr möglich sei.
Wird der Trend zum Boomerang für Autofahrer?
Der Trend zum größeren Auto könnte sich also langfristig als Boomerang für Autofahrer erweisen. Die FGSV hält die Streichung von Parkplätzen generell für den richtigen Weg. „Wir empfehlen ausdrücklich: Parkplätze sollen aus dem Straßenraum so weit wie möglich weg“, sagte die Sprecherin.
Kritik begegnet der FGSV derzeit vor allem von Umweltverbänden. Die Deutsche Umwelthilfe sieht in den neuen Empfehlungen beispielsweise eine „Kapitulation vor der Autoindustrie“. Der Verkehrsclub Deutschland warnte vor negativen Folgen für Fußgänger und Radfahrer. Man sehe die wachsenden Fahrzeuggrößen durchaus kritisch, sagte Karrenbrock. Die Entwicklung finde aber schon seit Jahren statt, sie „zu ignorieren, wäre auch nicht richtig“.
Das Bemessungsfahrzeug
Grundlage für die Empfehlungen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) ist das sogenannte Bemessungsfahrzeug. Es handelt sich nicht um ein konkretes Fahrzeug, sondern um eine theoretische Größe, die den Durchschnitt der zugelassenen Fahrzeuge abbilden soll.
Es ist damit die statistische Grundlage für diverse Regelwerke zum Straßenverkehr. So ist das Gewicht eines Fahrzeugs beispielsweise relevant für den Oberbau einer Straße. Länge und Breite eines Autos spielen eine Rolle bei der Größe von Stellplätzen und der Breite von Fahrbahnen.
Die steigenden Zulassungszahlen für SUV, Geländewagen und Multivans spiegeln sich der FGSV zufolge nun den größeren Abmessungen des Bemessungsfahrzeuges. Die Empfehlungen zu Stellplatzgrößen waren zuletzt 2005 angepasst worden.
Viele Autofahrer meinen, dass der Stellplatz des Wagens keine größere Rolle spielt. Solange die Fenster geschlossen und das Auto zugesperrt ist, kann nichts passieren, oder? Doch - kann es!